Fr., 20.09.2019

Historiker untersucht Missbrauchsfälle im Bistum Münster »Wir nennen Ross und Reiter«

Historiker Thomas Großbölting (links) und Generalvikar Klaus Winterkamp.

Historiker Thomas Großbölting (links) und Generalvikar Klaus Winterkamp. Foto: Wilfried Gerhar

Von Elmar Ries

Münster (WB). Im Auftrag des Bischöflichen Generalvikariats wird der münstersche Historiker Thomas Großbölting die Missbrauchfälle im Bistum Münster aufarbeiten. Großbölting ist Historiker an der Uni Münster. Gemeinsam mit seinem Team solle er Fälle aufdecken und untersuchen , sie beschreiben und jene Strukturen rekonstruieren, die den Missbrauch begünstigt oder seine Aufdeckung verhindert haben, erklärte Generalvikar Klaus Winterkamp am Mittwoch. Die Untersuchung diene nicht dazu, »unser Image zu verbessern oder unsere Glaubwürdigkeit zu erhöhen«, betonte er. Antrieb sei vielmehr der Wunsch der Opfer, Täter zu benennen, und jene, die die Taten vertuscht oder nicht verhindert haben.

»Wir werden Ross und Reiter nennen«, sagte der Historiker. Für die Arbeit der Wissenschaftler gelte das Prinzip: größtmögliche Offenheit, was Täter, Beschuldigte und Verantwortliche angehe; größtmöglicher Schutz für die Betroffenen. »Wir werden auch Namen von Verantwortungsträgern nennen, die Übergriffe vertuscht oder verheimlicht haben«, ergänzte der Generalvikar. Das gelte auch für noch lebende Personen.

Missbrauch in der katholischen Kirche

Seit 2010 schockieren immer neue Nachrichten zum Missbrauch in der katholischen Kirche. 2018 gab die Deutsche Bischofskonferenz Zahlen einer Studie bekannt, die heruntergebrochen auf das Bistum Münster 138 Beschuldigte und 450 Opfer für den Zeitraum von 1945 bis 2015 ergaben. 77 Priester wurde der Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen.

»Qualitative und quantitative Untersuchung«

Ihm gehe es »um eine qualitative und quantitative Untersuchung«, sagte Großbölting. Wer tat was? Wie konnte es unerkannt geschehen, warum wurde es nicht offensiv verhindert? Das will das Team ermitteln. Um Licht ins Dunkel zu bringen. »Aber eben auch im Dienst der Prävention«, sagt Winterkamp. Falls es Strukturen in der Kirche gegeben habe, die den Missbrauch beförderten »und die immer noch nachhaltig wirken«, gelte es, Abhilfe zu schaffen. Das Ganze soll in großer Unabhängigkeit geschehen. So zahle das Generalvikariat für das auf 2,5 Jahre angelegte Projekte 1,3 Millionen Euro – und halte sich ansonsten raus. Großböltings Mannschaft bekomme Zugriff auf die für ihre Arbeit nötigen Archivbestände des Bistums.

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