Fr., 07.12.2018

Das Wetter, die Schweinepest und die Wolfsgefahr machen den Landwirten Sorgen Nicht noch so ein Dürrejahr

Auch wenn die Ernte wegen der langen Dürre 2018 deutlich geringer ausfiel: Herbert Quaker­nack (von links), Antonius Tillmann und Hubertus Beringmeier bleiben optimistisch.

Auch wenn die Ernte wegen der langen Dürre 2018 deutlich geringer ausfiel: Herbert Quaker­nack (von links), Antonius Tillmann und Hubertus Beringmeier bleiben optimistisch. Foto: Bernhard Hertlein

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Auch wenn in ganz OWL nur zehn Bauern wegen der Dürre staatliche Hilfe in Anspruch nehmen: Sorgen haben die Landwirte trotzdem. Stichworte sind das schwindende Ansehen wegen Ferkelkastration, die Entwicklung der Erzeugerpreise, Afrikanische Schweinepest, Wolfsgefahr und weiterhin das Wetter.

Denn auch wenn der Landwirtschaftliche Bezirksverband OWL sagt, dass außergewöhnliche Wetterlagen wie 2018 zum unternehmerischen Risiko der Bauern gehören, so würde noch so eine ex­treme Dürre im nächsten Jahr bei sehr vielen Berufskollegen an die Existenz gehen, sagte gestern der Bezirksvorsitzende Hubertus Beringmeier (Hövelhof).

Den Bauern fehle die Möglichkeit, in guten Jahren Gewinne steuerlich begünstigt zurückzustellen – ein Recht, das allen anderen in der Wirtschaft zustehe. Was die agrarische Seite betreffe, so reagierten immer mehr Landwirte auf die Klimaveränderung durch eine häufigere Fruchtfolge, erklärte Beringmeiers Stellvertreter Antonius Tillmann (Warburg). Er rechnet damit, dass zudem hitzeanfällige Feldfrüchte wie Weizen und Mais durch genügsamere wie Roggen ersetzt werden.

»Weidetierhaltung ist in Gefahr«

Eine große Gefahr sieht der Verband in dem Vordringen von Wölfen in der Region. »Unsere gesamte Weidetierhaltung ist in Gefahr«, sagte Tillmann und verwies darauf, dass etwa im Landkreis Cuxhaven sogar ausgewachsene Rinder von Wölfen gerissen worden seien. Ein Schutz sei nicht möglich – es sei denn, man errichte um die Weiden zwei Meter hohe Zäune oder beschäftige überall Aufseher. Das aber sei in Deutschland nicht finanzierbar. Betroffen sind nach Angaben des Geschäftsführers des Bezirksverbandes, Herbert Quakernack, nicht nur Schafe, sondern auch Gänse, Enten, Hühner und anderes Geflügel sowie Ziegen, selbst Rinder und Pferde.

Das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Belgien ließ 2018 die Sorgenfalten bei den Schweinehaltern größer werden. Positiv bewertet Beringmeier die Maßnahmen der staatlichen Ämter. Zudem zeige der Fall Tschechien, dass ein Land, in dem schon ASP aufgetreten sei, auch wieder für ASP-frei erklärt werden könne.

Kartoffelanbau hat besonders gelitten

Außer Mais, Getreide und Raps hat in diesem Jahr der Kartoffelanbau besonders unter der Dürre gelitten. Ihr Ertrag ging um 20 bis 50 Prozent zurück. Bei den Zuckerrüben fiel die Ernte leicht unterdurchschnittlich aus. Vertrocknete Wiesen reduzierten auch die Heuernte. Im Gegensatz zum Vorjahr seien die Wintervorräte so knapp, dass später Engpässe nicht auszuschließen seien.

Für 2019 planen die Landwirte in OWL ein besonderes Naturschutzprojekt. Auf 270 Hektar Land sollen Wildblumen erblühen. »Die Feldrandstreifen werden zu Insektenparadiesen«, hofft Beringmeier. Das Saatgut für das »bunte Band« wird den Landwirten von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft zur Verfügung gestellt und ab April ausgebracht.

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