Di., 15.01.2019

Wilfried Finke ist tot: Er entwickelte sein Einrichtungshaus und den SC Paderborn zu einer Marke Ein Forderer und Förderer

Der Paderborner Möbelunternehmer und Fußballfunktionär Wilfried Finke ist gestern Morgen im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Der Paderborner Möbelunternehmer und Fußballfunktionär Wilfried Finke ist gestern Morgen im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Er war ein Visionär, ein Macher, ein Forderer und Förderer. Er einte vieles auf sich, was einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht. Wenn Wilfried Finke von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt war, setzte er alle Hebel in Bewegung, um das Vorhaben durchzusetzen.

»Ich war eben nie einer für das diplomatische Korps«, beschrieb sich Finke einmal selbst. So entwickelte er das Einrichtungshaus Finke zu einer Marke. Nicht anders verwandelte der oft kompromisslose und in der Sache hart verhandelnde Ostwestfale den heimatlosen Fusionsklub TuS Paderborn-Neuhaus, der finanziell am Abgrund stand und nur über eine überschaubare Anhängerschaft verfügte, in einen etablierten Profiklub.

Das von seinem Vater Franz 1959 gegründete Unternehmen baute Finke zu einer national tätigen Gruppe mit elf Einrichtungshäusern und Möbeldiscountern sowie einem Küchenfachmarkt aus. »Ich habe die Mitarbeiternummer 3 und feiere 2019 mein 50-jähriges Betriebsjubiläum«, sagte Finke noch im August 2018 dem WESTFALEN-BLATT. Mit 1600 Festangestellten erwirtschaftete Finke bis zum Verkauf des Unternehmens an die Berliner Krieger-Gruppe zum 1. November 2018 nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro.

»Das war rückblickend mein größter Fehler«

Sehr intensiv und über einen langen Zeitraum dachte Finke über die Zukunft seiner Firma nach und sprach sehr offen auch über die ungeklärte Nachfolgeregelung. Sein Sohn Alexander habe andere Pläne, seine Neigung zu Möbeln sei nicht so stark ausgeprägt. Finke wörtlich: »Er möchte mal mehr Zeit für seine Familie haben und immer, wenn er davon erzählt, werde ich ein bisschen neidisch.« Dass Alexander eine andere Lebensplanung hatte, nahm der Vater ihm deshalb auch nicht übel: »Ich habe in jungen Unternehmerjahren so viel gearbeitet, dass ich nicht miterleben konnte, wie meine Kinder erwachsen werden. Das war rückblickend mein größter Fehler. Mein Sohn wird das mal besser machen.«

Wenn Finke auf seine direkten Angehörigen zu sprechen kam, wurde der harte Firmenchef ohnehin schnell weich. Die Geburt seiner Tochter Christina bezeichnete er mal als den »schönsten Moment meines Lebens« und begründete das so: »Sie war für meine Frau Christine und mich das erste Kind, und deshalb war dieser Augenblick ganz besonders.«

Fan, Förderer und Vorsitzender

Das Geschäft seines Vaters faszinierte Wilfried Finke bereits in jungen Jahren so sehr, dass er das Gymnasium ein Jahr vor dem Abitur verließ. Das war 1968. »Es waren 50 sehr interessante Jahre. Jeder Expansionsschritt war für mich persönlich unternehmerisch ein Sieg. Der schönste war vielleicht die erste Neueröffnung, die ich, nach dem Tod meines Vaters, allein zu verantworten hatte«, sagte Finke zu seinem 50. Geburtstag dieser Zeitung. Er meinte damit den Start des Einrichtungshauses in Erfurt 1993.

Ein Jahr später beobachtete er auf Einladung des damaligen Präsidenten Elmar Meier die Aufstiegsspiele des TuS Paderborn-Neuhaus in die 2. Liga. Der TuS verlor, gewann aber einen neuen Fan, Förderer und späteren Vorsitzenden: Wilfried Finke. Er ordnete zunächst die Finanzen, änderte der Namen in SC Paderborn 07, setzte gegen alle Widerstände den Bau der heutigen Benteler-Arena durch, führte den Verein bis in die 1. Liga und war auch maßgeblich am Bau des Nachwuchsleistungszentrums beteiligt. »Bis auf das eine Jahr in der Bundesliga hätte der Verein ohne mich in keiner einzigen Saison die Lizenz erhalten«, sagte Finke einmal und machte deutlich, wer in den entscheidenden Momenten mit Bürgschaften, Krediten oder weiteren Werbeverträgen dem SCP zur Seite stand, wenn sich andere längst abgewandt hatten.

»Aber ich glaube, hier ist etwas Schönes für Paderborn entstanden.«

Wirtschaftlich wie sportlich sorgte sein Verein immer wieder für Schlagzeilen. Der Hoyzer-Skandal 2005, der Bundesliga-Aufstieg 2014 oder die Verpflichtung von Stefan Effenberg als Trainer 2015 machten Stadt und Verein bundesweit bekannt. Trainer-Talenten wie Jos Luhukay, Roger Schmidt, Andre Schubert, André Breitenreiter oder aktuell Steffen Baumgart gab er die Chance, die Bundesliga-Bühne zu betreten.

Nach zuvor zwei vergeblichen Anläufen schloss Finke das Kapitel SC Paderborn mit dem Zweitliga-Aufstieg 2018 endgültig. Die Ausgliederung der Profiabteilung un­terstützte er noch vorbehaltlos und trieb sie noch selbst voran. Besonders wichtig war ihm aber diese Personalie: »Der Verein ist bei Manager Markus Krösche auch in der Zukunft sehr gut aufgehoben.« Rückblickend war für ihn der Zweitligaabstieg 2015 sportlich die größte Enttäuschung. »Hier habe aber auch ich handwerkliche Fehler gemacht«, gestand er später ein. Am Ende fühlte er sich aber bestätigt und konnte von seinem »dritten Kind« loslassen. Sein Pulsschlag sei bei Spielen seines SCP nicht mehr so hoch. Emotional habe er sich ein Stück vom Verein entfernt: »Aber ich glaube, hier ist etwas Schönes für Paderborn entstanden.«

Rückzug vom SC Paderborn

Rückzug vom Amt des Präsidenten , Verkauf der eigenen Unternehmensgruppe – im Sommer 2018 stellte Finke die wichtigsten Weichen anders und zog sich zurück. Der bereits seit Jahren erkrankte Möbel-Multi und Vereinsboss hat das in weiser Voraussicht getan, auch wenn er vielen Gerüchten um seine Person – die zu einem großen Teil an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten waren – wiederholt entschieden entgegentrat. »Ich kenne das Gequatsche«, sagte er im letzten ausführlichen Interview mit dem WESTFALEN-BLATT und fügte auf die für ihn typische Art hinzu: »Jeder, der mich rauchen sieht, kommt auf die bösesten Gedanken. Das Gerede von Lungenkrebs habe ich auch gehört, das ist aber alles Käse. Auch wenn das bei manchen Wunschdenken ist – es ist eine verschleppte Lungenentzündung.«

Er werde in Zukunft seinen Lebensmittelpunkt noch mehr auf Mallorca verlegen und habe viele Pläne. Die würden aber mehr in Richtung Immobilien gehen. So endete das Gespräch am 18. August 2018. Viel Zeit blieb Finke nicht mehr. Eine der schillerndsten Figuren und größten Unternehmenspersönlichkeiten der Region starb gestern im Alter von 67 Jahren .

Kommentare

Gelungener Nachruf auf jemanden, der seinen Verein und seine Stadt iebt.
Möge er in Frieden ruhen.

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