Bauernpräsident Westfalen-Lippe: Getreidelager trotz Dürre gut gefüllt
43 Prozent weniger Kartoffeln

Hövelhof (WB). Der trockenheiße Sommer hinterlässt nicht nur in der Erntebilanz der Bauern gravierende Spuren. Auch die Vieh haltenden Betriebe leiden, weil sie Futter teurer einkaufen müssen. Johannes Röring, Bauernpräsident in Westfalen-Lippe, warnt allerdings vor übertriebenen Schlussfolgerungen.

Donnerstag, 20.09.2018, 07:00 Uhr
Trotz Dürre und Ernterückgang: Johannes Röring (Zweiter von links) ist gegen flächendeckende Subventionen. Das Bild zeigt auch Hubertus Beringmeier (Zweiter von rechts), Präsident des Bauernverbandes in OWL, Ehefrau Christiane und Sohn Michael. Foto: Besim Mazhiqi
Trotz Dürre und Ernterückgang: Johannes Röring (Zweiter von links) ist gegen flächendeckende Subventionen. Das Bild zeigt auch Hubertus Beringmeier (Zweiter von rechts), Präsident des Bauernverbandes in OWL, Ehefrau Christiane und Sohn Michael. Foto: Besim Mazhiqi

Verluste bei den Erntemengen werden in Westfalen-Lippe im Vergleich zu normalen Jahren vor allem bei der Getreideart Triticale (minus 35 Prozent), bei Wintergerste (minus 12) und Sommerweizen (minus 11) gemeldet. Bei Kartoffeln führt die Dürre Röring zufolge zu einem Ernterückgang von 43 Prozent.

»Steigende Verbraucherpreise und kleinere Pommes frites« seien zu erwarten. Bei Körnermais, das vor allem an Schweine verfüttert wird, betrage der Rückgang 34 und bei Silomais (Rinderfütterung, Biogasanlagen) 29 Prozent. Bei Obst, insbesondere Äpfel, Pflaumen und Zwetschen, werde die Ernte sogar deutlich größter ausfallen als 2017.

Kein Anlass für massive Erhöhungen der Lebensmittelpreise

Schon zwischen 2010 und 2016 haben viele Bauern in OWL ihre Höfe stillgelegt. Die Zahl der Rindviehhalter verringerte sich von 3276 auf 2671, der Scheinemäster von 2774 auf 2011 und der Hühnerhöfe von 1184 auf 996. Zugleich stieg überall die Anzahl der Tiere noch in geringem Maße an. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche reduzierte sich von 322,9 auf 316,1 Hektar.

Laut Röring bestehe aber weder Anlass für massive Erhöhungen der Lebensmittelpreise noch für großflächige Subventionen.

»Ein ex­trem nasses Jahr wie 2017 und gleich danach ein extrem trockenes wie 2018 hätten noch vor zwei Jahrhunderten die Lebensmittelversorgung zusammenbrechen lassen«, sagte Röring bei der Vorstellung der regionalen Erntebilanz auf dem mehr als 550 Jahren alten Hof des OWL-Bezirksvorsitzenden Hubertus Beringmeier in Hövelhof (Kreis Paderborn). Unter den Bedingungen eines globalen Agrarmarktes sei das heute anders.

Getreidelager weltweit mit gut 100 Millionen Tonnen gefüllt

Zwar führten die schwierigen Wetterbedingungen in Teilen Mitteleuropas, in den USA, der Ukraine und Südrussland zu einem Anstieg des Getreidepreises. Dieser sei aber andererseits dringend notwendig.

Das Brot müsse schon deshalb nicht teurer werden, weil Getreide an der Ladentheke nur vier Prozent des Preises ausmache. Zudem seien die Getreidelager weltweit mit gut 100 Millionen Tonnen gefüllt – mehr als genug, um die Zeit bis zur nächsten Ernte sorglos zu überbrücken.

Anders sei die Situation bei den Schweinemästern. Gerade in OWL, wo die meisten Bauern einen Großteil des Futters auf eigenem Ackerland erwirtschafteten, führten die notwendigen Zukäufe zu höheren Kosten. Röring bezifferte diese auf 10 bis 15 Euro je Schwein. Da gleichzeitig der Schlachtpreis im Keller sei, geht das für manche Betriebe an die Substanz.

Ähnliches gilt nach Angaben von Rörings Stellvertreter Wilhelm Brüggemeier aus Enger für die Rindvieh haltenden Betriebe. Trotz des jüngsten Anstiegs sei der Milchpreis noch »fünf bis sechs Cent unter dem Niveau, von dem es für den Landwirt erst anfängt, Spaß zu machen«.

Staatliche Hilfe

Röring sieht keinen Beweis, dass die Dürre im Sommer 2018 noch nicht auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Es gebe zwar unter den Landwirten, die ausschließlich Grünland bewirtschaften oder vor allem Mais anbauten, einige, die staatliche Hilfe brauchten.

Ihre Zahl sei aber in Westfalen-Lippe nicht hoch. Deshalb sei es falsch, »Geld wie mit der Gießkanne zu verteilen«. Stattdessen forderte Röring, dass es den Bauern ermöglicht werde, Gewinne in guten Zeiten bei der Steuer mit Verlusten in schwierigen Jahren zu verrechnen. Zudem würde es schon helfen, wenn die Betriebe manche Investitionen, die durch neue Gesetze notwendig würden, zeitlich verschieben könnten.

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