Impfstoff
Drosten: Astrazeneca-Vakzin sicher und wirksam

Die Wirksamkeit des Impfstoffes von Astrazeneca ist schlechter als die der Konkurrenten. Es gibt Berichte über eine geringere Bereitschaft zu Impfungen mit dem Vakzin - zu Unrecht, sagt Virologe Drosten.

Mittwoch, 17.02.2021, 14:56 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 14:58 Uhr
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca.
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca. Foto: Russell Cheyne

Berlin (dpa) - Der Virologe Christian Drosten hält grundsätzliche Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff für unbegründet und ist für einen breiten Einsatz des Präparats.

Er sehe keine Veranlassung, das Vakzin aus schwedisch-britischer Produktion in Deutschland nicht zu spritzen, sagte der Charité-Virologe im Podcast «Coronavirus-Update» vom Dienstag bei NDR-Info. Wenn er sich die öffentliche Diskussion um diesen Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn trat Zweifeln an dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca ebenfalls klar entgegengetreten. «Ein sicherer und wirksamer zugelassener Impfstoff schützt», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Das gelte für alle drei bisher in der Europäischen Union zugelassenen Präparate von Astrazeneca, Moderna und Biontech/Pfizer. Sich impfen zu lassen, sei in dieser Pandemie ein Gebot der Vernunft. «Wer damit wartet, riskiert, schwer zu erkranken, und er riskiert auch, das Virus weiter zu verbreiten.»

Spahn appellierte an Pflegekräfte und Ärzte, Impfangebote zu nutzen. Er warnte davor, Skepsis zu nähren. Man müsse jetzt ein bisschen aufpassen, dass man sich auch als Gesellschaft nicht «in etwas hineinrede» und eine Impfung mit einem zugelassenen und wirksamen Stoff infrage stelle.

Der Impfstoff von Astrazeneca hat eine geringere Wirksamkeit als die beiden anderen in Deutschland zugelassenen Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass das Astrazeneca-Präparat bei einer zunächst in Südafrika entdeckten Variante wohl weniger vor milden und schweren Verläufen von Covid-19 schützt. Drosten sieht bei der Studie jedoch einige Einschränkungen.

Zudem hält er für Deutschland insbesondere die Variante aus Großbritannien (B.1.1.7) für relevant, wie er erläuterte. Deren Anteil wachse hierzulande, ebenso wie in anderen Ländern. Neue Daten vom Robert Koch-Institut dazu werden in dieser Woche erwartet. B.1.1.7 bedeute aber laut einer Studie keinen Nachteil für die Schutzwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs, so Drosten.

Im Zusammenhang mit der niedrigeren Wirksamkeit gibt es Berichte über eine geringere Bereitschaft zur Impfung mit dem Vakzin. So kritisierte die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, dass am Wochenende bei einer «Sonderimpfung im medizinischen» Bereich 54 Prozent von 200 zur Impfung angemeldeten Personen nicht erschienen seien, ohne den Termin abzusagen. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich wegen der geringeren Wirksamkeit in der «Rheinischen Post» gegen eine Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus - die Probleme ließen sich nicht «wegdiskutieren».

Drosten sagte hingegen: «Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen.» Die verfügbaren Impfstoffe seien extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. «Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf.»

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der «Rheinischen Post» (Mittwoch): «Alle Impfstoffe haben ein reguläres Zulassungsverfahren durchlaufen und sind hochwirksam.» Für die nächsten Monate bleibe absehbar, dass nicht ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stünden. «Deshalb muss priorisiert werden. Solange das so ist, kann es keine Wahlmöglichkeiten geben.»

Für die Impfung von Kindern und Jugendlichen gibt es indes noch keinen Zeitplan. «Wann bei Covid-19-Impfstoffen mit einer Zulassungserweiterung in der Europäischen Union für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen zu rechnen ist, ist derzeit noch nicht absehbar», antwortete das Gesundheitsministerium auf eine schriftliche Frage des FDP-Bundestagsabgeordneten Stephan Thomae.

In der Antwort, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es weiter: «Klinische Prüfungen mit zugelassenen Covid-19-Impfstoffen, die Kinder und Jugendliche einschließen, haben nach den Eintragungen im Studienregister in den USA teilweise begonnen oder sind in Kürze geplant.»

FDP-Fraktionsvize Thomae kritisierte: «Wenn die Bundesregierung verspricht, dass allen Menschen bis Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht wird, schließt das Kinder und Jugendliche offenbar nicht mit ein.» Ein Impfstoff für die Jüngsten wäre aber wünschenswert. Vor allem Familien mit vorerkrankten Kindern müsse eine Perspektive geboten werden für eine Rückkehr dieser Kinder in Kitas und Schulen.

© dpa-infocom, dpa:210217-99-471084/7

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