Do., 23.05.2019

Deutsch-britische Autorin Kinderbuchautorin Judith Kerr mit 95 Jahren gestorben

Die Schriftstellerin Judith Kerr wurde 95 Jahre alt.

Die Schriftstellerin Judith Kerr wurde 95 Jahre alt. Foto: Soeren Stache

Von dpa

Das Kinderbuch «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» machte sie in Deutschland bekannt; die Engländer liebten ihre Bilderbuchgeschichten um einen Tiger und den Kater «Mog». Nun ist Judith Kerr im Alter von 95 Jahren gestorben.

London (dpa) – Die Schriftstellerin Judith Kerr, die mit dem Buch «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» berühmt wurde, ist tot. Die Kinderbuchautorin und Illustratorin starb am Mittwoch im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in London, wie ihr britischer Verlag Harper Collins am Donnerstag mitteilte.

Geboren am 14. Juni 1923, floh sie als Neunjährige mit ihrer jüdischen Familie 1933 aus Berlin. Ihr Vater Alfred Kerr (1867-1948) war in der Weimarer Republik ein gefeierter Kritiker; die Nazis verbrannten seine Bücher. Kerrs Erfahrungen flossen in das halb-autobiographische Kinder- und Jugendbuch «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» (1971) ein. Die Geschichte von Anna, die auf der Flucht ein rosa Plüschkaninchen in Berlin zurücklassen muss, wurde zum preisgekrönten Bestseller.

1936 ließ sich die Familie in London nieder; Kerr absolvierte dort die Kunsthochschule. Nach dem Krieg war sie als Redakteurin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet.

1968 schaffte Kerr den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk «Der Tiger kommt zum Tee»; eine Kinderbuchserie um den exzentrischen Kater «Mog» folgte. Weltweit verkaufte sie Millionen Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Die leidenschaftliche Künstlerin und Autorin schrieb bis ins hohe Alter. 2016 erschien auf Deutsch «Ein Seehund für Herrn Albert» angelehnt an ihren Vater, der ein verlassenes Robbenbaby aufzog, das er am Strand gefunden hatte.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), erklärte: «Judith Kerrs Werke sind Teil unseres kollektiven Gedächtnisses und werden es auch nach ihrem Tod sein. Kerrs persönliches Schicksal ist und bleibt mit ihrer Geburtsstadt Berlin verbunden.» Kerr sei es gelungen, «dass auch nachkommende Generationen von Kindern und Jugendlichen mitfühlen können, was es bedeutet, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die ihrer Menschlichkeit beraubt wurde».

Christoph Heubner, Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, sagte: «Mit Wehmut, Hochachtung und großer Dankbarkeit verabschieden sich Auschwitz-Überlebende in aller Welt von der großen jüdischen Zeitzeugin Judith Kerr, die vor allem Kindern ihre Erinnerungen und Erfahrungen aus einer Welt der Verfolgung und des Exils, aber auch Erfahrungen des Mutes und der Lebensfreude hinterlassen hat.»

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