Debatte um härtere Strafen
Giffey: «Bei Kindesmissbrauch Strafrahmen ausschöpfen»

Berlin - Am Wochenende ist ein Fall von schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in Münster bekannt geworden. Die Bundesfamilienministerin erteilt Forderungen nach härteren Strafen dennoch eine Absage.

Mittwoch, 10.06.2020, 05:34 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 12:02 Uhr
Familienministerin Franziska Giffey (SPD) äußert sich zu Kindesmissbrauch.
Familienministerin Franziska Giffey (SPD) äußert sich zu Kindesmissbrauch. Foto: Kay Nietfeld

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat hohe Strafen bei Kindesmissbrauch gefordert. Zwar könnten für diese «furchtbare Tat» bereits jetzt hohe Strafen verhängt werden, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Wichtig sei aber, «dass der Strafrahmen auch entsprechend am oberen Ende ausgeschöpft wird». Auch die Kapazitäten von Ermittlern müssten ausgebaut werden.

Ihr gehe es vor allem um die Kinder und mehr Prävention. «Das Leid, das betroffenen Kindern angetan wird, ist unermesslich und belastet diese oft ein Leben lang», sagte Giffey. Eine aufmerksame Gesellschaft sei nötig, die Anzeichen von Missbrauch früh wahrnehme und dann helfe. «Dafür braucht es ein Umfeld, das hinschaut sowie Behörden und Gerichte, die Fälle von Kindesmissbrauch konsequent verfolgen und bestrafen und eng zusammenarbeiten», sagte Giffey.

Nach Ansicht von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) stehen die 15 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung bei Kindesmissbrauch nicht nur auf dem Papier. «Beispielsweise wurde im Fall Lügde dieser Strafrahmen fast ausgeschöpft», sagte sie der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Das ist eine der höchsten Strafen, die unsere Rechtsordnung überhaupt kennt.» Forderungen nach schärferen Strafen erteilte die Justizministerin eine Absage. «Wichtiger ist es, konkret den Ermittlern mehr Möglichkeiten zu geben und sie gut auszustatten. Dass das wirkt, zeigt sich in NRW.»

Am Wochenende war ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in Münster bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war wegen Kinderpornografiebesitzes zweifach vorbestraft.

 

 


Hinweis: Wer selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden ist oder jemanden kennt, der Hilfe braucht, kann sich an das Hilfetelefon sexueller Missbrauch wenden: 0800 22 555 30 (kostenlos und anonym). Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, die einen Verdacht oder ein „komisches Gefühl“ haben, die unsicher sind und Fragen zum Thema stellen möchten. 

Du bist ein Kind und dich bedrückt etwas? Wenn du niemanden findest, der oder die dir helfen könnte, oder wenn es dir lieber ist, mit einer Person zu sprechen, die du nicht so gut kennst: Dann rufe an bei der  „Nummer gegen Kummer“: 116111 (kostenlos und anonym). Wenn du lieber schreibst als redest: Per Mail oder Chat findest du dort jemanden, der sich um deine Probleme kümmert.

In Münster bietet zudem der Verein Zartbitter (0251-4140555) Hilfe für Jugendliche ab 14 Jahren an. Jüngere Kinder können beim Kinderschutzbund anrufen (0251-47180).

Doch auch jeder andere kann etwas tun! Mit der Kampagne „Missbrauch verhindern!“ stärkt die Polizei Erwachsene, damit sie Kinder schützen können. In fünf Schritten - Wissen, Offenheit, Aufmerksamkeit, Vertrauen, Handeln - bekommt man das Rüstzeug, um Anzeichen für Missbrauch zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

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