Fr., 15.02.2019

Auch drei Monate nach dem geplanten Start gibt es noch keine zertifizierten Portale Girokonten-Vergleich verzögert sich

Bei Girokonten gibt es unzählige Gebührenmodelle. Für einen Überblick sollen künftig gesetzlich vorgesehene Vergleichsplattformen sorgen, die aber auf sich warten lassen.

Bei Girokonten gibt es unzählige Gebührenmodelle. Für einen Überblick sollen künftig gesetzlich vorgesehene Vergleichsplattformen sorgen, die aber auf sich warten lassen. Foto: imago

Frankfurt/Berlin (dpa/WB/OH). Wegen sinkender Erträge infolge der Niedrigzinsphase haben viele Banken an der Gebührenschraube gedreht. Vor diesem Hintergrund sollen sich Kunden besser über die Entgelte informieren können. Dafür ist ein bundesweites Vergleichsportal vorgesehen. Doch das Projekt stockt.

Beim Aufbau der dafür geplanten kostenlosen und objektiven Internetportale, auf denen Verbraucher vor Eröffnung eines Girokontos oder einem Wechsel die Kosten verschiedener Modelle vergleichen können sollen, hapert es mehr als drei Monate nach Inkrafttreten der Vorschriften noch. »Letztlich handelt es sich um einen Verstoß gegen gesetzliche Anforderungen. Die Bundesregierung erfüllt ihren Auftrag nicht«, kritisiert die Leiterin des Finanzmarktteams des Verbraucherzen­trale Bundesverbandes (vzbv), Dorothea Mohn.

Das Problem: Bislang gibt es keine Stelle, die die Anbieter – Vergleichsportale wie Verivox und Check24 sollen schon in den Startlöchern stehen – prüft und zertifiziert. So aber soll die Objektivität und Transparenz der Gebührenvergleiche nach dem Zahlungskontengesetz und der Vergleichswebsitesverordnung sichergestellt werden. Diese Rahmenbedingungen seien rechtzeitig erlassen worden, betont das Bundesfinanzministerium. Nach Angaben des Ministeriums durchläuft aktuell eine Prüforganisation das dazu notwendige Verfahren bei der Deutschen Akkreditierungsstelle. Dem Vernehmen nach handelt es sich um den Tüv Saarland.

Zum Stand des Verfahrens beziehungsweise wann es abgeschlossen sein werde, verweist das Ministerium an die Akkreditierungsstelle. Deren Pressesprecher Oliver Dieser erklärt, dass das komplexe Verfahren noch laufe. Die Dauer hänge immer auch vom Verlauf des Prozesses ab und davon, wie zeitnah die zu akkreditierende Stelle notwendige Unterlagen vorlegt oder Angaben macht.

Mohn fordert derweil die Bundesregierung auf, »sich zu erklären, wann nun die kostenlosen und objektiven Portale kommen. Es ist nicht akzeptabel, dass noch viele Monate ins Land ziehen.«

Die entsprechenden Vorschriften zur Umsetzung der Zahlungskontenrichtlinie waren am 31. Oktober 2018 in Kraft getreten. »Die Richtlinie hätte auch eine öffentlich-rechtliche Vergleichsseite zugelassen. Der Bundestag favorisierte jedoch eine private Variante«, erklärt Mohn. »Sollte es mit den privaten Portalen aber nicht klappen, muss doch noch eine öffentlich-rechtliche Lösung gefunden werden. Wir sehen den Staat in der Verantwortung, dieses Angebot zeitnah sicherzustellen.«

Kreditinstitute müssen Kunden zudem seit Ende Oktober 2018 einmal im Jahr über die Gesamtkosten ihres Girokontos informieren. Dazu zählen beispielsweise auch die Zinsen für den Dispositionskredit oder mögliche Entgelte für Überweisungen in Papierform. Bislang mussten sich Verbraucher die Informationen meist mühsam auf dem Kontoauszug oder im Preisverzeichnis zusammensuchen. Aus Sicht von Verbraucherschützern ist die jährliche Information eine wichtige Verbesserung, um den Überblick über die Kosten zu behalten und bei Bedarf das Konto zu wechseln.

Denn viele Banken erhöhen wegen der Niedrigzinsen die Gebühren. Lange verdienten die Finanzhäuser gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft in Zeiten der Niedrigzinsen. Hatten Banken und einige Sparkassen früher Gratiskonten gezielt zur Kundenwerbung eingesetzt, zwingen auch höhere Kosten und teure Filialen die Geldhäuser zum Umdenken. Inzwischen bieten fast nur noch einige Direktbanken kostenlose Girokonten für Erwachsene an.

Wegen Gebührenerhöhungen gab es 2018 auch wieder zahlreiche Beschwerden bei den Ombudsleuten der privaten Banken mit 35 Millionen Kunden. Knapp 4000 Mal wandten sich Kunden an die Schlichter. 1600 Mal ging es um Ärger im Zahlungsverkehr, besonders oft wegen der Gebühren, wie der Bankenverband mitteilte. Knapp jeder zweite Kunde mit einer Beschwerde erreichte bei den Ombudsleuten sein Ziel. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken verfügen über eigene Schlichtungsstellen.

Gebührenerhöhungen in OWL

Auch in OWL hat es in den vergangenen Jahren bei vielen Instituten Gebührenerhöhungen gegeben. Zuletzt war dies zum Jahreswechsel wieder der Fall: Die Sparda-Bank Hannover mit Filialen in Bielefeld, Gütersloh, Detmold, Herford und Minden hat Gebühren für das bis dato kostenlose Girokonto eingeführt.

Die Sparkasse Paderborn-Detmold erhöhte Mitte 2018 bei einigen Girokonten die Grundgebühr oder auch für einzelne Buchungsposten. Zudem wurden Anfang 2019 erstmals seit sieben Jahren die Preise fürs Wertpapiergeschäft angepasst. Das Geldinstitut selbst spricht von einer »geringfügigen Erhöhung«. Viele der früher berechneten Einzelposten wie eigene Spesen, Limit-Änderung und -Verlängerung oder erfolglose Zeichnung von Neuemissionen seien nun kostenfrei. Im Gegenzug werden aber Entgelte für den Kauf von ETF- und Zertifikate-Sparplänen fällig sowie für Depots mit bis zu 250.000 Euro Wert etwas höhere Jahresgebühren.

Die Sparkasse Minden-Lübbecke hatte zum 1. August 2018 Gebühren erhöht. Anpassungen gab es zum Jahreswechsel nun zudem bei den Preisen für Schließfachmiete sowie Wertpapierdepots. Dies betreffe aber nur bestimmte Depots in unterschiedlicher Höhe, heißt es.

Die Sparkasse Bad Oeynhausen/Porta Westfalica nahm im Zuge der Fusion im vergangenen Jahr Preis- und Gebührenänderungen vor, um Konditionen »anzugleichen«.

 

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