Frontalzusammenstoß
Zugunglück: Tote und Verletzte im tschechischen Grenzgebiet

Zwei Züge sind unterwegs zwischen Sachsen und Tschechien, als sie auf eingleisiger Strecke frontal zustammenstoßen - mit tödlichen Folgen. Die Unglücksstelle ist nur schwer zugänglich. Bei dem Unfall könnte menschliches Versagen eine Rolle gespielt haben.

Dienstag, 07.07.2020, 22:11 Uhr
Die beiden Züge stehen nach der Kollision ineinander verkeilt auf dem Gleis.
Die beiden Züge stehen nach der Kollision ineinander verkeilt auf dem Gleis. Foto: Slavomír Kubeš

Karlsbad (dpa) - Nach einem tödlichen Zugunglück im tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland beginnt die Suche nach den Ursachen. Zwei Personenzüge waren am Nachmittag auf einer eingleisigen Strecke im Erzgebirge frontal ineinander gefahren.

Unter den Toten war ein deutscher Staatsbürger, wie eine Sprecherin der Polizei in Karlsbad (Karlovy Vary) bestätigte. Auch ein Tscheche starb bei der Kollision. Nach einer letzten Bilanz des Rettungsdienstes wurden zudem 9 Menschen schwer und 15 leicht verletzt.

«Es ist offensichtlich, dass es zu menschlichem Versagen gekommen ist», sagte der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Der Politiker war noch am Abend an die Unglücksstelle geeilt. Die Polizei nahm einen der beiden Lokführer fest. Der Verdacht laute auf fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen zu früh losgefahren sein. Er habe neben den Gleisen gesessen und gesagt «Was habe ich nur getan, was habe ich nur getan», berichtete ein Augenzeuge der Zeitung «Pravo». Auch die Eisenbahninspektion nahm Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Der eine Zug war auf der eingleisigen Strecke unterwegs vom westböhmischen Bäderort Karlsbad ins sächsische Johanngeorgenstadt, der andere in umgekehrter Richtung. Die kurvenreiche und hügelige Trasse führt über den Erzgebirgskamm. Die beiden Züge sollten sich eigentlich erst im nächsten Bahnhof kreuzen.

Die Unglücksstelle in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Pernink und Nove Hamry, weniger als zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, war für die Rettungskräfte nur äußerst schwer zugänglich. Die Feuerwehr musste die Verletzten über die Gleise zu Fuß in den nächsten Bahnhof tragen.

Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, darunter auch einer aus dem benachbarten Sachsen, um die Schwerverletzten in Kliniken der Region zu bringen. Diese wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Der umliegende Wald wurde nach Verletzten abgesucht, die unter Schock weggerannt sein könnten. Doch es wurde niemand gefunden.

Auf Fotos war zu sehen, dass die beiden Fahrerbereiche komplett demoliert waren. Er sei «zutiefst bestürzt», schrieb Verkehrsminister Havlicek bei Twitter und forderte umfassende Aufklärung. Der Betrieb auf der Strecke wird im sogenannten vereinfachten Nebenbahnbetrieb durchgeführt, das heißt ohne besondere sicherungstechnische Einrichtungen. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit auf 90 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Tschechien verfügt laut Eurostat über eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa. Doch große Teile der Infrastruktur sind veraltet. Vor zwei Jahren stellte der Rechnungshof fest, dass 35 Prozent des Wagenmaterials älters als 30 Jahre ist. Im August 2008 starben acht Menschen, als der Eurocity zwischen Krakau (Krakow) und Prag in eine kurz zuvor eingestürzte Brücke fuhr.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-708083/7

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