Wie einst der Reformator Martin Luther
Maria 2.0 schlägt Thesen an Kirchentüren

Köln/Münster/Paderborn/Bielefeld (dpa/WB/as) -

Die katholische Reforminitiative Maria 2.0 hat sich ein Beispiel an Martin Luther genommen und am Sonntag an mehreren Orten in Deutschland Thesen an Kirchentüren aufgehängt. Aktionen gab es unter anderem in München, Würzburg, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg.

Sonntag, 21.02.2021, 14:48 Uhr aktualisiert: 21.02.2021, 22:10 Uhr
Eine Mitglied der katholischen Reforminitiative „Maria 2.0“ hängt ein Plakat mit ihren Thesen an das Hauptportal der Frauenkirche.
Eine Mitglied der katholischen Reforminitiative „Maria 2.0“ hängt ein Plakat mit ihren Thesen an das Hauptportal der Frauenkirche. Foto: Angelika Warmuth/dpa

„In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern“, lautet die erste These. Die Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Sie kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, den Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral.

„Wir sind ja keine reine Frauenveranstaltung, bei uns machen auch Männer mit“, sagt Barbara Erdmeier aus der katholischen Kirchengemeinde in Bielefeld-Schildesche. Für Elisabeth Niehaus geht es auch darum, den Pflichtzölibat für katholische Priester zu hinterfragen und – im Blick auf den Streit um die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln – mehr Transparenz zu fordern. „Da muss alles aufgedeckt und aufgearbeitet werden“, sagt Niehaus.

Maria 2.0 vor der katholischen Kirche in Bielefeld-Schildesche

Maria 2.0 vor der katholischen Kirche in Bielefeld-Schildesche Foto: Andreas Schnadwinkel

Der Zeitpunkt der Aktion war bewusst gewählt worden. Von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche veranstaltet die katholische Kirche die digitale Frühjahrskonferenz der Bischöfe. Da kann ein bisschen öffentlicher Druck aus Sicht der Reformbewegung nicht schaden.

2019 hatte „Maria 2.0“ schon einmal mit einem Kirchenstreik die katholische Kirche aufgemischt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete Anfang Februar, dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit „Maria 2.0“ befasse. Stein des Anstoßes soll ein Protest der Frauenrechtlerinnen gegen die Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sein.

Stein des Anstoßes: der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki

Stein des Anstoßes: der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Thesen, die in ganz Deutschland an den Türen katholischer Kirchen befestigt wurden, umfassen sieben Themen: Zugang für alle zu allen Ämtern, nicht nur für Männer; gemeinsame Verantwortung, weniger Klerikalismus; umfassende Aufklärung und Sanktionierung von sexueller Gewalt; Überwindung der offiziell gelehrten Sexualmoral; Abschaffung der zölibatären Lebensform bei der Ausübung eines Weiheamtes; anderer Umgang mit dem Vermögen der Kirche; Einsatz für eine gerechte Welt im Sinne des Evangeliums.

In Paderborn blieben am Wochenende nicht alle Thesenplakate hängen. „Wir haben am Sonntag von 9 bis 10 Uhr an den Innenstadtkirchen und in den umliegenden Bezirken plakatiert. Gegen Mittag haben die Thesen an der Marktkirche und an der Gaukirche nicht mehr gehangen, sehr wohl aber am Dom“, sagt Claudia Siegel. Dort trafen die Frauen von Maria 2.0 Nils Petrat.

Maria 2.0 in Paderborn

Maria 2.0 in Paderborn Foto: Matthias Band

„Ich habe viel Respekt davor, wenn sich Christen für die Zukunft des Glaubens engagieren. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg des Austauschs sind. Wichtig ist mir, dass wir beiein­ander bleiben, wenn wir konkret über diese Thesen sprechen“, sagte der Dompastor und betonte, dass er in einer Diskussion einigen der Thesen widerspräche.

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation und die Spaltung in die katholische und evangelische Kirche eingeläutet. „Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen“, sagte Kötter kurz vor der Aktion. „Es heißt ja auch immer, Luther habe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten.“

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, er verstehe die Unruhe, die viele Gläubige in der Kirche verspürten. „Wir wissen darum, dass es Veränderungen bedarf. Deshalb hat die Deutsche Bischofskonferenz den Synodalen Weg ins Leben gerufen.“ Der Synodale Weg ist ein Reformprozess, der sich unter anderem mit der katholischen Sexualmoral und der Position der Frauen in der Kirche beschäftigt.

„Protest ist sicherlich ein legitimes Mittel“, sagte Kopp. “Aber wir können nicht von heute auf Morgen die Kirche ändern, sondern müssen das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun.“ Dazu gehöre auch das Gespräch mit dem Vatikan. Die Kirche in Deutschland werde bei Fragen von weltkirchlicher Relevanz keinen Sonderweg ohne Rom gehen.

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