Neuer Verbandssprecher: Beim Export ist noch Luft nach oben - mit Video
Möbelbranche hängt am Bau

Bad Honnef (WB). 60 Prozent aller in Deutschland produzierten Möbel kommen aus Ostwestfalen-Lippe. Daher ist es für die Region wichtig, wie sich die Branche entwickelt. »Nicht überbordend, aber stabil« sagt der seit 1. Mai amtierende neue Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Jan Kurth (50), im Gespräch mit Bernhard Hertlein.

Mittwoch, 01.08.2018, 07:13 Uhr aktualisiert: 01.08.2018, 07:26 Uhr
Jan Kurth leitete von 2001 bis 2015 bereits die Abteilung »Wirtschaft und Tarifpolitik« beim Verband der Möbelindustrie. Danach war er Geschäftsführer beim Bundesverband Holzpackmittel und Paletten. Seit 1. Mai spricht er insgesamt für den VDM. Foto: Oliver Schwabe
Jan Kurth leitete von 2001 bis 2015 bereits die Abteilung »Wirtschaft und Tarifpolitik« beim Verband der Möbelindustrie. Danach war er Geschäftsführer beim Bundesverband Holzpackmittel und Paletten. Seit 1. Mai spricht er insgesamt für den VDM. Foto: Oliver Schwabe

Wie ist die Situation in der deutschen Möbelindustrie?

Jan Kurth: In der Summe stabil, nominal sogar leicht im Plus, aber nicht überbordend gut. Der Markt ist eng, die Konkurrenz auch aus dem Ausland groß. Zudem drücken höhere Transportkosten, Anstiege bei den Personalkosten und steigende Rohstoffpreise etwa für Holz, insbesondere für Eiche.

 

Das heißt: Möbel werden teurer?

Kurth: Das kann man so pauschal nicht beantworten. Auf der einen Seite steigen die Herstellkosten deutlich, auf der anderen Seite ist die Konkurrenzlage weiter heftig. Was daraus der einzelne Hersteller macht, bleibt abzuwarten.

 

Der Export und die Küchenindustrie sorgten bisher dafür, dass sich die Branche über Jahre noch positiv entwickelt hat. Sind sie auch künftig der Kessel, der die Konjunktur unter Dampf hält?

Kurth: Die Exportquote der Branche hat inzwischen 32 Prozent erreicht. Aber da ist noch Luft nach oben. Aktuell entwickeln sich vor allem einige südeuropäische Märkte sehr gut. Die Küchenindustrie ist besonders exportstark, profitiert aktuell aber auch von der verstärkten Bautätigkeit in Deutschland. Das wird wohl mindestens noch zwei, drei Jahre andauern. Jede neue Wohnung löst im Durchschnitt drei Umzüge aus. Die wenigsten nehmen ihre alte Küche mit. Im Ausland ist »the German Kitchen« ein Qualitätsbegriff.

 

Polstermöbel lassen sich dagegen in Osteuropa und in Asien billiger produzieren. Einige Hersteller gerade auch in OWL haben zumindest ihre Produktion in Deutschland weitgehend aufgegeben. Wie geht es weiter?

Kurth: Löhne machen bei Polstermöbeln bis zur Hälfte der Produktionskosten aus. Da ist es im mittleren oder unteren Segment extrem schwer, noch in Deutschland zu fertigen. Trotzdem behaupten sich beispielsweise solche Unternehmen, denen es gelungen ist, eine Marke zu etablieren und sich vom übrigen Markt abzusetzen. Eine gewisse Entlastung entsteht dadurch, dass die Löhne in Osteuropa inzwischen stärker steigen als hier, durch die höheren Transportkosten und schnellere Lieferfähigkeit. In Zeiten, in denen immer mehr online eingekauft wird, sind längere Lieferfristen für einfache Möbel von der Stange ein Problem.

 

Sie sagten es schon: Eichenholz ist teuer und knapp geworden. Wer leidet darunter?

Kurth: Vor allem die Hersteller von Massivholz. Auch Bodenbeläge und Furniere fußen zu 95 Prozent auf Eiche. Bei den Möbeln erwarte ich ein Ausweichen auf andere Hölzer, insbesondere Buche und Ahorn.

 

Schrankwände oder Einzelmöbel?

Kurth: Ganz klar Einzelmöbel. Der Kunde mixt gern selbst aus mehreren Stilen. Und für E-Books und Flachbildschirme braucht es weniger Stauraum.

 

Leichtbau oder Massivholz?

Kurth: Beide haben Zukunft.

Wie sehen Sie die besondere Situation der Möbelindustrie in OWL?

Kurth: Die Branche ist mit ihrem Schwerpunkt Küchen gut aufgestellt. 70 Prozent der in Europa verkauften Küchen kommen aus OWL. Insgesamt hat die Region einen Anteil von 60 Prozent an allen in Deutschland hergestellten Möbeln. Damit schlägt das Herz unserer Branche im Osten von Nordrhein-Westfalen.

 

Der Verband der deutschen Möbelindustrie hat knapp zwei turbulente Jahre hinter sich. Kehrt nun wieder Ruhe ein?

Kurth: Das hoffe ich stark. Wir sind dabei, die Strukturen des VDM zu überdenken. Da brauchen wir ein ruhiges Fahrwasser.

 

Was wird sich an den Strukturen ändern?

Kurth: Darüber reden wir erst öffentlich, wenn es etwas zu sagen gibt.

 

Aus Verbandssicht ist Herford ein wichtiger Standort. Bleibt es dabei?

Kurth: Davon gehe ich ganz stark aus.

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