Mi., 16.01.2019

Einigung auf Lohneinbußen und Stellenabbau – Belegschaft muss zustimmen Einsparungen bei Gerry Weber

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle: Nach fast 17-stündigen Verhandlungen gelang eine Einigung.

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle: Nach fast 17-stündigen Verhandlungen gelang eine Einigung. Foto: Stefan Küppers

Von Oliver Horst

Halle (WB). Ein Verhandlungsmarathon hat beim ums Überleben kämpfenden Haller Modekonzern Gerry Weber eine Einigung auf Eckpunkte für millionenschwere Lohneinbußen und Regelungen zum Stellenabbau gebracht. Der Beitrag der Belegschaft gilt als ein Bestandteil des Rettungsplans des hoch verschuldeten Unternehmens.

In fast 17-stündigen Verhandlungen verständigten sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter gegen 2.30 Uhr in der Nacht zu Dienstag auf einen Sanierungstarifvertrag sowie einen Sozialplan und Interessenausgleich. Es war der vierte Gesprächstermin seit Mitte Dezember. Die bislang getrennt voneinander verhandelten Themen wurden am Ende mitein­ander verknüpft. »Sie sind in einem Gesamtpaket verbunden«, sagt Manfred Menningen, Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG Metall. Er betont, dass die Einigung noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung verschiedener Gremien steht – darunter auch von Teilen der Belegschaft ebenso wie vom Betriebsrat.

Lohneinbußen von 15 Millionen Euro

Beim Sanierungstarifvertrag sehen die Eckpunkte nach WESTFALEN-BLATT-

Der Umbau beim Haller Modekonzern Gerry Weber kommt voran: Vorstand und Arbeitnehmervertreter einigten sich auf Eckpunkte für Lohneinschnitte und Regelungen zum Jobabbau. Foto: dpa

Informationen Lohneinbußen für die 1100 Beschäftigten der Zentrale und des Logistikzentrums in Halle für die Dauer von drei Jahren vor. Die Größenordnung soll sich auf 15 Millionen Euro belaufen. Dem Vernehmen nach hat sich der Vorstand weitgehend mit seiner Forderung nach einem Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeldzahlungen in dieser Zeit durchgesetzt. Einbußen gibt es auch für außertariflich Beschäftigte und leitende Angestellte. Ob dies auch für den Vorstand gilt, wollte Menningen nicht kommentieren. Der Konzern bestätigte nur die Einigung, wollte sich zu Inhalten nicht äußern.

Auf der Gegenseite soll die IG Metall als Erfolg verbuchen können, dass die Tariferhöhungen in den Jahren 2019 bis 2021 nicht, wie ebenfalls gefordert, ausgesetzt werden. Zudem soll das vom Konzern widerrechtlich einbehaltene Weihnachtsgeld 2018 an die rund 1200 Tarifbeschäftigten der 6500 Konzernmitarbeiter noch ausgezahlt werden. Das war in den vergangenen Wochen ein großer Streitpunkt.

Abbau von 900 Stellen

»Es waren sehr zähe Gespräche, die auf der Kippe standen. Letzte Details müssen noch geklärt werden. Am Ende steht ein Kompromiss, der keine Seite in Jubel ausbrechen lässt«, sagt Menningen.

Dem Ergebnis müssen nach der Tarifkommission auch die Mitglieder der IG Metall unter den Mitarbeitern des Konzerns zustimmen. Deren Versammlung ist für Samstag geplant. Abschließend wird das Ergebnis dem Vorstand der Gewerkschaft vorgelegt.

Zudem einigte sich der Konzern mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan und Interessenausgleich. Er regelt die Bedingungen für den geplanten Abbau von bis zu 900 der konzernweit 6500 Stellen. Ein Großteil davon – bis zu 600 Jobs – sollen durch die Schließung von bis zu 230 Filialen wegfallen. In jedem Einzelfall will der Konzern prüfen, ob eine Schließung notwendig ist. Womöglich könnten Mietreduzierungen mehrere Standorte retten, heißt es. In Halle stehen bis zu 300 Stellen zur Disposition. Der Betriebsrat des Konzerns muss dem Vorschlag noch zustimmen, erklärte deren Vorsitzender Lutz Bormann. Das Gremium tagt schon heute in Halle.

Stadionbetreiber auf Sponsorensuche

Etwa 100 Mitarbeiter sollen in den vergangenen Wochen von sich aus den Konzern verlassen haben, was die Zahl der Kündigungen weiter senkt. Für die betroffenen Mitarbeiter soll es eine Transfergesellschaft geben. Die Abfindungsregelungen fallen dem Vernehmen nach schlechter aus als bei früheren Sparrunden.

Im zweiten Schritt will der auch mit Umsatzrückgängen und Millionenverlusten kämpfende Konzern in den kommenden Tagen ein langfristiges Finanzierungskonzept mit den Kreditgebern vereinbaren. Wie berichtet, werden bis Ende Januar gestundete Schuldscheindarlehen über 31 Millionen Euro fällig. Bis 2025 müssen weitere 164 Millionen Euro zurückgezahlt oder umgeschuldet werden.

Bei den Verhandlungen sei auch über den millionenschweren Sponsoringvertrag für das Tennisturnier Gerry Weber Open gestritten worden, sagt Menningen. Der vom Ex-Konzernchef und jetzigen Aufsichtsrat Ralf Weber geführte Stadionbetreiber ist, wie berichtet, für alle Fälle auf der Suche nach einem anderen Sponsor.

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