Fr., 09.11.2018

IG Metall: Gütersloher Konzern und McKinsey passen nicht zusammen »Miele riskiert Kulturbruch«

Die Produktion der Waschmaschinenen fückt bei Miele in den Fokus.

Die Produktion der Waschmaschinenen fückt bei Miele in den Fokus. Foto: Oliver Schwabe.

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Miele beauftragt die Unternehmensberater von McKinsey – die ­Industriegewerkschaft Metall wertet das als einen Bruch mit der mehr als 100 Jahre alten Unternehmenskultur, in schwierigen Zeiten stets einen Ausgleich mit der Belegschaft anzustreben .

Thomas Wamsler ist bei der IG Metall Gütersloh-Oelde für Miele zuständig: »Miele stellt mit der über Generationen hinweg gelebten Partnerschaft zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern ein besonderes Unternehmen dar. Die Methoden von McKinsey sind bekannt. Beides passt nicht zusammen.«

Die Gewerkschaft, die in den Restrukturierungsprozess des Gütersloher Waschmaschinenwerkes involviert sei, sei von der Nachricht der Beauftragung McKinseys überrascht worden. Wamsler: »Angesichts des hervorragenden Geschäftsergebnisses 2017/2018 fragen wir uns, was Miele zu solch einer Hektik veranlasst.« Da er weder den Auftrag noch die Berater kenne, die in Gütersloh eingesetzt würden, halte er sich mit Spekulationen über mögliche Auswirkungen der angestrebten 100-Millionen-Euro-Einsparung auf Mitarbeiter und Zulieferbetriebe zurück : »Es dürfte klar sein, dass die von McKinsey entwickelten Vorschläge an niemandem spurlos vorbeiziehen werden.«

Thomas Wamsler von der IG Metall sieht das Engagement von McKinsey zur Restrukturierung des Miele-Waschmaschinenwerkes kritisch. Foto: Oliver Schwabe

»Der Informationsfluss ist ungeheuer zäh geworden«

Der Kulturwandel sei darüber hinaus aus dem Verhalten der Geschäftsführung in den Restrukturierungsgesprächen erkennbar. Wamsler: »Der Informationsfluss ist ungeheuer zäh geworden. Genaue Zahlen werden uns stets nur auf wiederholte Nachfragen mitgeteilt.« Das sei in früheren Jahren kein solches Problem gewesen.

Allerdings stünden die Gespräche zur künftigen Auslastung des Gütersloher Werkes erst am Anfang. Falls das für 2025 kalkulierte Produktionsvolumen von 1,1 Millionen Stück pro Jahr nicht erreicht werden sollte, würden die Stückkosten steigen. Wamsler: »Dann müsste über die Arbeitsaufteilung zwischen dem Gütersloher und dem neuen Werk in Polen neu verhandelt werden.« Dem Gütersloher Betriebsrat schwebe vor, die auf 50:50 angesetzte Quote notfalls zu Gunsten Güterslohs anzupassen. Klaus Niebusch, Betriebsratsvorsitzender im Gütersloher Werk, bestätigt diese Absicht: »Was uns betrifft, ist über diese Quote noch nicht das letzte Wort gesprochen worden.«

Niebusch steht seit zwölf Jahren an der Betriebsratsspitze

Niebusch steht seit zwölf Jahren an der Betriebsratsspitze, zuvor hat er als Stellvertreter an verschiedenen Krisengesprächen teilgenommen. Aus dieser Erfahrung heraus beurteilt er die Sorge vor einem Kulturbruch bei Miele gelassener: »Bisher haben wir in weitaus schwierigeren Situationen noch immer intelligente, flexible Lösungen gefunden.« Was immer McKinsey auch vorschlage, umzusetzen sei es von der Konzernleitung. Außerdem gebe es ja immer noch die Konjunktur. Niebusch: »Im Sommer 2017 haben wir noch über eine Ausweitung der Produktion auf Samstage verhandelt, um die vom Markt geforderten Stückzahlen überhaupt liefern zu können.«

Kommentare

Pseudo Bestätigung unschöner Handlungen

Wenn Firmen in einer Krise, der Grund spielt oft eine Nebenrolle, getrieben durch Stakeholder Value Werte nur noch den Ausweg über Entlassungen gehen wollen, werden gerne externe Häuser teuer bezahlt um diese schon getroffene Entscheidung zu bestätigen. Dann verhärten sich die eigentlich notwendigen internen Gespräche, Geld fliesst aus dem Unternehmen ab, viele der Ergebnisse sind auch so klar und das oder die eigentlichen Probleme werden nicht abgestellt. Wenn die Empfehlungen einer Organisationsänderung mit strukturellen Anpassungen enden, sprich Abbau von Arbeitsplätzen, wird am eigentlich Problem vorbei gehandelt. Miele ist ein Produktionsbetrieb. Verfehlt ein Produkt die Markteinschätzung oder Herstellkosten plus Marge einen am Markt zu erzielenden Verkaufspreis, wird das Ergebnis dieser Fehler mit falschen Massnahmen über eine Hypothek geglättet die später wieder teuer bezahlt wird.
McKinsey wird's freuen. Sie stehen als Sünder gut bezahlt für den nächsten Kunden bereit.

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