Geiselnehmer bedrohte Mitarbeiterin in der JVA Münster
Erschossener Häftling wollte 2007 seine Mutter töten

Rheda-Wiedenbrück/Münster (WB). Nachdem ein SEK-Beamter am Freitag in der Justizvollzugsanstalt Münster einen Geiselnehmer (40) erschossen hat, ist aus Neu­tralitätsgründen das Polizeipräsidium Dortmund mit der Untersuchung der Schussabgabe beauftragt worden. Möglicherweise war die Entscheidung, auf den Häftling zu schießen, mit von dem Wissen beeinflusst, dass der Schlacht­arbeiter schon vor 13 Jahren in Rheda-Wiedenbrück versucht hatte, einer Frau mit einem Messer die Kehle durchzuschneiden – seiner damals 46 Jahre alten Mutter. Sie überlebte die schwere Halsverletzung wie durch ein Wunder.

Montag, 19.10.2020, 03:00 Uhr
SEK-Beamte am Freitag vor der JVA Münster. Foto: dpa
SEK-Beamte am Freitag vor der JVA Münster. Foto: dpa

Der 40-Jährige sollte zuletzt in Münster eine viermonatige Haftstrafe absitzen, zu der er wegen Widerstandes verurteilt worden war. Der alkoholkranke Mann hatte 2019 auf dem Gelände einer Suchtklinik randaliert und nach Überzeugung des Gerichts in Richtung eines Polizisten getreten. Er wurde auf Bewährung verurteilt, musste dann aber doch ins Gefängnis, weil er die Auflagen des Gerichts nicht eingehalten hatte. In vier Wochen hätte er entlassen werden sollen, doch dann nahm der Mann am Freitag eine Mitarbeiterin der JVA als Geisel und forderte einen Hubschrauber. Dabei soll er der Frau ein Schnittwerkzeug an den Hals gehalten haben – nach unbestätigten Informationen eine Zahnbürste, an der eine Rasierklinge befestigt gewesen sein soll.

Die Polizei löste Großalarm aus. Neben anderen SEK-Beamten wurden auch Bielefelder Kräfte angefordert. Bei der Befreiung der Geisel erschoss dann ein Polizist den 40-Jährigen. Die Frau kam leicht verletzt ins Krankenhaus.

Versuchter Totschlag im Jahr 2007

Der Mann galt seit Jahrzehnten als alkoholkrank. Zu seiner schwersten bekannten Straftat war es 2007 gekommen. Damals arbeitete der 27-Jährige als Schlachtarbeiter im Unternehmen Tönnies. An einem Sonntagabend im Mai trank er zusammen mit seinen Eltern in deren Wohnung in Rheda-Wiedenbrück – der Sohn nach eigenen Angaben einen halben Kasten Bier. Der Vater ging früh ins Bett, und der Sohn wollte sich gegen 20.30 Uhr noch ein paar Eier braten. Als ihm dabei Geschirr auf den Boden fiel, soll seine polnischstämmige Mutter „Oh Jesus, oh Jesus!“ gerufen haben. Daraufhin holte der Sohn – so stellte es später das Landgericht Bielefeld fest – unvermutet ein Küchenmesser aus der Schublade und zog es seiner Mutter quer über den Hals.

Schreiend und blutend floh die Frau ins Bad, während ihr Sohn sie hilflos zurückließ und aus der Wohnung lief. Die Frau hatte eine zehn Zentimeter lange und drei Zentimeter tiefe Schnittverletzung erlitten, die aber die beiden Halsschlagadern um Millimeter verfehlt hatte. Sie wurde gerettet.

Der Sohn wurde noch am Tatabend in seiner etwa 600 Meter entfernten Wohnung festgenommen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt 2,85 Promille Alkohol im Blut. Im Prozess sagte er, er habe mit seiner Mutter auf der Couch gesessen, und sie habe sich plötzlich in suizidaler Absicht selbst mit dem Messer verletzt. Das nahm ihm das Schwurgericht nicht ab. Es verurteilte den Mann im Dezember 2007 wegen versuchten Totschlags, begangen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit, zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. „Sie haben ihrer Familie unendliches Leid zugefügt“, sagte die Vorsitzende Richterin damals.

Der tote Geiselnehmer soll jetzt obduziert werden – auch um festzustellen, ob er am Freitag unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen stand.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7638381?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2616245%2F
41 Bewohner positiv getestet
41 Bewohner und 15 Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheimes Jordanquelle in Bad Lippspringe sind bis Montag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Heimleitung steht nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt. Foto: Oliver Schwabe
Nachrichten-Ticker