Do., 11.10.2018

Tödliche Wassermassen Unwetter in Südeuropa - weitere Tote auf Mallorca entdeckt

Einwohner von Sant Llorenc des Cardassar gehen nach dem schweren Unwetter an Autowracks vorbei.

Einwohner von Sant Llorenc des Cardassar gehen nach dem schweren Unwetter an Autowracks vorbei. Foto: Clara Margais

Von dpa

Palma - 

Kaum ist die Strandsaison vorbei, hält der Herbst in Südeuropa mit Wolkenbrüchen Einzug. Auf Mallorca stehen viele Bürger vor dem Nichts, Sardinien kämpft gegen Hochwasser, an der Côte d'Azur werden Autos ins Meer gespült. Die Zahl der Toten steigt weiter.

Verheerende Unwetter mit Starkregen haben in mehreren südeuropäischen Ländern Todesopfer gefordert und massive Sachschäden angerichtet. Besonders schwer betroffen ist Mallorca, wo am Donnerstag zwei weitere Leichen entdeckt wurden.

Damit ist die Zahl der Toten auf der Urlaubsinsel auf zwölf gestiegen. Möglicherweise handelt es sich bei den Opfern - einem Mann und einer Frau - um ein deutsches Ehepaar, nachdem seit Mittwoch gesucht wurde.

Die Toten seien in der Nähe des Fahrzeugs der Deutschen entdeckt worden, das auf der Strecke zwischen den Orten Artà und Canyamel leer aufgefunden worden war, teilte der mallorquinische Notdienst auf Twitter mit.

Ein fünfjähriges Kind wurde derweil weiter vermisst. Nach Angaben von Balearen-Präsidentin Francina Armengol beteiligten sich rund 800 Einsatzkräfte an der Suche nach dem Jungen und den Deutschen. Nach Angaben des spanischen Fernsehens soll das Ehepaar 61 und 63 Jahre alt gewesen sein.

Das Auswärtige Amt hatte zuvor bestätigt, dass auf der spanischen Urlaubsinsel zwei Deutsche vermisst würden und teilte mit, das Konsulat in der Hauptstadt Palma stehe in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden. Nach einem Sturzregen am Dienstagabend waren mehrere Orte an der Ostküste Mallorcas überschwemmt worden. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse und wurden teilweise komplett weggespült. Die Ortschaften Betlem und Colònia de Sant Pere seien weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete das «Mallorca Magazin». Auch auf der italienischen Insel Sardinien und in Südfrankreich gab es ungewöhnlich heftige Regenfälle.

Bei den anderen auf Mallorca geborgenen Toten handele es sich um sechs Männer und vier Frauen, schrieb der mallorquinische Notdienst auf Twitter. Drei der Opfer seien Ausländer - ein Paar aus Großbritannien und eine Holländerin. Ein Mann sei noch nicht identifiziert.

Am schlimmsten betroffen war der Ort Sant Llorenç des Cardassar 60 Kilometer östlich von Palma. Innerhalb von nur zwei Stunden waren in der Region nach Angaben des Wetterdienstes mehr als 230 Liter Wasser vom Himmel gefallen. Daraufhin trat ein Bach über die Ufer - die Wassermassen rissen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellte.

«Der Weg durch das Dorf gleicht einer Odyssee», sagte ein Kommentator im spanischen Fernsehen. Menschen wateten auch zwei Tage nach dem Unwetter noch immer knöcheltief durch braunen Schlamm. Tausende Einwohner hätten bei der Katastrophe all ihre Besitztümer verloren, hieß es. Balearen-Präsidentin Armengol sprach von «Millionenschäden».

An den Aufräumarbeiten und Hilfsaktionen beteiligten sich zahlreiche Freiwillige, darunter der mallorquinische Tennis-Star Rafael Nadal. Bereits kurz nach der Katastrophe hatte er seine Sportanlage «Rafa Nadal Academy» in Manacor für Menschen geöffnet, die nicht in ihren Häusern übernachten konnten. Auf Bildern ist zu sehen, wie der 32-Jährige zudem in Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen eine Autowerkstatt mit einem Besen von Schlamm befreit.

Auch Sardinien kämpfte am Donnerstag mit Hochwasser und heftigem Regen. Der Chef des Zivilschutzes, Angelo Borrelli, rief die Bürger auf, sich keinen unnötigen Risiken auszusetzen. Besonders schlimm war die Situation rund um die Hauptstadt Cagliari. Schulen und öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen.

Dutzende Menschen wurden in Sicherheit gebracht, Straßen gesperrt. Offenbar gerade rechtzeitig: Die Überführung einer Verbindungsstraße zwischen Cagliari und Capoterra hatte am Mittwoch der Wucht des Wassers nicht standgehalten und war gebrochen. «Für mich ist das einzige, was zählt, dass es keine Verletzten gegeben hat. Die Schäden lassen sich reparieren», sagte der Bürgermeister von Capoterra, Francesco Dessì.

Andernorts spielten sich aber dramatische Szenen ab: Eine Familie wollte im Auto flüchten, weil der Fluss in der Nähe ihres Hauses bedrohlich angeschwollen war. Der Vater und die drei Töchter konnten sich in Sicherheit bringen, die Mutter wurde vom Wasser mitgerissen und am Donnerstag tot gefunden. Das Hochwasser hatte das Auto förmlich verschluckt, wie auf Fotos zu sehen war. Auch in anderen Teilen Italiens gab es Unwetterwarnungen, etwa in Ligurien.

Betroffen war auch Südfrankreich, wo nach heftigem Regen mehrere Autos ins Mittelmeer gespült wurden. Ein Mensch wurde tot in seinem Wagen gefunden. Bei der Gemeinde Sainte-Maxime in der Nähe von Saint-Tropez an der Côte d'Azur seien fünf Autos von einem über die Ufer getretenen kleinen Fluss mitgerissen worden, sagte der örtliche Präfekt Jean-Luc Videlaine am Donnerstag dem Sender BFMTV.

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