Abkommen auf dem Prüfstand
Taliban drohen mit «großem Krieg»

Die Frist für einen Abzug aller US-Streitkräfte aus Afghanistan rückt näher. Das beschäftigt auch die Taliban. Der Konflikt mit Afghanistans Regierung geht unvermindert weiter.

Freitag, 05.02.2021, 12:26 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 12:28 Uhr
Ein US-Soldat in der Provinz Helmand. Das im Februar 2020 vereinbarte Abkommen mit den Taliban sieht einen schrittweisen Abzug aller internationalen Streitkräfte bis Ende April 2021 vor.
Ein US-Soldat in der Provinz Helmand. Das im Februar 2020 vereinbarte Abkommen mit den Taliban sieht einen schrittweisen Abzug aller internationalen Streitkräfte bis Ende April 2021 vor. Foto: Massoud Hossaini

Kabul (dpa) - Die militant-islamistischen Taliban haben den USA erneut mit Eskalation gedroht, sollten ihre Streitkräfte nicht wie vereinbart aus Afghanistan abziehen.

«Wenn das Doha-Abkommen aufgekündigt wird, wird dies zu einem großen Krieg führen, dessen Verantwortung voll und ganz auf den Schultern Amerikas liegen wird», hieß es in einem veröffentlichten Meinungsartikel der Gruppe. Die Taliban reagierten damit auf einen Bericht einer Expertengruppe, die eine Verschiebung des Abzugs empfohlen hatten.

Das im Februar 2020 unter US-Präsident Donald Trump vereinbarte Abkommen mit den Taliban sieht einen schrittweisen Abzug aller internationalen Streitkräfte bis Ende April 2021 vor. Im Gegenzug verpflichteten sich die Islamisten unter anderem zu Friedensverhandlungen mit Afghanistans Regierung. Gleichzeitig garantierten die Taliban, dass sie keinen Anhängern anderer Terrororganisationen Unterschlupf gewähren. Die neue US-Regierung hatte angekündigt, das Abkommen auf den Prüfstand zu stellen. Am Donnerstag trafen sich der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, sowie der neue US-Außenminister Antony Blinken.

Die Taliban hatten seit dem Abkommen zwar keine internationalen Soldaten mehr getötet, der Konflikt mit der vom Westen gestützten Regierung geht aber unvermindert weiter. Bei einem Talibanangriff in der Nacht wurden mindestens 16 regierungstreue Sicherheitskräfte getötet. Der Überfall erfolgte in der umkämpften Nordprovinz Kundus, wie Provinzräte übereinstimmend berichteten. Mehrere Stunden lang hätte die dem Inlandsgeheimdienst zugehörige Miliz den Kontrollposten verteidigt, bevor dieser schließlich überrannt worden sei. Waffen seien geplündert worden.

Diplomaten werfen den Taliban vor, ihren Verpflichtungen in dem Doha-Abkommen nicht gerecht zu werden. Die Taliban hätten anders als vereinbart weder das Gewaltniveau reduziert, noch echte Verhandlungen mit der Regierung aufgenommen, so der Vorwurf. Afghanistans Hoher Rat für Versöhnung veröffentlichte eine Erklärung, in der Regierungsvertreter die Abwesenheit führender Taliban-Unterhändler bei den Verhandlungen in Doha bemängeln. Die Islamisten waren in der zweiten Verhandlungsrunde nach der Aufnahme der Gespräche im September teils auf diplomatischen Reisen in Teheran und Moskau.

Die USA hatten kurz vor Amtsantritt des neuen Präsidenten Joe Biden ihre Truppenstärke in Afghanistan auf 2500 reduziert, einen historischen Tiefstand seit ihrem Einmarsch 2001. Damals hatte eine US-geführte Militärinvasion nach den Al-Kaida-Anschlägen vom 11. September in den USA der Taliban-Herrschaft in Afghanistan ein Ende gesetzt.

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