In 68 der 70 Kommunen wird der Bürgermeister gewählt, in sechs Kreisen der Landrat
Wo es bei den Kommunalwahlen in Ostwestfalen-Lippe spannend wird

Bielefeld (WB). Wo es am Sonntag bei den Kommunalwahlen in Ostwestfalen-Lippe spannend wird, erläutert die folgende Übersicht:

Samstag, 12.09.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 13.09.2020, 13:32 Uhr
In 70 Kommunen in OWL wird am Sonntag gewählt. (Symbolbild). Foto: Thomas F. Starke
In 70 Kommunen in OWL wird am Sonntag gewählt. (Symbolbild). Foto: Thomas F. Starke

Stadt Bielefeld

In Bielefeld bewirbt sich Pit Clausen (SPD) um eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister. Und glaubt man einer Meinungsumfrage, stehen seine Chancen nicht schlecht. Herausforderer Ralf Nettelstroth (CDU) lässt sich davon nicht unterkriegen, will vor allem mit Themen wie der in Bielefeld hoch umstrittenen Verkehrspolitik punkten.

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD)

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) Foto: Thomas F. Starke

Hier wirft er dem regierenden Paprika-Bündnis aus SPD, Grünen und zwei Wählergemeinschaften Versagen vor. Auch OB-Kandidatin Kerstin Haarmann (Grüne) hofft, die Stichwahl erreichen zu können. Bei der Wahl zum neuen Rat hat ihre Partei ebennfalls klare Ziele. Sie will stärkste Kraft im Stadtparlament werden. Nach dem Riesen-Erfolg bei der Europawahl scheint dies nicht ausgeschlossen.

Wer die größte Fraktion stellt, dürfte sich am Ende zwischen SPD, CDU und Grünen entscheiden. Insgesamt treten in Bielefeld zwölf OB-Bewerber und 13 Parteien und Wählergemeinschaften an  – so viel wie noch nie.

Kreis Gütersloh

Abgesehen vom Landratswahlkampf zwischen Sven-Georg Adenauer (CDU), der zum fünften Mal als Landrat gewählt werden will, der SPD-Herausforderin Marion Weike (bislang Bürgermeisterin in Werther) und Moni Vorberg (Krankenschwester aus Rheda-Wiedenbrück) von der Satire-Partei „Die Partei“ verspricht der Wahlkampf vor allem im Nordkreis Spannung. In drei Rathäusern werden neue Bürgermeister gesucht, weil die Amtsinhaber Weike (Werther), Anne Rodenbrock-Wesselmann (Halle) und Klaus Besser (Steinhagen/alle SPD) nicht mehr angetreten sind. Um die Nachfolge streiten bis zu fünf Bewerber.

Güterslohs Lamdrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

Güterslohs Lamdrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Foto: Federico Gambarini/dpa

Kreis Herford

Bei der Landratswahl im Kreis Herford gilt Jürgen Müller (SPD) als Favorit. Der 59-jährige Vlothoer ist seit 2015 Landrat im Kreis Herford und war dort zuvor fünf Jahre Dezernent. Mit Herausforderin Dorothee Schuster (37) aus Bünde präsentiert die CDU eine politische Newcomerin.

Gleiches gilt im Kampf um das Bürgermeisteramt in Herford. Hier strebt Tim Kähler (SPD) eine zweite Amtszeit an. Neben dem 52-Jährigen gibt es sechs weitere Bewerber. Wie beim Kreis, so setzt die CDU auch in der Stadt Herford mit der Polizistin Anke Theisen (51) auf jemanden, der zuvor politisch nicht in Erscheinung getreten war.

Herfords Landrat Jürgen Müller (SPD).

Herfords Landrat Jürgen Müller (SPD).

In Bünde stellt die CDU seit 1999 den Bürgermeister. Deshalb gilt Martin Schuster (38) als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Parteifreund Wolfgang Koch. In Hiddenhausen tritt Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer (SPD) nach 16 Jahren nicht mehr an. Hier kämpfen  Andreas Hüffmann (58, SPD) und Ulrich Hempelmann (55, CDU) um seine Nachfolge. Spannender dürfte es diesmal in Spenge zugehen. Zwar gilt Amtsinhaber Bernd  Dumcke (58, SPD) als Favorit. Aber CDU-Herausforderer Lars Hartwig (42) hat auch die Unterstützung der Grünen.

Kreis Höxter

Im Kreis Höxter wird der Wahlabend besonders in der Kreisstadt spannend. Fünf Kandidaten fordern hier Amtsinhaber Alexander Fischer (56) heraus, der eigentlich aufhören wollte, sich später aber doch für eine erneute Kandidatur entschied. Pikant: Fischers Partei SPD unterstützt​ dieses Mal nicht ihn, sondern den parteilosen Einzelbewerber Daniel Hartmann (43).

Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln will Landrat des Kreises Höxter werden.

Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln will Landrat des Kreises Höxter werden. Foto: Timo Gemmeke

Großes Interesse gibt es am Chefsessel im Nieheimer Rathaus. Auch hier hatte Amtsinhaber Rainer Vidal (47, parteilos) einen Rückzug von Rückzug gemacht. Mit ihm gehen drei weitere Kandidaten ins Rennen. Ähnlich wie in Höxter erwarten Beobachter auch hier eine Stichwahl. Definitiv neue Bürgermeister wird es in Willebadessen, Borgentreich, Warburg und Marienmünster geben. Hier hören die Amtsinhaber auf. Warburgs Stadtoberhaupt Michael Stickeln (51, CDU) will Landrat werden, ebenso Helmut Lensdorf (57, SPD). Stickeln gilt als Favorit.  

