So., 19.01.2020

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar Steigende Besucherzahlen in KZ-Gedenkstätten

Knapp 900.000 Menschen besichtigten 2019 das ehemalige Konzentrationslager in Dachau.

Knapp 900.000 Menschen besichtigten 2019 das ehemalige Konzentrationslager in Dachau. Foto: dpa

Frankfurt am Main/Köln (dpa/WB). Die großen KZ-Gedenkstätten in Deutschland hatten im Jahr 2019 erneut mehr Besucher. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienst bei den Gedenkstättenbetreibern kurz vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

So meldete die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Dachau knapp 900.000 Besucher. Das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen bei Potsdam besuchten mehr als 700.000 Menschen, wie die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mitteilte.

In Berlin stieg die Besucherzahl bei der Stiftung Topographie des Terrors, auf deren Gelände sich die ehemalige Gestapo-Zentrale befindet, zum siebten Mal in Folge über eine Million: 1,3 Millionen Menschen kamen 2019. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand verzeichnete ein Besucherplus von 13.500 auf 255.111. Grund sei der 75. Jahrestag des Hitlerattentats am 20. Juli 1944.

Gedenkstätten in NRW

Die meisten Besucher in Nordrhein-Westfalen verzeichnete das NS-Dokumentationszentrum in Köln, das die Geschichte der früheren Zentrale der Gestapo in der Stadt beleuchtet. Im Vergleich zu 2018 stieg die Zahl um etwa 4,6 Prozent auf rund 97.000 Besucher, wie Direktor Werner Jung erklärte. „Das ist ein Besucherrekord im 18. Jahr in Folge.“ Der NS-Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster vermeldet ebenfalls einen stetigen Zuwachs bei den Besucherzahlen. „Wir erkennen einen positiven Trend: 29.500 im Jahr 2017, 33.155 in 2018 sowie nun 34.120“, sagte Sprecher Peter Römer.

Die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte registrierte 2019 mit 28.900 Besucherinnen und Besucher dagegen etwa 3.000 weniger als 2018, wie der Erinnerungsort Alter Schlachthof in der NRW-Landeshauptstadt mitteilte. Auch die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg in Büren - Deutschlands erstes Museum zur Geschichte der SS - verzeichnete im vergangenen Jahr nach einem Zwischenhoch wieder einen leichten Rückgang bei den Besucherzahlen. Das Kreismuseum zählte den Angaben nach knapp 50.800 Gäste, 1.000 weniger als 2018.

Über 3.000 Menschen besuchten in 2019 die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta Westfalica bei Minden, ein Altbergbau und Stollensystem aus den letzten Kriegsjahren. Die Zahl habe sich in den vergangenen Jahren nur leicht nach oben verändert, sagte der Leiter der Einrichtung, Thomas Lange, auf Anfrage. Das liege vor allem daran, dass die Behörden Führungen unter Tage nur im begrenzten Umfang erlaubten, erklärte der Historiker. „Wir schöpfen das aktuell komplett aus.“

„Außerschulische Lernorte“

NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren müssen nach Meinung der Historikerin Gabriele Woidelko von der Körber-Stiftung als „außerschulische Lernorte“ gestärkt werden. Ein Beispiel dafür sei das Projekt „Jugend erinnert“ der Bundesregierung, das mit innovativen pädagogischen Formaten junge Menschen zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus anrege.

Junge Menschen müssten durch einen alltagsgeschichtlichen, lebensweltnahen Zugang an die Geschichte des Nationalsozialismus herangeführt werden, forderte Woidelko. Wolle man das Interesse junger Menschen an der NS-Zeit wecken, dann müsse man „den Alltag und die Lebensläufe derjenigen in den Blick nehmen, die vor Ort und in unmittelbarer Nachbarschaft vom Nationalsozialismus betroffen beziehungsweise in ihn verstrickt waren“. So lasse sich die Geschichte auf direkte Weise greifbar machen.

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum der Holocaust-Gedenktag begangen. In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle und Menschen mit Behinderung.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7203880?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2616245%2F