Corona brachte Florian Janssen in Lebensgefahr – jetzt dankte er seinen Rettern
Zurück auf der Intensivstation

Münster (WB). Florian Janssen ist am Wochenende zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die Intensiv­station des münsterischen Clemenshospitals gekommen. Aber diesmal war alles anders. Am 30. Mai war er mit dem Rettungswagen eingeliefert worden und wurde kurz darauf für zweieinhalb Wochen ins künstliche Koma gelegt: Covid-19, sehr schwerer Verlauf. Dieses Mal nun kam er freiwillig, um sich bei seinen Rettern zu bedanken. Und anschließend konnte er einfach wieder nach Hause gehen.

Montag, 12.10.2020, 05:30 Uhr
Carla Mefus, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin im Clemenshospital Münster, hat Besuch von ihrem ehemaligen Covid19-Patienten Florian Janssen bekommen. Der 34-Jährige wollte seinen Lebensrettern einfach nur „Danke“ sagen. Foto: Gunnar A. Pier
Carla Mefus, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin im Clemenshospital Münster, hat Besuch von ihrem ehemaligen Covid19-Patienten Florian Janssen bekommen. Der 34-Jährige wollte seinen Lebensrettern einfach nur „Danke“ sagen. Foto: Gunnar A. Pier

Die vergangenen Monate sind für den heute 34-jährigen Münsteraner dramatisch verlaufen. Alles begann Ende Mai mit leichten Symptomen – und einem ersten negativen Corona-Test. „Ich war immer vorsichtig und habe mich an alle Regeln gehalten“, sagt er. „Aber ich habe auch gedacht: Wenn es dich mal erwischt, dann bist du halt ein paar Tage ein bisschen krank – mehr nicht.“ Janssen ist Sportler durch und durch, war topfit, trainierte für einen Halbmarathon. Als der Rettungswagen kam, schaffte er es nicht mehr aus eigener Kraft die Treppe runter.

Zweieinhalb Wochen künstliches Koma

Im Clemenshospital ging dann alles ganz schnell. In der Nacht kam Janssen an – „am Vormittag wurde er schon be­atmungs­pflichtig“, erinnert sich Carla Mefus. Die Fachgesundheits- und Krankenpflegerin wurde zu einer ständigen Begleiterin. „Ich kenne Florian deutlich besser als er mich“, sagte sie augenzwinkernd, als sich die beiden wiedertrafen. Denn Janssen wurde ins künstliche Koma gelegt und schlief zweieinhalb Wochen lang.

„Ich erlebe Patienten ja sonst nur im Akutgeschehen“, berichtet Carla Mefus. Geht es ihnen besser, sieht sie sie selten wieder. Deshalb freute sie sich sichtlich über das ungewöhnliche Wiedertreffen. Sie konnte ihrem ehemaligen Patienten so viel erzählen. „Ich habe keine Erinnerungen an die Zeit zwischen der Einlieferung und dem künstlichen Koma“, sagt Janssen. Nur ein diffuses Bild habe er abgespeichert – mit Carla links vom Bett, zwei Ärzten rechts vom Bett und irgendwelchen orangefarbenen Einweghandschuhen. Dann kamen die Medikamente, die ihm das Bewusstsein nahmen und es ermöglichten, dass sein Blut außerhalb seines Körpers mit Sauerstoff angereichert und dann zurück in den Kreislauf geführt wurde. Er bekam verschiedene Medikamente bis hin zu einem Kortisonpräparat.

Mehr als 6 Wochen Klinikaufenthalt

Nach zweieinhalb Wochen wurde Janssen langsam zurückgeholt. „Ich wusste gleich, wo ich bin“, erinnert sich der Patient. Doch an viel mehr nicht. Da hingen Fotos von seiner Familie am Fußende seines Bettes. „Und ich war frisch rasiert.“ Das Werk von Carla Mefus, die von dem kuriosen Telefonat mit Janssens Eltern berichtet. „Ich musste ja erst mal wissen, ob er sonst einen Bart trägt. Dann hätte ich ihn ja schlecht glatt rasieren können.“

Fast vier Wochen lang musste Janssen nach seinem Koma noch im Clemenshospital bleiben. „Ich bin es nicht gewohnt, jemanden um Hilfe zu bitten, das ist eine Schwäche von mir.“ Deshalb sei es ihm besonders schwer gefallen, sich plötzlich die Zähne putzen und das Essen anreichen zu lassen. „Auf der Intensivstation gibst du deine Würde ab“, hätte es geheißen. „Aber die Pfleger haben mir schnell jede Sorge genommen.“ Bald arrangierte sich der sonst so aktive 34-Jährige, der jetzt so hilflos war, mit der unliebsamen Situation.

Inzwischen ist Janssen wieder auf den Beinen, hat eine Reha hinter sich, kommt alleine klar – und sieht auch klar: „Es ist schön, wieder hierher zu kommen, um von Angesicht zu Angesicht Danke zu sagen. Ich habe dem Personal hier mein Leben zu verdanken – das war ja relativ knapp.“

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