Fr., 12.10.2018

WWN erhöht Netzentgelt um 20 Prozent – EEG-Umlage könnte sinken Vielen Verbrauchern in OWL drohen höhere Strompreise

Von Oliver Horst

Paderborn/Herford (WB). Weil der in weiten Teilen von OWL tätige Stromnetzbetreiber Westfalen Weser Netz (WWN) zum Jahreswechsel die Leitungsgebühren deutlich anhebt, drohen vielen Kunden spürbar höhere Strompreise. Für einen Musterhaushalt steigen die Netzentgelte um 20 Prozent oder 60 Euro. Selbst ein von Experten erwartetes Absinken der Ökostrom-Umlage wird das nicht ausgleichen.

Die im Besitz von mehr als 50 hiesigen Kommunen befindliche WWN betreibt in weiten Teilen der Kreise Paderborn, Höxter, Herford und Minden-Lübbecke sowie Lippe die örtlichen Verteilnetze. Zahlt ein Musterhaushalt mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbauch derzeit knapp 298 Euro an Netzentgelten als Teil seiner Stromrechnung, wird dieser Betrag 2019 auf 358 Euro steigen. Das ergibt sich aus der vorläufigen Kalkulation der Netzentgelte fürs kommende Jahr. Demnach steigt der Brutto-Arbeitspreis je Kilowattstunde um 29,5 Prozent von 5,16 auf 6,68 Cent. Der jährliche Grundpreis von 91,21 Euro bleibt stabil.

Besitzer von Elektroautos werden etwas entlastet

WWN begründet den Anstieg der Netzentgelte mit drei Kostenposten. So hätten nach einer Neuregelung nun Pensionsrückstellungen bei der Preissetzung berücksichtigt werden müssen, was 2018 nicht der Fall gewesen sei. Zudem seien die Kosten der für 2019 genehmigten Netzinvestitionen höher als im laufenden Jahr. Und die Kosten für den Ausgleich von Strommengenverlusten beim Transport über die Netze steigen, weil sich der Börsenstrompreis im Jahresvergleich um 25 Prozent erhöht hat. Die drei Hauptfaktoren überlagerten damit die Senkung der Gebühren im vorgelagerten Höchstspannungsnetz von Tennet um fünf Prozent deutlich.

Wer eine Wärmepumpe betreibt oder ein Elektroauto lädt, wird bei WWN indes etwas entlastet. Für diese sogenannten unterbrechbaren Verbrauchseinrichtungen sinkt der Arbeitspreis je Kilowattstunde um knapp drei Prozent von 3,70 auf 3,59 Cent.

Mehr Hoffnung auf zumindest stabile Strompreise dürfen sich Verbraucher im westlichen Teil der Kreise Gütersloh und Paderborn machen. Hier ist in vielen Kommunen die zum RWE-Konzern gehörende Westnetz zuständig. Dort zahlt der Musterhaushalt 2019 noch 295,90 Euro als Netzentgelt gegenüber 305,55 im laufenden Jahr. Eine Entlastung um 9,65 Euro oder 3,2 Prozent. Während der jährliche Grundpreis von 65,15 auf 69,50 Euro steigt, verbilligt sich der Arbeitspreis je Kilowattstunde von 6,01 auf 5,66 Cent. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Amprion als Betreiber des vorgeschalteten Höchstspannungsnetzes seine Gebühren um rund 20 Prozent senkt. Für unterbrechbare Stromabnehmer bleibt der Arbeitspreis bei Westnetz mit 1,79 Cent konstant.

Die Bielefelder Netzgesellschaft SWB Netz wird ihre Gebühren für 2019 erst am Montag veröffentlichen, auch die Daten weiterer örtlicher Netzbetreiber in OWL stehen noch aus. Bundesweit steigen die Netzentgelte im Schnitt um fünf Prozent.

Erstmals werden Kosten für Anbindung von Windparks abgerechnet

Eine ähnlich bedeutende Komponente des Strompreises ist die EEG-Umlage zur Ökostromförderung. Deren Höhe wird am Montag offiziell verkündet. Der Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE) erwartet, dass die Umlage von derzeit netto 6,79 Cent je Kilowattstunde um 4 Prozent auf 6,51 Cent sinkt. Inklusive Mehrwertsteuer beliefe sich die EEG-Umlage damit für den Musterhaushalt auf noch 260,40 Euro gegenüber bislang 271,60 Euro. Das ergibt eine Entlastung um 11,20 Euro im kommenden Jahr. Die erwartete Entwicklung ist auch auf die gestiegenen Börsenstrompreise zurückzuführen, die aber wiederum den Druck auf die Stromlieferanten erhöhen, die Endkundenpreise anzuheben.

Weitere Belastungen drohen den Kunden bei anderen Umlagen. So werden 2019 erstmals die Kosten für die Anbindung von Windparks in Nord- und Ostsee über eine Umlage abgerechnet. Bislang waren sie Teil der Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet und Amprion. Diese Änderung ist auch maßgeblich verantwortlich, dass die Höchstspannungsnetzentgelte sinken.

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