Die Parteimitglieder in Ostwestfalen-Lippe waren mehrheitlich für Friedrich Merz – Haase: „Austritte werden nicht zu vermeiden sein“
Die CDU hat Gesprächsbedarf an der Basis

Bielefeld (WB) -

Nach dem knappen Sieg des NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet bei der Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden fordert der Höxteraner CDU-Kreisvorsitzende Christian Haase seine Partei im Bezirk Ostwestfalen-Lippe auf, die zu einem großen Teil enttäuschte Basis zu befrieden.

Sonntag, 17.01.2021, 23:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 06:21 Uhr
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase aus Beverungen ist Vorsitzender der CDU im Kreis Höxter. Für ihn steht jetzt die Basis im Vordergrund, denn die Parteimitglieder wollten nicht Armin Laschet als neuen CDU-Bundesvorsitzenden.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase aus Beverungen ist Vorsitzender der CDU im Kreis Höxter. Für ihn steht jetzt die Basis im Vordergrund, denn die Parteimitglieder wollten nicht Armin Laschet als neuen CDU-Bundesvorsitzenden.

 „Wir müssen auf die Mitglieder zugehen, die sich Friedrich Merz als CDU-Chef gewünscht haben, damit es nicht zu Spaltungen kommt. Vereinzelte Austritte werden nicht zu vermeiden sein“, sagte Haase am Wochenende dem WESTFALEN-BLATT.

In OWL hatten sich die Mitglieder in Umfragen der Kreisverbände Höxter, Minden-Lübbecke und Gütersloh mehrheitlich für Merz ausgesprochen, während Laschet im Schnitt nur auf eine Zustimmung von rund 20 Prozent gekommen war. „Wir müssen uns jetzt hinter den neuen Vorsitzenden stellen, auch die Merz-Anhänger. Wenn sich Friedrich Merz ins Präsidium wählen lassen hätte, wäre jetzt Ruhe in der Partei“, so Haase weiter. Dass man mit Laschet im Prinzip den CSU-Chef Markus Söder zum Kanzlerkandidaten der Union gemacht habe, glaubt er nicht: „Laschet will Kanzlerkandidat werden. Sein Wille dazu ist noch stärker als bei Söder. Und der würde es nach den beigelegten Konflikten zwischen CDU und CSU nicht auf einen Streit ankommen lassen.“ Verärgert reagierte der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Beverungen auf Jens Spahns Statement unmittelbar vor der ersten Abstimmung. „Ich war sauer, damit hat er sich mehr geschadet als genutzt.“

Oliver Vogt hatte sich vor dem digitalen Bundesparteitag klar zu Merz bekannt und „sich einen anderen Ausgang gewünscht“. Der CDU-Vorsitzende im Kreis Minden-Lübbecke erwartet nun von allen Mitgliedern, das Ergebnis zu akzeptieren und dafür zu sorgen, dass Laschet „einen besseren Start hat als Annegret Kramp-Karrenbauer vor zwei Jahren“. Für Vogt zeigt das Ergebnis, dass die CDU-Basis ein deutlich konservativeres Profil fordert. Laschets Aufgabe sein nun vor allem, „das Merz-Lager einzubinden. Dazu bleibt nicht viel Zeit vor den Landtagswahlen im März.“

„Wir können auch modern und gehen digital voran.“ Die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte aus Minden lobt vor allem CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak für den gelungenen Verlauf des CDU-Bundesparteitags.

„Wir können auch modern und gehen digital voran.“ Die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte aus Minden lobt vor allem CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak für den gelungenen Verlauf des CDU-Bundesparteitags.

Auch Raphael Tigges hatte in seinem CDU-Kreisverband Gütersloh online Mitglieder befragt. „Die Stimmung an der Basis war pro Merz. Deswegen ist es jetzt wichtig, die politischen Po­sitionen von Merz zu berücksichtigen“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete und will mit allen Mitgliedern in Kontakt treten und das Resultat diskutieren: „Ich wünsche mir, dass die Merz-Anhänger das akzeptieren und erkennen, dass wir als CDU nur gemeinsam erfolgreich sein können. Und ich erwarte, dass sich alle hinter Armin Laschet sammeln können.“

„Kompliment an das Konrad-Adenauer-Haus.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke aus Paderborn war vor dem digitalen Bundesparteitag ziemlich skeptisch. „Es ist sehr gut gelaufen, die Abwicklung war top.“

„Kompliment an das Konrad-Adenauer-Haus.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke aus Paderborn war vor dem digitalen Bundesparteitag ziemlich skeptisch. „Es ist sehr gut gelaufen, die Abwicklung war top.“

Das hofft auch Christoph Rüther. „An unserer Basis gibt es Gesprächsbedarf, und da wollen wir aus dem Vorstand Überzeugungsarbeit leisten“, kündigt der Paderborner Landrat und CDU-Kreisvorsitzende an. Rüther hatte eine Stichwahl und ein knappes Ergebnis erwartet. Auch er fand Spahns Videobotschaft „nicht ganz glücklich“.

An der Parteibasis in Lippe nimmt Lars Brakhage „Enttäuschung wahr“. Doch der CDU-Kreisvorsitzende ist froh, dass „es jetzt ein Ergebnis gibt“. Brakhage: „Der neue Vorsitzende wird un­terstützt, und wir gehen gemeinsam in ein langes Wahljahr. Wir werden sehen, welchen Weg Armin Laschet gehen wird, und geben ihm die Chance, sich als Parteichef zu profilieren.“

Katharina Hartwig aus Spenge war Delegierte des CDU-Kreisverbands Herford. „Alles ist reibungslos verlaufen, aber der direkte Kontakt ist mir lieber und auch durch ein sehr ausgefeiltes digitales Format nicht zu ersetzen.“

Katharina Hartwig aus Spenge war Delegierte des CDU-Kreisverbands Herford. „Alles ist reibungslos verlaufen, aber der direkte Kontakt ist mir lieber und auch durch ein sehr ausgefeiltes digitales Format nicht zu ersetzen.“

Tim Ostermann wäre wohler, wenn Merz bereit gewesen wäre, sich ins CDU-Präsidium wählen zu lassen. „So oder so ist es erforderlich, auf ihn zuzugehen“, meint der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Herford. „Die Wahl Laschets war keine Entscheidung des Establishments gegen die Basis und gegen Merz. Laschet weiß auch, dass es in der Partei kein ‚Weiter so’ geben kann. Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass der Vorsitzende erfolgreich ist und damit auch die Partei“, so Ostermann. Jetzt wünsche er sich, dass in der Briefwahl alle Kandidatinnen und Kandidaten ein herausragendes Ergebnis erhalten. So könne deutlich gemacht werden, dass „der parteiinterne Wahlkampf heute ein Ende gefunden hat und wir uns ab jetzt wieder auf den Wettbewerb mit den anderen Parteien konzentrieren“.

Für Andreas Rüther hat „der Beste gewonnen“. Bielefelds CDU-Kreisvorsitzender ist überzeugt, dass Armin Laschet das Zeug hat, „die Partei an den Stellen zu einen, wo sie noch nicht geeint ist“. Und das schaffe man nur mit innerparteilicher Geschlossenheit. Rü­ther geht davon aus, dass Laschet „auf das Merz-Lager zugeht“.

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