Di., 12.06.2018

Deutsch-russische Begegnungstage bei der IHK Ostwestfalen Nicht losgelöst von der Welt

Deutsch-russische Begegnung in Ostwestfalen (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Vladimir Sedykh (russischer Generalkonsul in Bonn), Russlands Wirtschaftsattaché Iurii Stetsenko, IHK-Vizehauptgeschäftsführer Harald Grefe, Prof. Klaus Mangold (Ost-Ausschuss), Matthias Schepp (Deutsche Außenhandelskammer in Moskau), Rüdiger von Fritsch (deutscher Botschafter in Moskau), IHK-Präsident Wolf Meier-Scheuven, Dr. Tobias Traupel (NRW-Wirtschaftsministerium) und Jan-Hendrik Mohr (Claas).

Deutsch-russische Begegnung in Ostwestfalen (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Vladimir Sedykh (russischer Generalkonsul in Bonn), Russlands Wirtschaftsattaché Iurii Stetsenko, IHK-Vizehauptgeschäftsführer Harald Grefe, Prof. Klaus Mangold (Ost-Ausschuss), Matthias Schepp (Deutsche Außenhandelskammer in Moskau), Rüdiger von Fritsch (deutscher Botschafter in Moskau), IHK-Präsident Wolf Meier-Scheuven, Dr. Tobias Traupel (NRW-Wirtschaftsministerium) und Jan-Hendrik Mohr (Claas). Foto: Mike-Dennis Müller

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Noch nie hat die Eröffnung einer IHK-Begegnungswoche in Bielefeld so im Schatten der Weltpolitik gestanden wie am Montag »Ostwestfalen meets Russia«. Diskutiert wurde vor allem über Donald Trump, der Ausgang des G7-Gipfels und die Schwäche der Europäischen Union.

Vor allem der amtierende deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger Freiherr von Fritsch, und noch stärker Prof. Klaus Mangold, Vorstandsmitglied des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, ließen es an Deutlichkeit nicht fehlen.

Gemeinsame Antwort finden, Verhältnisse zu Russland neu bewerten

Fritsch, seit vier Jahren im Amt, kritisierte, dass der Nationalismus, der die eigenen Interessen über alles stelle, schon einmal in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Welt in die Katastrophe geführt habe. Wenn der US-Präsident in unternehmerische Entscheidungen wie den Bau der Nordstream-Pipeline ohne rechtliche Basis eingreife und ohne Abstimmung mit den internationalen Gremien Sanktionen verhänge, denen alle anderen in der Welt zu folgen hätten, dann sei Europa gefordert. Die EU müsse gemeinsam eine Antwort finden und in diesem Zusammenhang vielleicht auch das Verhältnisses zu Russland neu bewerten.

Reformvorschläge von Fankreichs Präsident Macron als Hoffnung

Mangold, dessen Rede ebenso wie die von Fritsch mit Zwischenapplaus begleitet wurde, warnte davor: Europa laufe Gefahr, angesichts der Machtansprüche der Staatsführer in den USA, China, Russland und sogar Ländern wie der Türkei unter die Räder zu kommen. Die EU brauche endlich eine handlungsfähige Führung. Stattdessen reibe sie sich in inneren Kämpfen auf. Ungarn und Polen verfolgten schon länger nur noch eigene Interessen. Italien sei geschwächt. Und der größte Verbündete Deutschlands in Fragen des Freihandels, Großbritannien, sei dabei, die Union zu verlassen. In dieser Situation seien die Reformvorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron die einzige Hoffnung. Doch er warte seit Monaten vergebens auf Unterstützung aus Berlin.

Besetzung der Krim: Verschiedene Standpunkte zu den Sanktionen

Natürlich waren die Sanktionen wegen der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim durch russische Soldaten ebenfalls Thema bei der Eröffnung der IHK-Begegnungswoche. Kammerpräsident Wolf D. Meier-Scheuven sagte eingangs, die Wirtschaft halte sich an staatliche Vorgaben, aber sie liebe sie nicht. Matthias Schepp, Vorstandschef der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer in Moskau, erklärte, die Sanktionen würden, wenn sie noch lange andauerten, auf keinen Fall zu mehr Freiheit, Demokratie und Rechtssicherheit in Russland führen.

Demgegenüber nahm Prof. Iurii Stetsenko, Wirtschaftsattaché an der russischen Botschaft in Berlin, zu den Sanktionen nur indirekt Stellung, in dem er die florierenden wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen sowie den Schüleraustausch lobte. Wirtschaftlich sei Russland dabei, sich aus der Rezession zu verabschieden. Internationale Experten erwarteten für die nächsten Jahre ein stabiles Wirtschaftswachstum von zwei Prozent bei einer Lohnsteigerung um zehn und einer Inflationsrate von vier Prozent.

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