So., 13.10.2019

Nationalspieler salutieren »für tapfere Soldaten« – Gündogan und Can löschen Likes Uefa untersucht militärischen Gruß der türkischen Spieler

Der türkische Nationalspieler Cenk Tosun (9) feiert seinen Siegtreffer mit seinen Mannschaftskollegen Mahmut Tekdemir (14) Yusuf Yazici (11), Merih Demiral (3), Zeki Celik (2), Hakan Calhanoglu (10), Umut Meras (13) beim EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien im Ulker Stadium in Istanbul.

Der türkische Nationalspieler Cenk Tosun (9) feiert seinen Siegtreffer mit seinen Mannschaftskollegen Mahmut Tekdemir (14) Yusuf Yazici (11), Merih Demiral (3), Zeki Celik (2), Hakan Calhanoglu (10), Umut Meras (13) beim EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien im Ulker Stadium in Istanbul. Foto: imago

Istanbul (WB). Was die türkischen Fußballer dachten, als sie nach dem 1:0 gegen Albanien vor den Zuschauern salutierten, ist unbekannt. Eine Ahnung bekommt man, wenn man sich unter anderem den Instagram-Account des türkischen Verbandes anschaut.

Der Fußballverband postete ein Bild, auf dem alle Spieler zu sehen sind, wie sie in der Kabine erneut einen Militärgruß zeigen »und den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern widmen«, wie unter dem Foto geschrieben steht. Zudem hatte Verbandspräsident Nihat Özdemir vor dem EM-Qualifikationsspiel versprochen: »Wir alle, die Spieler und die sportliche Leitung, sind mit Gebeten an der Seite unserer Soldaten.« Unter anderem die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can hatten das Bild »geliked« und waren dafür kritisiert worden.

Der europäische Verband hat eine Untersuchung gegen die Türkei eingeleitet. Uefa-Pressechef Philip Townsend: »Ich habe die Geste nicht gesehen. Nichtsdestotrotz könnte es eine Provokation gewesen sein. Verbietet die Uefa-Verordnung politische und religiöse Botschaften? Ja, und ich kann garantieren, dass wir die Situation untersuchen werden.«

lkay Gündogan und Emre Can nehmen Likes zurück

Die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben sich für ihre Reaktion auf ein umstrittenes Foto salutierender türkischer Fußballer verteidigt. »Glauben Sie mir: nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen«, ließ der 28 Jahre alte Gündogan kurz vor seinem Startelf-Einsatz im EM-Qualifikationsspiel in Estland am Sonntagabend mitteilen. Gündogan und Can nahmen ihre Likes bei Instagram später wieder zurück. Er habe gehandelt, »ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten«, sagte Can der »Bild«-Zeitung und fügte hinzu: »Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg.«

Gündogan betonte, er habe sein Like für das umstrittene Bild »bewusst zurückgenommen«, als er gesehen habe, dass seine Reaktion »politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB U21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat.« Im vergangenen Jahr war der Profi von Manchester City vor der WM wegen eines gemeinsamen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten.

Fortuna Düsseldorf nimmt Spieler in Schutz

Auch Bundesligist Fortuna Düsseldorf schaltete sich in den Wirbel um den Siegesjubel türkischer Nationalspieler ein. Die Fortuna-Profis Kaan Ayhan und Kenan Karaman beteuerten demnach in einem Gespräch mit dem Verein, die Gesten beim Spiel gegen Albanien seien lediglich »Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen« gewesen. Auch auf einem Mannschaftsfoto in der Kabine hatten türkische Spieler, darunter auch Ayhan (24) und Karaman (25), mit der Hand an der Stirn salutiert. Fortuna Düsseldorf will die Geschehnisse vom Freitagabend mit seinen beiden Profis nach deren Rückkehr von der Länderspielreise noch einmal aufarbeiten. Der Club sei »davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben«, wurde Sportvorstand Lutz Pfannenstiel zitiert.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will zunächst den offiziellen Spielbericht von der Partie abwarten, bevor eine Entscheidung über mögliche Ermittlungen in der Sache fällt. Nach den Statuten des Dachverbands sind politische Äußerungen und Gesten auf dem Spielfeld in UEFA-Wettbewerben untersagt.

 

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