Mi., 21.08.2019

Eine Glosse zum Grönland-Begehren des US-Präsidenten Trump Oh wie schön ist Grönland

Grönland, Kommuneqarfik Sermersooq: Studentische Forscher der Universität von New York sitzen auf einem Felsen und blicken über den Gletscher Helheim. US-Präsident Trump hat seinen Staatsbesuch in Dänemark abgesagt und dies damit begründet, dass Regierungschefin Frederiksen nicht über einen Verkauf Grönlands reden wolle.

Grönland, Kommuneqarfik Sermersooq: Studentische Forscher der Universität von New York sitzen auf einem Felsen und blicken über den Gletscher Helheim. US-Präsident Trump hat seinen Staatsbesuch in Dänemark abgesagt und dies damit begründet, dass Regierungschefin Frederiksen nicht über einen Verkauf Grönlands reden wolle. Foto: dpa

Von Thomas J. Spang

Washington (WB) Die schönsten Parodien schreibt das wirkliche Leben. In diesem Fall der US-Präsident, dessen Begehrlichkeiten, Grönland zu kaufen , anfangs kaum jemand ernst nahm. Nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter im Weißen Haus, die den Prüfungsauftrag von ganz oben erst einmal auf Eis gelegt hatten.

Zu absurd schien diesen die Idee, dem Königreich Dänemark dessen Kronjuwel in der Arktis abzuluchsen. Zumal es sich um einen autonome Region handelt, deren 56.000 Einwohner das Recht haben, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen.

Trump höchstpersönliche bestätigte dann Medienberichte, dass er es ernst meinte. Klar wäre der Kauf strategisch interessant und könne bei seinem Besuch in Kopenhagen am 2. September besprochen werden. Aber es sei gewiss nicht »oberste Priorität«.

Eine Last?

Nachdem die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen dem »großen Immobilien-Geschäft« bei einem Solidaritätsbesuch auf Grönland eine unmissverständliche Absage erteilt hatte, schmollt der Narzisst. »Ich werde unser Treffen in zwei Wochen auf ein andermal verschieben«, twitterte Trump. Damit sei »ein sehr großer Aufwand« erspart worden.

Aus Sicht des US-Präsidenten hätte er den Dänen, die als NATO-Partner »den Schutz der USA genießen«, eigentlich nur einen Gefallen tun wollen. Denn Grönland sei eine schwere Last für das Königreich geworden. »Sie halten es mit sehr hohen Verlusten.« Was genau Trump damit meinte, ließ er offen.

Enorme Bodenschätze

Die Grönland-Affäre gibt Einblick in die Sicht des Präsidenten auf die Welt, in der große Mächte Staaten wie Figuren auf dem Schachbrett bewegen. Mit dem Erwerb Grönlands wären die USA unter seiner Führung in den Besitz der »größten Insel der Welt« gelangt, die von ihrer Ausdehnung allein sechs mal so groß wie Deutschland ist und geografisch ohnehin schon zu Nordamerika gehört.

Unter dem 3400 Meter starken Eisschild, der weite Teile Grönlands bedeckt, werden enorme Bodenschätze vermutet. Je schneller das Eis schmilzt, umso besser für den geschäftstüchtigen Präsidenten, der dann nicht zum Mars aufbrechen muss, um neue Gebiete zur Kolonialisierung zu erschließen.

Erklärt wären so auch die Begeisterung des US-Präsidenten an fossilen Brennstoffen, laxen Emissionsvorschriften und der Unterminierung des Weltklima-Abkommens.

Nej Tak!

Trump hatte auch schon einen Mitstreiter gefunden, der das potenzielle US-Territorium früher des Jahres schon einmal inspizierte. Die USA hätten in Thule bereits eine strategische Militärbasis, erklärte der Demokrat Joe Manchin, der die Idee des Präsidenten als »sehr interessant« lobte.

Der Senator aus dem Kohle-Staat West-Virginia teilt übrigens auch die Begeisterung für den fossilen Energieträger, der dazu beiträgt Grönland schneller von seinen Eismassen zu »befreien«.

Anfang der Woche twitterte Trump dann allen Ernstes noch ein montiertes Bild, dass einen goldenen Trump-Tower neben den bescheidenen Häusern der Grönländer zeigt. Der Kommentar des Präsidenten dazu: »Ich verspreche Grönland das nicht anzutun.«

Die Dänen hätten es ihm ohnehin nicht erlaubt. Wie schon Harry S. Truman, der nach dem Zweiten Weltkrieg einhundert Millionen Dollar für den Erwerb der Insel angeboten hatte, sagten sie Trump mit eisiger Klarheit: Nej Tak!

 

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