Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der marokkanischen Saham-Gruppe
Bertelsmann verkauft Call-Center nicht

Gütersloh (WB). Neuanfang statt Trennung: Der Bertelsmann-Konzern wird sein unter dem Namen Arvato CRM Solutions geführtes Call-Center-Geschäft nun doch nicht abgeben. Stattdessen schließen die Gütersloher eine Partnerschaft mit der marokkanischen Saham-Gruppe. Das neue Unternehmen, an dem beide Partner jeweils 50 Prozent halten sollen, wird etwa 48.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften.

Dienstag, 18.09.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2018, 09:12 Uhr
Neues Call-Center-Unternehmen wird etwa 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Foto: dpa
Neues Call-Center-Unternehmen wird etwa 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Foto: dpa
Der Chef der neuen Unternehmung wird ab sofort Thomas Mackenbrock.

Der Chef der neuen Unternehmung wird ab sofort Thomas Mackenbrock.

Zum Vergleich: Die »alte« Arvato CRM Solutions beschäftigte 36.000 Mitarbeiter. Das war ohne die französische Tochterfirma, bei der Bertelsmann schon bisher mit Saham zusammenarbeitete und die deshalb nicht in den geplanten Verkauf einbezogen war. Nun wird sie nach Angaben von Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe Teil des neuen Joint ventures. Nicht einbezogen werden dagegen die Call-Center-Aktivitäten in China und der Türkei mit 2700 bzw. 2500 Beschäftigten sowie die britische Arvato CRM Solutions. Die Geschäfte in China und der Türkei, bei denen Bertelsmann mit anderen Partnern kooperiert, sollen verkauft werden.

Sitz der neuen Gesellschaft, für die erst noch ein Name gefunden werden muss, wird Luxemburg sein. Dort ist schon der Sitz der Bertelsmann-Tochter RTL. In Gütersloh verbleiben die Zentrale für das Deutschland-Geschäft und alle bestehenden operativen Einheiten. Damit werde sich die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich von derzeit 500 am Standort in OWL nicht spürbar reduzieren, erklärte Rabe. Insgesamt beschäftigt der Bertelsmann-Konzern in OWL mehr als 11.000 Mitarbeiter.

Der Chef der neuen Unternehmung wird ab sofort Thomas Mackenbrock. Der Manager kam 2006 von Mc Kinsey zu Bertelsmann und war seit Januar 2017 unter Rabe als »Chief Strategy Officer« für die strategische Entwicklung von Arvato verantwortlich. Der bisherige Chef von Arvato CRM, Andreas Krohn, wird seinen für Ende 2018 geplanten Rückzug aus Altersgründen um vier Monate vorziehen.

16.000 Mitarbeiter im marokkanischen Familienunternehmen

Bertelsmann wird auch die Mehrheit im Verwaltungsrat stellen. Vor dem Hintergrund wird die Unternehmung, obwohl ein Joint venture, zu 100 Prozent in der Bilanz des Medienkonzerns konsolidiert. Saham wurde 1995 von dem Marokkaner Moulay Hafid Elalamy in Casablanca gegründet. Nach dem Verkauf des Versicherungsgeschäfts engagiert sich das Familienunternehmen außer im Outsourcing-Geschäft auch bei Immobilienprojekten, im Gesundheitswesen und mit Kindergärten und Schulen im Bildungsbereich. 16.000 Mitarbeiter erwirtschafteten zuletzt in Afrika und dem Mittleren Osten einen Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar. Bertelsmann kommt auf 119.000 Beschäftigte und einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro.

Da Arvato CRM Solutions deutlich größer ist als die Call-Center-Sparte von Saham, müssen die Marokkaner den Unterschied ausgleichen. Über die Höhe des Betrags, der auf diesem Weg nach Gütersloh fließt, haben die beiden Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Rabe hat bei der Bekanntgabe der Pläne bezüglich der eigenen Call-Center Ende Januar 2018 vor allem einen Verkauf angesprochen, aber ein Joint venture nicht ausgeschlossen. Die jetzige Partnerschaft sei langfristig angelegt. Beide Unternehmen seien so profitabel, dass die notwendigen Investitionen in die Märkte sowie in neue Software und Robotertechnik aus Mitteln des Joint ventures finanziert werden könne. Dadurch behalte Bertelsmann den angestrebten Freiraum für eigene Investitionen beispielsweise in den Bildungssektor. Wie berichtet, haben die Gütersloher gerade erst das US-Unternehmen OnCourse Learning übernommen.

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