Hinweise auf Regelverstöße erreichen NRW-Landtagsabgeordnete – mit Lotto-Annahmestellen gleichgesetzt
Warum Wettbüros trotz Corona-Schutzmaßnahmen öffnen dürfen

Bielefeld/Düsseldorf (WB) -

In NRW scheinen sich einige Wettbüros nicht an die Corona-Regeln zu halten. In Städten im Ruhrgebiet – aber auch in Bielefeld – haben Bürger die Polizei und die Ordnungsämter jüngst darauf hingewiesen, dass sich in den Wettbüros Kunden aufhielten oder vor den Ladenlokalen ohne Maskenschutz und Abstand zusammenstanden.

Sonntag, 20.12.2020, 20:42 Uhr aktualisiert: 22.12.2020, 18:54 Uhr
Eine Polizistin in einem Wettbüro bei einer Kontrolle. Wettbüros dürfen zwar geöffnet bleiben – aber nur zur Entgegennahme der Spielscheine und Wetten.
Eine Polizistin in einem Wettbüro bei einer Kontrolle. Wettbüros dürfen zwar geöffnet bleiben – aber nur zur Entgegennahme der Spielscheine und Wetten. Foto: Caroline Seidel

Von diesen Hinweisen berichtet auch der FDP-Landtagsabgeordnete Stephen Paul aus Herford. „Auch mir haben Bürger von solchen Beobachtungen berichtet. Es kann natürlich nicht sein, dass vor Wettbüros ein reges Treiben herrscht. Es ist möglich, Wettscheine abzugeben, aber mehr nicht“, sagte Stephen Paul dem WESTFALEN-BLATT. Und: „Ich habe die Vorgänge zur Prüfung an das Büro von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gegeben. Alles, was die Bürger beim Einhalten der Regeln irritiert, kann nicht im Sinne der Corona-Verordnung sein und sollte bei der Überarbeitung der Verordnung bedacht werden“, erklärte Paul weiter.

Paragraph 10 der Corona-Schutzverordnung NRW regelt, dass in Wettannahmestellen und Wettbüros nur die Entgegennahme der Spielscheine und Wetten gestattet ist. „Ein darüber hinausgehender Aufenthalt in den betreffenden Einrichtungen, etwa zum Mitverfolgen der Spiele und Veranstaltungen, auf die sich die Wetten beziehen, ist unzulässig. Die Anzahl von gleichzeitig in den Geschäftsräumen anwesenden Kundinnen und Kunden darf eine Person pro zehn Qu­a­dratmeter nicht überschreiten“, teilte das NRW-Gesundheitsministerium dem WESTFALEN-BLATT auf Anfrage mit.

Wettbüros müssen nicht schließen, weil für sie die gleichen Bedingungen gelten wie für Lotto-Annahmestellen. „Da hier eine Vergleichbarkeit des Angebots besteht, wurden auch vergleichbare Regelungen geschaffen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke aus Paderborn hält die Regelung für angemessen. „Lotto ist eine Wette auf Zahlen und ist nicht verboten. Insofern kann ich nachvollziehen, dass Wettbüros wie Lotto-Annahmestellen behandelt werden“, sagte Sieveke. Aber auch er fordert wirksame Kontrollen. „Die Ordnungsämter müssen vor Ort kon­trollieren, wenn es Hinweise auf Probleme mit Wettbüros gibt.“

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