Fetischparty aufgelöst
Hunderte Polizisten überwachen Corona-Regeln in Berlin

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie werden an vielen Orten die Vorsichtsmaßnahmen verschärft - aber halten sich die Menschen auch daran? In Berlin wurde am Wochenende stärker kontrolliert, auch die Bundespolizei half. So fällt die erste Bilanz aus.

Sonntag, 25.10.2020, 18:54 Uhr aktualisiert: 25.10.2020, 18:57 Uhr
Eine Streife der Bundespolizei kontrolliert in der Nacht in Berlin die Einhaltung der Sperrstunde und der Kontakteinschränkungen.
Eine Streife der Bundespolizei kontrolliert in der Nacht in Berlin die Einhaltung der Sperrstunde und der Kontakteinschränkungen. Foto: Paul Zinken

Berlin (dpa) - Hunderte Polizisten haben am Wochenende in Berlin die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert. Rund 1000 Polizisten waren im Laufe des Samstags im Einsatz, auch am Sonntag wurde kontrolliert. Die Hälfte der Einsatzkräfte kam von der Bundespolizei.

In der Stadt gelten jetzt strengere Regeln - so muss etwa auf Wochenmärkten und zehn Einkaufsstraßen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Tagsüber hielt sich der Großteil der Menschen einer Zwischenbilanz zufolge an die Regeln. Etwa 80 bis 90 Prozent hätten ihren Mund-Nasen-Schutz getragen und sich an Sicherheitsabstände gehalten, hieß es in einer Mitteilung der Polizei aus der Nacht.

Am Samstagabend wurden dann rund 4000 Menschen kontrolliert, ob sie Mund-Nasen-Schutz tragen und sich an Abstandsregeln halten. Mit 1000 von ihnen seien «Präventionsgespräche» geführt worden, berichtete eine Polizeisprecherin am Sonntag. Zwischen 18.00 Uhr und 02.00 Uhr seien rund 280 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Tagsüber waren es noch 23 Verfahren gewesen.

Am Samstagabend wurde im Bezirk Mitte eine Veranstaltung aufgelöst. Die Polizei sprach bei Twitter von einer «Fetisch-Party» und rund 600 Gästen. In einer Mitteilung vom Sonntag war von einer «Party» mit rund 500 Gästen die Rede. «Es waren einfach zu viele für zu wenig Platz», hatte es bei der Polizei am späteren Samstagabend geheißen. Die Veranstalterin erwarte demnach ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung. Der Mindestabstand habe wegen der Vielzahl der Personen nicht eingehalten werden können.

Bundesweit hatten sich zuletzt immer mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die Polizeikontrollen zielten unter anderem auf illegale Partys und die Gastronomie ab, für die größtenteils eine nächtliche Sperrstunde gilt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich auf den gemeinsamen Einsatz verständigt.

Am Samstagabend wurden laut Polizei 51 Gaststätten und 14 Geschäfte kontrolliert. Dabei seien 81 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen fehlender Mund-Nasen-Bedeckungen eingeleitet worden, außerdem sechs Anzeigen, weil gegen die Sperrstunde verstoßen worden sei. In drei Fällen sei unerlaubterweise noch Alkohol ausgeschenkt worden, in zehn Fällen habe ein Hygienekonzept gefehlt.

Die Berliner Landesregierung hatte vergangene Woche die Vorgaben verschärft. So gelten auch für private Treffen nun strengere Regeln: Draußen dürfen sich noch 25 statt 50 Menschen treffen, drinnen nur noch Angehörige eines Haushalts plus maximal fünf andere Personen. Besonders viele Infektionen waren zuletzt in Berlin-Neukölln festgestellt worden. Auf der Karl-Marx-Straße weisen Graffitis nun in mehreren Sprachen daraufhin, dass dort Maskenpflicht gilt.

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, hatte angesichts steigender Corona-Infektionszahlen auch an die Mitarbeiter seiner Behörde appelliert, sich im privaten Bereich besser vor Ansteckung zu schützen. In einer Videobotschaft an die Polizeibeamten hatte er gesagt, aktuell seien 136 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. 1574 Bundespolizisten befinden sich nach seinen Worten derzeit vorsorglich in Quarantäne.

© dpa-infocom, dpa:201025-99-72637/3

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