So., 12.08.2018

Unterkünfteportal Airbnb wurde vor zehn Jahren gegründet – Kritik auch aus OWL Von der Schlafplatzbörse zum weltweiten Hotel-Rivalen

Ein Schlüssel und ein Willkommensschild mit Airbnb-Logo auf dem Tisch einer über das Portal vermittelten Unterkunft.

Ein Schlüssel und ein Willkommensschild mit Airbnb-Logo auf dem Tisch einer über das Portal vermittelten Unterkunft. Foto: dpa

San Francisco/Bielefeld (dpa). Am Anfang standen Luftmatratzen und Frühstück. Mittlerweile hat sich Airbnb vom Start-up zum milliardenschweren Tourismuskonzern und weltweit agierenden Rivalen der Hotelbranche entwickelt. Doch zum Zehnjährigen steht das US-Unternehmen auch vor Herausforderungen – und in der Kritik.

»Vergesst Hotels« verkündete Airbnb schon beim Start selbstbewusst. Dass dem etablierten Gastgewerbe ein großer Rivale entstehen würde, der die Branche kräftig umkrempelt, ahnte damals noch keiner. Doch das Unternehmen wuchs rasant – weltweit. Heute wird Airbnb von Investoren auf 27 Milliarden Euro taxiert und hätte das Zeug für einen der größten Börsengänge der Geschichte.

Luftmatratze und Frühstück

Das Ganze entstand aus einer fixen Idee der Firmengründer Brian Chesky und Joe Gebbia: Weil sie sich ihr Apartment in San Francisco nicht leisten konnten, stellten sie kurzerhand drei Luftmatratzen ins Wohnzimmer, um sie an Besucher einer Design-Konferenz zu vermieten. Im Preis inbegriffen war Frühstück. So ergab sich der Name »Air bed and breakfast« – Luftmatratze und Frühstück – mit dem es am 11. August 2008 losging. Später wurde daraus Airbnb.

Ursprünglich hätten er, Gebbia und der dritte Gründer Nathan Blecharczyk eine Plattform zur Mitbewohnersuche aufbauen wollen, sagte Chesky einst. Nach viermonatiger Arbeit sei ihnen aufgefallen, dass es diesen Service bereits gibt. So kam es zu Airbnb – oder wie der 36-jährige Multimilliardär sagte: »Der schlechtesten Idee, die jemals funktioniert hat«.

Schwergewicht der »Sharing Economy«

Heute ist das Unternehmen nach eigenen Angaben mit mehr als fünf Millionen gelisteten Unterkünften in 191 Ländern und rund 81.000 Städten präsent. Zum Vergleich: Der weltgrößte Hotelkonzern Marriott hatte mit seinen rund 30 Marken Ende 2017 etwa 1,3 Millionen Zimmer im Angebot. Airbnb ist für viele Reisende längst die erste Anlaufstelle bei der Suche nach einer Unterkunft. Mit dem Service »Trips«, der Ausflüge, Events und andere Ferienerlebnisse vermittelt, macht die Firma inzwischen auch Reiseveranstaltern Konkurrenz. Vom Luftmatratzen-Image hat sich Airbnb verabschiedet, Frühstück gibt’s auch kaum noch – mittlerweile geht es auch um Kundschaft im Luxus-Segment. Und Hotels will das Portal bald auch vermitteln.

Auch wenn Airbnb – im Gegensatz zu Uber, dem zweiten Schwergewicht der »Sharing Economy« – bislang ohne größere Skandale auskam, so gibt es doch viel Kritik und Ärger. Beschwerden über rücksichtslose Nutzer, die Lärm und Stress machen, begleiten den rasanten Aufstieg schon lange. Airbnb wird auch vorgeworfen, den Mangel an Wohnraum zu verstärken. Zudem klagten Behörden, dass häufig keine Steuern auf Airbnb-Einnahmen gezahlt würden und viele Inserate illegal seien. In Großstädten wie Berlin, Amsterdam oder Madrid wurden die Regeln für Airbnb deutlich verschärft. In der deutschen Hauptstadt war es zwischenzeitlich ganz verboten, Ferienwohnungen auf dem Portal zu inserieren. Auch in Paris und New York gibt es seit Jahren Konflikte.

Airbnb ist um Diplomatie bemüht und betont, gegen schwarze Schafe vorzugehen. Seit 2016 gibt es etwa eine Beschwerdefunktion für verärgerte Nachbarn. Derweil läuft es finanziell gut: Das Unternehmen soll 2017 drei Milliarden Euro umgesetzt und erstmals einen Jahresgewinn erzielt haben.

OWL-Gastgewerbe kritisiert »unfairen Wettbewerb«

Den gewerblichen Hotel- und Pensionsbetrieben ist Airbnb ein Dorn im Auge – auch in OWL. Insbesondere in Bielefeld sei die Situation kritisch, stellt der regionale Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fest. Die über die Internetplattform angebotenen Privatunterkünfte in der Stadt – Dehoga spricht von 250 bis 300 Einheiten mit insgesamt 1000 Betten – belasteten den angespannten Wohnungsmarkt und die gewerblichen Betriebe. Dabei gebe es keinen fairen Wettbewerb, moniert der Bielefelder Hotelier und Dehoga-Präsident Andreas Büscher. »Airbnb und seine Anbieter müssen sich nicht an die gleichen Vorgaben und Spielregeln halten.« Es sei kaum davon auszugehen, dass Privatanbieter bei Hygiene, Brand- und Arbeitsschutz, Sozialversicherung und Steuern genauso kontrolliert würden.

Ein Vorstoß des Verbands bei der Stadt Bielefeld, wie in anderen Großstädten das Airbnb-Angebot einzudämmen, sei im politischen Raum allerdings versandet. Büscher sagt: »Wir kämpfen weiter.«

 

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