Mi., 17.04.2019

Nach Brandkatastrophe in Paris Riesige Spendenwelle für Notre-Dame

Trümmerteile und verkohlte Holzbalken liegen im Inneren der Kathedrale Notre-Dame.

Trümmerteile und verkohlte Holzbalken liegen im Inneren der Kathedrale Notre-Dame. Foto: Christophe Petit Tesson

Von dpa

Rund um Ostern waren eigentlich zahlreiche Messen in Notre-Dame geplant. Doch das ist in der schwer beschädigten Kathedrale nicht mehr möglich. Die Pariser müssen ausweichen - doch die Brandkatastrophe bleibt allgegenwärtig.

Paris (dpa) - Nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame hat der Pariser Erzbischof Michel Aupetit den Menschen Mut zugesprochen. Gläubige feierten am Mittwochabend in der zweitgrößten Pariser Kirche Saint-Sulpice eine Messe vor Ostern.

Die sogenannte Chrisammesse sollte eigentlich in Notre-Dame stattfinden. Die Kathedrale sei zwar teilweise zusammengestürzt, sagte Aupetit über die Brandkatastrophe. Er betonte jedoch mehrfach: «Wir werden unsere Kirche wieder aufbauen.» Auch Präsidentengattin Brigitte Macron und Innenminister Christophe Castaner waren gekommen.

Vor der Kirche im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés versammelten sich Hunderte Menschen. Eine Großbildleinwand war aufgebaut. Auch vor anderen Kathedralen des Landes kamen zahlreiche Menschen am Abend zusammen und hielten inne. Landesweit läuteten um Punkt 18.50 Uhr in ganz Frankreich die Kirchenglocken - um diesen Zeitpunkt wurde der Brand in dem weltberühmten Wahrzeichen am Montagabend entdeckt. Die französische Bischofskonferenz hatte die Kathedralen im Land dazu aufgerufen. Die Glocken erklangen etwa in der Pariser Kirche Sacré-Cœur im Touristenviertel Montmartre, der Kathedrale St. André in Bordeaux und im Straßburger Münster.

Frankreich will nach der Katastrophe einen internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau des kleinen Vierungsturms in der Mitte des Daches von Notre-Dame ausrufen. Dieser Spitzturm war bei dem verheerenden Brand zusammengestürzt. Premierminister Édouard Philippe sagte nach einer Regierungssitzung, der neue Turm müsse den «Herausforderungen unserer Zeit» standhalten.

Insgesamt wird der Wiederaufbau der weltberühmten, schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame von einer riesigen Spendenwelle im Milliarden-Bereich getragen. Nach Angaben von Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatspräsident Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, waren schon bis Mittwochmorgen fast 900 Millionen zur Verfügung gestellt worden. Bern sagte dem Sender RMC: «Die ganze Welt ist an unserer Seite.»

Premierminister Philippe kündigte am Mittwoch ein neues Gesetz an, das Transparenz im Umgang mit den Spenden sicherstellen soll. «Jeder Euro, der für den Wiederaufbau von Notre-Dame eingezahlt wird, wird dafür eingesetzt - und für nichts anderes.» Eine entsprechende Vorlage soll es in der kommenden Woche geben. Milliardärsfamilien und Firmen hatten Hunderte Millionen Spenden zugesagt.

Kurz nach dem Ausbruch des Feuers hatte Präsident Macron schon versprochen, das jahrhundertealte Bauwerk wieder aufzubauen. In einer Fernsehansprache am Dienstag kündigte er dann an, dass dies binnen fünf Jahren passieren sollte.

Das Pariser Rathaus plant an diesem Donnerstag eine Veranstaltung zu Ehren der Kathedrale. Dabei sollen auch Menschen gewürdigt werden, die an der Rettung von Notre-Dame Anteil hatten.

Derweil war die Ursache der Katastrophe in dem rund 850 Jahre alten Kirchenbau auch am Mittwoch noch ungeklärt. Die Pariser Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Brand auf einem Unfall beruht und nicht auf einer «vorsätzlichen Tat». Daher würden Zeugen befragt, darunter Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

Notre-Dame gehört zu den Top-Touristenattraktionen der französischen Hauptstadt, sie wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht mitten in der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité. Sie zählt seit 1991 zum Weltkulturerbe der Unesco. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1163 zurück, als der Bau unter Bischof Maurice de Sully begann. Mit seinem 1831 erschienenen Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Weltliteratur.

Kommentare

Ein Kommentar zu den Reaktionen bezueglich der Spenden

Was war das jetzt wieder fuer eine Aufregung um Notre Dame. Es ist doch in vielen Faellen den Menschen selbst ueberlassen, fuer was sie spenden. Anders ist das bei diesen Steuerspenden, die sind oft nicht ganz freiwillig. Man schreibt Ihnen ja auch nicht vor, ob oder welches Auto sie zu kaufen haben, wann oder wohin sie in den Urlaub zu fliegen haben oder was oder wieviel sie zu essen haben. Um wieviel Geld geht es? Um 500 Millionen. Meines Wissens werden jaehrlich weltweit 1200 Milliarden (!) Euro fuer Ruestung ausgegeben. Allein Deutschland ist mit 60 Milliarden dabei, die USA bei 600 Milliarden. Hier geht es anscheinend um was ganz anderes. Vielleichtwahrscheinlich auch nicht ohne Grund: Hass. Nebenbei wenn die Hagia Sophia einstuerzte oder der Koelner Dom oder die Kathedrale in Chartre oder das Ulmer Muenster oder das Dingen von Gaudi oder... oder ...., würde ich eventuell der unglaublich schönen Bauwerke wegen spenden.
Atemberaubend, breath taking, owszem, man kriegt den Mund nicht mehr auf und zu, unbeschreiblich, in Stein gemeisselte Schönheit, the purest. Architektur- und Bauingenieurskunst vom Allerfeinsten. Sahnefilet.
Ist ja auch - wie ich hoerte - doch jedem freiwillig ueberlassen, das mit dem Spenden. Und es steht doch auch jedem frei - vielleicht sogar zusaetzlich - für was anderes zu spenden, oder es auch zu lassen.

Ich finde es echt einen Hammer, dass man für eine alte Kirche so schnell so viel Geld spendet, obwohl so viele Menschen auf der Welt diese Millionen viel nötiger hätten. Man verstehe mich nicht falsch, ich finde es auch echt schade und es ist ein historisches Wahrzeichen, aber es steht noch und trotzdem bleibt es eine alte Kirche. Warum macht man mit den Spenden nicht was wirklich Nützliches.

<Die Pariser Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus.>
Das heißt es wird keine Untersuchung geben, ob vielleicht Brandstiftung vorliegt? Oder gibt es schon Ergebnisse, von denen wir nichts wissen? Will man vielleicht etwas vertuschen oder es kann nicht sein, was nicht sein darf? Wäre ja nicht verwunderlich in der heutigen Zeit. Ist ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

3 Kommentare

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