Ulrich Deppendorf kritisiert TV-Berichterstattung aus Washington
„Schwarzer Tag für ARD und ZDF“

Köln (WB) -

Fünfeinhalb Jahre ist es schon her, dass Ulrich Deppendorf als damaliger Leiter des Berliner ARD-Hauptstadtstudios in den Ruhestand ging. Aber die Arbeit seiner Ex-Kollegen verfolgt der 70-Jährige weiterhin aufmerksam.

Samstag, 09.01.2021, 00:30 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 00:44 Uhr
Ulrich Deppendorf moniert, dass ARD und ZDF am Mittwochabend das Programm zu spät unterbrochen haben, um live nach Washington zu schalten.
Ulrich Deppendorf moniert, dass ARD und ZDF am Mittwochabend das Programm zu spät unterbrochen haben, um live nach Washington zu schalten. Foto: imago

Am frühen Mittwochabend platzte ihm der Kragen. Als er vom Sturm aufs US-Kapitol erfuhr, suchte er in der ARD und beim ZDF vergeblich nach Livebildern. „In Washington gibt es einen Anschlag auf die US-Demokratie und das Erste sendet Hans Albers! Verstehen tue ich das nicht mehr“, teilte Deppendorf unmittelbar darauf bei Twitter mit.

Ulrich Deppendorf

Ulrich Deppendorf Foto: imago

Die ARD zeigte ab 20.15 Uhr den Film „Für immer Sommer 90“ und plante zu diesem Zeitpunkt im direkten Anschluss um 21.45 Uhr den Film „Die Liebe des Hans Albers“. Am Donnerstag legte Deppendorf auf Anfrage unserer Zeitung nach: „Das war gestern in Washington ein Jahrhundert-Ereignis. Und es war ein schwarzer Tag für die Hauptprogramme von ARD und ZDF.“

Tausende Menschen reagierten in den sozialen Medien auf Deppendorfs Tweet. Die meisten davon teilten seine Kritik. Auch viele frühere Kollegen hätten sich bei ihm gemeldet und von einem „Versagen“ der ARD gesprochen. Die ARD wies auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES die Kritik zurück und wies darauf hin, dass „ab 21.14 Uhr“ ein „Breaking-News“-Fenster zu den Ereignissen eingeblendet worden sei – mit Hinweis auf die Internetseite „tagesschau.de“. Zudem hätten die Sender Tagesschau 24 und Phoenix „den ganzen Abend über berichtet“, berichtet ARD-Sprecher Burchard Röver. Um 21.45 Uhr gab es dann ein zehnminütiges „Tagesthemen-Extra“.

„Das reicht in keiner Weise. Das ist die Standard-Ausrede“, meint der Experte Deppendorf. Zudem moniert er, dass Moderator Claus Kleber beim ZDF-„heute journal“ auf die Berichterstattung des US-Nachrichtensenders CNN verwies. „Das ist die Kapitulation der öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme vor CNN.“

Nach einem „Tagesthemen-Extra“ um 21.45 Uhr hielt sich die ARD zunächst wieder an das geplante Programmschema und sendete das Albers-Dokudrama – brach diesen Film aber schließlich um 23 Uhr frühzeitig für eine längere „Tagesthemen“-Sendung ab. „Wegen der unsicheren Situation vor Ort konnte eine Live-Schalte erst ab 23 Uhr angeboten werden“, begründet Röver.

„Der Hans-Albers-Film hätte früher abgebrochen werden müssen“, kritisiert Deppendorf. „Das ist an einem solch historischen Tag und bei einem solch historischen Ereignis die Pflicht der öffentlich-rechtlichen Programme.“ Immerhin findet er auch lobende Worte – allerdings nicht für seinen einstigen Arbeitgeber: „Die Ehre von ARD und ZDF hat gestern gerade noch der Spartenkanal Phoenix gerettet.“

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