Hausarztdichte nirgendwo in Deutschland so gering
Kreis Herford ist Schlusslicht

Berlin/Herford (dpa/WB/sv). Wie weit haben Sie es bis zum Arzt? Und dauert es oft mal länger mit dem nächsten Termin? Das kann quer durch Deutschland auch damit zu tun haben, wo jemand wohnt. Denn wie engmaschig das Netz der Praxisärzte ist, unterscheidet sich je nach Region immer noch ziemlich.

Sonntag, 05.05.2019, 05:02 Uhr aktualisiert: 05.05.2019, 06:00 Uhr
Im Kreis Herford ist die Hausarztdichte am geringsten. Foto: dpa
Im Kreis Herford ist die Hausarztdichte am geringsten. Foto: dpa

In der Studentenstadt Freiburg im Breisgau im Schwarzwald kümmern sich – rein rechnerisch – knapp 400 niedergelassene Mediziner um 100.000 Einwohner. Gut 300 Kilometer Luftlinie weiter nördlich, im bayerischen Landkreis Coburg, sind es dagegen nur 84,3. Dabei gibt es gerade in dünn besiedelten Gegenden akute Sorgen, ob Praxen vor Ort überhaupt erhalten bleiben. Denn viele Hausärzte sind schon älter.

Nach den neuen Daten im Bundesarztregister gibt es in Deutschland nirgendwo weniger Hausärzte als in Westfalen-Lippe – nämlich gerade einmal 59,9 auf 100.000 Einwohner. Bundesweit gab es Ende 2018 mit 50,4 am wenigsten Hausärzte im Kreis Herford. Dort wurden durchschnittlich 1984 Patienten von einem Arzt behandelt.

Städte versorgen Umland mit

Wie gut oder problematisch die Patientenversorgung in einer Region insgesamt ist, lässt sich nicht einfach feststellen. Denn dazu tragen die Praxen der Kassenärzte nicht allein bei, sondern zum Beispiel auch Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen. Zu­dem versorgen größere Städte zumindest beim Facharztangebot oft ein größeres Umland mit. So rangiert der Landkreis Landshut in der Statistik aller Ärzte mit 87 bezogen auf 100.000 Einwohner bundesweit auf dem zweitletzten Platz. Die Stadt Landshut liegt dagegen mit einem Wert von 319 Ärzten sogar in der Spitzengruppe auf Platz acht, wie neue Zahlen des Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 zeigen.

Nach der aktuellen Statistik gibt es zwar immer mehr Praxisärzte. Aber immer mehr von ihnen arbeiten in Teilzeit. Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist ein Ärztemangel unausweichlich, falls sich die Zahl der Medizinstudenten nicht deutlich erhöht: »Gegenwärtig sind es etwa 10.000. Nötig ist eine Steigerung um 5000 pro Jahr. Denn die angehenden Mediziner, die jetzt mit ihrem Studium beginnen, sind einschließlich ihrer gesamten Fach- oder Hausarztausbildung erst in etwa 15 Jahren mit ihrer Ausbildung fertig.« Um drohenden Mangel in bestimmten Regionen zu vermeiden, muss aus Sicht der Ärzte die Politik liefern. »Die einzig seriöse Antwort auf den Ärztemangel heißt: mehr Studienplätze«, sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

Eigentlich genug Ärzte?

Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es eigentlich genug Ärzte. Diese seien aber oft falsch verteilt und hätten für Versicherte zumindest in manchen Fällen zu selten Sprechstunden. Die Kehrseite fehlender Praxen auf dem Land sind überlaufene Stadt-Praxen in bestimmten Vierteln.

Ausgerechnet bei Hausärzten zeichnen sich auch schon seit längerem Schwierigkeiten bei der Nachfolge ab, wenn Praxisinhaber in den Ruhestand gehen. Und Hausärzte sind im Schnitt älter als Kollegen anderer Fachrichtungen. Das größte Problem damit droht laut Statistik in Rheinland-Pfalz, das die bundesweit ältesten Hausärzte (im Schnitt 56,4 Jahre) hat – fast jeder fünfte (18,9 Prozent) ist schon älter als 65. In Westfalen-Lippe sieht es nur wenig besser aus.

Gerade Hausärzte für das Land zu gewinnen, ist jedoch nicht leicht. Die Bundesregierung setzt für die Zukunft auch auf zusätzliche finanzielle Anreize für Landärzte.

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