Di., 09.07.2019

EKD will sich stattdessen »an einem breiten Bündnis beteiligen« Kurschus: Kirche betreibt kein eigenes Rettungsschiff

Annette Kurschus (Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen).

Annette Kurschus (Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen). Foto: Caroline Seidel/dpa

Von Andreas Schnadwinkel

Hamm (WB). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird kein eigenes Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer anschaffen und betreiben. Das hat am Dienstagabend Annette Kurschus vor Medienvertretern in Hamm erklärt.

»Nach intensiven Debatten haben wir entschieden, nicht selbst im Mittelmeer aktiv zu werden. Stattdessen würden wir uns an einem breiten Bündnis beteiligen, das ein Schiff finanziert. Als Betreiber kämen Organisationen wie Sea-Watch in Betracht«, sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Im September werde der EKD-Rat darüber entscheiden. Ulf Schlüter, Vizepräsident der Landeskirche, ergänzte: »Seenotrettung im Mittelmeer ist Aufgabe der Europäischen Union.« Ausdrücklich verteidigte Schlüter das Kirchenasyl und ermutigte die Gemeinden, an der Praxis festzuhalten. Derzeit gibt es 24 Fälle von Kirchenasyl im Bereich der westfälischen Landeskirche.

Kritik übte Kurschus an den Kirchenkreisen, deren Umweltbewusstsein »noch nicht so stark ausgeprägt ist, wie wir uns das wünschen«. Sie frage sich, warum neue Kreiskirchenämter nicht automatisch mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet werden. Die Präses sprach sich dafür aus, den Kohleausstieg zu beschleunigen, also von 2038 aus der Kohle auszusteigen. Außerdem forderte sie kostenpflichtige CO2-Emissionen und eine Verkehrswende: »Weg vom Autoverkehr, weg vom Flugverkehr – hin zu einem preiswerten öffentlichen Nah- und Fernverkehr, hin zu alternativen Antriebssystemen.«

»Das Digitale kann das Analoge nicht ersetzen«

Sorge äußerte die Theologin im Hinblick auf die verkürzten Formen der Kommunikation bei Facebook, Instagram und Twitter: »Da geht Differenzierung verloren. Das Digitale kann das Analoge nicht ersetzen, gerade wenn es um Vertrauen geht.« Und deswegen müsse die Kirche in solchen Netzwerken besonders präsent und aktiv sein, um den Anschluss an die Lebenswelt junger Leute nicht zu verlieren.

Bei Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung innerhalb der Kirche wolle man »noch wacher sein«, sagte Kurschus und bezifferte die bislang bei der dafür zuständigen Kirchenrätin Daniela Fricke gemeldeten Fälle auf »20 bis 30«. »Die Muster bei uns sind andere als in der katholischen Kirche. Bei uns betrifft das nicht nur den Pfarrdienst, sondern auch die Jugendarbeit«, erklärte die Präses.

 

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