Kreis Lippe

Spannend im Kreis Lippe dürfte vor allem die Frage sein, wer künftig Landrat sein wird. Amtsinhaber Axel Lehmann (SPD) hatte sich vor fünf Jahren in der Stichwahl mit 52,9 Prozent gegen Friedel Heuwinkel (CDU) durchgesetzt, der das Amt 16 Jahre lang ausgeübt hatte. Für die CDU kandidiert in diesem Jahr Jens Gnisa. Der Direktor des Amtsgerichts Bielefeld war von 2016 bis 2019 Vorsitzender des Deutschen Richterbunds und gilt als Verfechter von Recht und Ordnung. Landrat Lehmann musste als Leiter der Kreispolizeibehörde Ermittlungspannen im Fall Lügde einräumen.

Axel Lehmann (SPD), Landrat in Lippe, will eine zweite Amtszeit.

Axel Lehmann (SPD), Landrat in Lippe, will eine zweite Amtszeit.

Neben Robin Wagener (Grüne) und Carsten Möller (FDP) kandidiert auch Ursula Jacob-Reisinger (Die Linke) für das Landratsamt. Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin ist als Gegnerin von verkaufsoffenen Sonntagen in OWL bekannt. Besonderheit in Lage: Hier wird kein Bürgermeister gewählt, das dort das Amt bereits 2019 mit Matthias Kalkreuter (SPD) neu besetzt wurde. In Lemgo tritt der langjährige Bürgermeister Reiner Austermann (CDU)  nicht  mehr an. Der Lemgoer Beigeordnete Dirk Tolkemitt (CDU) geht in Bad Salzuflen gegen Amtsinhaber Dr. Roland Thomas (SPD) ins Rennen.

Kreis Minden-Lübbecke

Um die Nachfolge von Ralf Niermann (SPD) im Kreis Minden-Lübbecke bewerben sich vier Kandidaten: Die besten Aussichten werden Ingo Ellerkamp (SPD) und Anna Bölling (CDU) zugesprochen, während Siegfried Gutsche (Grüne) Außenseiterchancen hat. Abzuwarten ist, ob AfD-Kandidat Thomas Röckemann, der 2019 kurzzeitig als Landessprecher von sich reden machte, eine Rolle spielen wird.

Ingo Ellerkamp (SPD) ist ein aussichtsreicher Kandidat für den Landratsposten in Minden-Lübbecke.

Ingo Ellerkamp (SPD) ist ein aussichtsreicher Kandidat für den Landratsposten in Minden-Lübbecke.

In drei der elf Kommunen des Kreises wird es auf jeden Fall neue Bürgermeister geben, weil die bisherigen Amtsinhaber nicht mehr antreten: Petershagen, Porta Westfalica und Espelkamp. Interessant ist besonders die Entscheidung in Espelkamp, wo Henning Vieker (CDU) Nachfolger seines Vaters Heinrich werden will. In Stemwede ist der Sieger ziemlich sicher FDP-Bürgermeister Kai Abruszat, der keinen Gegenkandidaten hat. Kurios: In Hille kandidieren zwei SPD-Mitglieder. Burkhard Günther ist von der Partei nominiert, Amtsinhaber Michael Schweiß tritt überparteilich an.

Kreis Paderborn

Im Kreis Paderborn wird es auf jeden Fall einen neuen Landrat geben. Nach 16 Jahren im Amt tritt Landrat Manfred Müller (CDU, 59) aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder an. Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um den Chefposten in der Kreisverwaltung. Die größten Chancen werden Bad Wünnenbergs Bürgermeister Christoph Rüther (CDU, 55) zugerechnet.

Bad Wünnenbergs Bürgermeister Christoph Rüther will Landrat des Kreises Paderborn werden.

Bad Wünnenbergs Bürgermeister Christoph Rüther will Landrat des Kreises Paderborn werden.

In Paderborn hat es Bürgermeister Michael Dreier (CDU, 59), der eine zweite Amtszeit anstrebt, mit acht Herausforderern zu tun , darunter als einzige Frau Rechtsanwältin Elke Süsselbeck von der Partei Die Linke. Angesichts der zahlreichen Kandidaten ist in Paderborn eine Stichwahl wahrscheinlich.

Spannend wird zudem die Frage sein, ob die SPD im CDU-dominierten Kreis Paderborn weiterhin die drei Bürgermeister in Borchen, Altenbeken und Lichtenau stellen wird. In Borchen tritt Reiner Allerdissen (61) erneut für die Sozialdemokraten an. In Altenbeken und in Lichtenau stellen sich Hans Jürgen Wessels (64), dienstältester Bürgermeister im Kreis, und Josef Hartmann (67) jedoch nicht zur Wiederwahl. Auch in Bad Lippspringe wird es einen neuen Bürgermeister geben. Der parteilose Andreas Bee (57) will ebenfalls nicht erneut kandidieren.

Einen Kommentar zur NRW-Kommunalwahl lesen Sie hier.

 

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