Nach Kritik von Missbrauchsopfern
Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

München/Paderborn (dpa/WB) -

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verzichtet auf das Bundesverdienstkreuz, nachdem Missbrauchsopfer die geplante Verleihung kritisiert hatten.

Dienstag, 27.04.2021, 17:26 Uhr aktualisiert: 27.04.2021, 21:04 Uhr
Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx. Foto: Tobias Hase/dpa

Wie ein Sprecher des Erzbistums von München und Freising mitteilte, richtete Marx am Dienstag per Brief eine entsprechende Bitte an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Auszeichnung hätte am Freitag in Berlin überreicht werden sollen.

Den Angaben zufolge dankte Marx für die «hohe Ehre der Verleihung», an der das Staatsoberhaupt «auch in Reaktion auf die öffentliche Kritik wertschätzend und wohlwollend» festgehalten habe.

Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln hatte am Montag an den Bundespräsidenten appelliert, die Auszeichnung vorerst nicht vorzunehmen. Der Vorwurf der Vertuschung sei bei Marx «noch längst nicht ausgeräumt», verschiedene Untersuchungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, so der Beirat, der die Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester vertritt. Für Betroffene wäre die Ehrung kaum zu ertragen. «Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Kardinal Marx darf nur erfolgen, wenn eindeutig nachgewiesen ist, dass er sich keiner Vertuschung schuldig gemacht und keine Aufklärung ver- oder behindert hat», hatte stellvertretend Peter Bringmann-Henselder, Mitglied im Betroffenenbeirat, gefordert.

Marx ist seit 2008 Erzbischof von München und Freising. Von 2014 bis 2020 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der heute 77-Jährige wurden in Geseke im Kreis Soest geboren. 1979 wurde er in Paderborn zum Priester geweiht. 17 Jahre später wurde er in der Domstadt zum Weihbischof geweiht. Zudem lehrte er hier von 1996 bis 2002 Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät.

Die Vorwürfe an Marx betreffen die Zeit, in der er Bischof von Trier gewesen ist. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen einen Geistlichen. Dieser habe den Missbrauch eines Jugendlichen teilweise gestanden. Allerdings war die Tat verjährt. Bei einer Befragung durch das Bistum Trier habe der Pfarrer die Vorwürfe bestritten. Das Bistum habe es aber unterlassen, die Akten der Justiz anzufordern.

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