Mo., 24.02.2020

Karneval Hunderttausende feiern Rosenmontag - Auto fährt in Umzug

Trauer im Karneval: Motivwagen zum Anschlag von Hanau vor dem Rosenmontagszug in Köln.

Trauer im Karneval: Motivwagen zum Anschlag von Hanau vor dem Rosenmontagszug in Köln. Foto: Oliver Berg

Von dpa

Von Thunberg bis Trump - die Rosenmontagszüge können satirisch aus dem Vollen schöpfen. Hunderttausende feiern auf den Straßen. Es gab allerdings auch schwere Unfälle - und einen schlimmen Zwischenfall in Hessen.

Köln/Düsseldorf/Mainz (dpa) - Hunderttausende Narren haben an Rosenmontag den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. Überschattet wurde das fröhliche Treiben von einem schweren Zwischenfall im nordhessischen Volkmarsen.

Dort raste ein Autofahrer in einen Rosenmontagsumzug, laut Polizei wurden Dutzende Menschen verletzt. Der Fahrer sei festgenommen worden. Vorsichtshalber wurden daraufhin alle Fastnachtsumzüge in Hessen abgebrochen.

In Köln kam eine junge Frau bei einem Straßenbahnunfall ums Leben. Ein Mädchen blieb in einem Hotel mit seinem Fuß in einer Rolltreppe stecken und verletzte sich schwer. «Auch wenn die Einsatzzahlen der Hilfsorganisationen niedriger sind als in den vergangenen Jahren, die tragischen Unfälle überschatten das fröhliche Treiben», sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

In Mainz kamen trotz Nieselregens fast eine halbe Million Menschen zum Zug. Das Comitee Düsseldorfer Carneval schätzte die Besucherzahl auf zwischen 600.000 und 700.000. In Köln sprachen Festkomitee und Polizei von Hunderttausenden, die genaue Zahl könne man nicht schätzen.

Die Karnevalshochburgen bezogen in den Rosenmontagszügen Position gegen Rechts. «Uns Hätz schleiht för Hanau» - unser Herz schlägt für Hanau, stand auf einem Kölner Mottowagen zu dem offensichtlich rechtsextremistischen Anschlag. Die Wagenbauer hatten ihren Dom mit hängenden Turmspitzen und Tränen dargestellt. «Karneval ist bunt, nicht braun!», sagte Zugleiter Holger Kirsch der dpa.

Die Düsseldorfer stellten den Rassismus als Pistole dar, die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt. «Es sind viele Täter», sagte Wagenbauer Jacques Tilly dazu der dpa. «Es ist nicht nur einer, der geschossen hat. Diejenigen, die die Tat mental mit vorbereitet haben, tragen auch Verantwortung.»

In weiteren Mottowagen zeigten die Düsseldorfer den Machtkampf in der CDU als Sackhüpfen zwischen Jens Spahn, Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Bei der SPD schwenkten die neuen Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ganz in Schwarz-Weiß ihre Fähnchen - Motto: «Wir bringen wieder Farbe in die SPD.» Im braunen Sumpf von Thüringen hoben FDP und CDU den rechten Arm von Björn Höcke zum Hitlergruß.

Im Mainzer Zug fuhr US-Präsident Donald Trump als römischer Kaiser und Brandstifter Nero mit. Thematisiert wurden auch die Protestbewegung in Hongkong, die «Freakshow des britischen Horrorclowns» Boris Johnson sowie deutsche Rüstungsexporte in die Türkei. In der Innenpolitik nahmen die Fastnachter die Wirren in Thüringen aufs Korn: Die als Zwerg dargestellte Thüringer CDU zeigte der Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ein Stoppschild.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte der dpa angesichts von Reaktionen der Karnevalisten auf den Anschlag von Hanau: «Wir sind alle stolz auf die Mainzer Fastnacht, die wieder gezeigt hat, dass sie politisch ist und ausgesprochen hat, was viele denken.»

Die Kölner Motivwagen präsentierten die Abgeordneten im britischen Unterhaus als Skelette in einer endlosen Brexit-Debatte und Donald Trump als Horrorclown. Grünen-Chef Robert Habeck ritt auf einer Greta-Thunberg-Welle, und der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro stand vor verkohlten Samba-Tänzerinnen in einem abgebrannten Regenwald.

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