Großhochzeit lässt Infektionszahlen steigen – Hamms Oberbürgermeister wütend
Hamm: „Niemand benennt Ross und Reiter“

Hamm (dpa/WB). Viele Schüler und Lehrer im Hamm müssen im Unterricht wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Stadt sei derzeit die einzige in NRW, die diese Maßnahmen ergreifen müsse, hatte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) angekündigt. Zugleich dürfen sich im öffentlichen Raum in Hamm nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten gemeinsam aufhalten. Die Kontaktbeschränkung gilt für zunächst zwei Wochen.

Mittwoch, 23.09.2020, 21:32 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 21:34 Uhr
Die Stadt Hamm hatte Corona unter Kontrolle – bis die Zahl der Infektionen nach einer Hochzeitsfeier explodierten. Foto: dpa
Die Stadt Hamm hatte Corona unter Kontrolle – bis die Zahl der Infektionen nach einer Hochzeitsfeier explodierten. Foto: dpa

In Hamm gilt als Auslöser der zweiten Corona-Welle vor allem eine türkische Großhochzeit und damit verbundene Feste, die laut OB in Hamm, Dortmund und Werl stattgefunden hatten. Nach neuesten Erkenntnissen seien dort mindestens 309 Teilnehmer aus Hamm gewesen, die allesamt in Quarantäne müssten und nun getestet würden, erklärte der CDU-Politiker.

Die Hammer Zeitung „Westfälischer Anzeiger“ berichtet, dass die „Hintergründe und das Feierszenario nach wie vor nicht geklärt“ seien. Hier werde „von Seiten der Feiernden offenbar massiv verschleiert“. Bei der Rückverfolgung stoße die Stadt bei Zeugen und Beteiligten auf eine Mauer des Schweigens oder erhält schwammige Angaben zu Ereignissen und Teilnehmern. „Niemand benennt hier Ross und Reiter“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. „Kontakt- und Anwesenheitslisten passten beispielsweise nicht zusammen.“ Die städtischen Mitarbeiter, die in diesen Fällen recherchierten, stießen zumeist auf wenig Auskunftsfreude, heißt es in der Zeitung weiter. Die Stadt kenne zwar Brautpaar und Veranstaltungsort, dennoch bleibe vieles nebulös, erklärte Hunsteger-Petermann.

Hamms Oberbürgermeister hatte sich am Montag in einem vierminütigen Video mit deutlichen Worten an die Einwohner seiner Stadt gewandt. Er sei „äußerst verärgert” über die Situation, sagt Hunsteger-Petermann in dem ­Video.

Gegenüber „Spiegel Online“ legte Hamms OB am Mittwoch nach: „Vergangene Woche hatten wir die Corona-Lage in unserer Stadt unter Kontrolle, es gab 19 Infizierte auf 180.000 Einwohner. In der Zwischenzeit ist unser RKI-Faktor auf 79,8 gestiegen, er liegt damit deutlich über der Grenze von 50. Wir haben 151 Infizierte, und es könnten noch deutlich mehr werden, wenn wir alle Verdachtsfälle überprüft haben. Und das alles wegen einer einzigen Familienfeier. Natürlich bin ich wütend. Weil eine Handvoll Feiernder jeglichen Anstand, Abstand und auch ihre Masken zur Seite gelegt hat, leiden jetzt 180.000 Menschen darunter. Die haben sich verhalten, als ob es Corona nicht gäbe. Das darf nicht sein.“ Hunsteger-Petermann führte den Infektionsausbruch praktisch ausschließlich auf die türkische Hochzeit zurück. „Es war eine Hochzeitsfeier mit mehreren Hundert Gästen, bei der man sich ebenfalls nicht an Abstands- und Hygieneregeln gehalten hat. Das hat Corona-Übertragungen in großer Zahl ermöglicht. Wir können fast alle Infektionen darauf zurückführen.“

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