Mi., 10.04.2019

Koalitionspolitiker drängen auf Gesetzesreform – Handwerkskammer ehrt Existenzgründer Mit mehr Meisterbriefen in die Zukunft

Den Preis für die Gründung einer Meisterin erhielt die Bielefelder Augenoptikerin Lara Tilleke (im Hintergrund Handwerkspräsidentin Lena Strothmann). Ihr Geschäft »Brillenliebe« nutzt High-Tech-Geräte und schafft zugleich mit Sofaecken Wohnzimmeratmosphäre.

Den Preis für die Gründung einer Meisterin erhielt die Bielefelder Augenoptikerin Lara Tilleke (im Hintergrund Handwerkspräsidentin Lena Strothmann). Ihr Geschäft »Brillenliebe« nutzt High-Tech-Geräte und schafft zugleich mit Sofaecken Wohnzimmeratmosphäre. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Berlin/Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld (WB). Die Koalitionsfraktionen haben sich in Berlin auf Eckpunkte für ein Gesetz zur Stärkung des Meisterbriefs geeinigt. Derweil hat die OWL-Handwerkskammer am Dienstag in Gütersloh vier junge Meister mit dem Zukunftspreis 2019 ausgezeichnet.

Verfasser des Eckpunktepa­piers, das dem WESTFALEN-BLATT vorliegt, sind neun Abgeordnete der Koalition, darunter die stellvertretenden Faktionschefs Carsten Linnemann (CDU) und Sören Bartol (SPD). Sie fordern das zuständige Bundeswirtschaftsministerium auf, »umgehend ein Konsultationsverfahren aufzusetzen, um auszuloten, welche Gewerke rechtssicher wieder in die Meisterpflicht überführt werden können«. Dass dies möglich sei, belegten Gutachten.

Karl-Heinz Holste übernahm 2013 die Möbeltischlerei Vogt in Rheda-Wiedenbrück als Externer. Er modernisierte den Maschinenpark und bezog eine neue Betriebsstätte. Mit Erfolg: Heute hat das Traditionsunternehmen die Belegschaft vervierfacht. Das Bild zeigt Karl-Heinz Holste (links) mit dem Mitarbeiter Bernhard Nowotny. Foto: Waltraud Leskovsek

Anfang 2004 wurde die Meisterpflicht für 53 Berufe gestrichen, darunter Fliesen- und Parkettleger, Rollladenbauer, Raumausstatter, Gold- und Silberschmiede. In dem Eckpunktepapier wird unter anderem der Verbraucherschutz als Argument für die Wiedereinführung angeführt. Der Meisterbrief sei die »beste Garantie für Qualitätsarbeit, Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und hochwertige Aus- und Weiterbildung«.

Anderes Weiterbildungs- und Qualifikationsniveau erforderlich

Ein zusätzliches wichtiges Kriterium sei das Gefahrenpotenzial, das bei unsachgemäßer Arbeit entstehe. Ausdrücklich fordern die Politiker Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf, neben den Berufsgenossenschaften die Betroffenen selbst zu befragen, da sie am besten informiert seien. Veränderungen im Berufsalltag machten in vielen Gewerken ein anderes Weiterbildungs- und Qualifikationsniveau erforderlich, heißt es im Eckpunktepapier.

Als besten Handwerker-Gründer ehrte die Jury gestern den Bielefelder Zimmerermeister Eugen Penner. Sein Betrieb ZEP, 2013 gegründet, beschäftigt heute elf Mitarbeiter. Zur Ausstattung gehört eine Drohne, die Penner für Dachin­spektionen einsetzt.

Die Mittelstandspolitiker in den Koalitionsparteien machen Druck. Die Konsultationen müssten so zeitnah stattfinden, dass der Bundestag schon im Herbst den Gesetzentwurf beraten könne. »Wir möchten, dass das Gesetz zum 1. Januar 2020 in Kraft treten kann«, heißt es in dem Papier. »Die Stärkung des Meisterbriefs ist im Koalitionsvertrag vereinbart«, ergänzte am Dienstag der Paderborner CDU-Abgeordnete und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Linnemann. »Jetzt gegen wir eben den nächsten Schritt.« Für diejenigen, die heute ohne Meisterbrief einen Betrieb führen, soll Bestandsschutz gelten.

Meisterbrief ist beste Voraussetzung für Unternehmer

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), begrüßte die Initiative der Politiker. Er habe nie verstanden, wie man Jugendliche zu einer guten Ausbildung ermuntern wolle, indem man die Vorteile, die mit dem Meister verbunden seien, in vielen Berufen abschaffte. Der Meisterbrief sei die beste Ausbildung für einen, der Unternehmer werden wolle. Und von diesen gebe es zu wenig. »Auch ein neuer Handwerksbetrieb ist ein Start-up und verdient mehr Wertschätzung«, forderte Schwannecke am Rande der Verleihung der OWL-Zukunftspreise in Gütersloh.

Ähnlich äußerte sich der amtierende stellvertretende OWL-Handwerksvizepräsident Peter Eul. Er bezeichnete die Preisträger, die in vier Kategorien ausgezeichnet wurden, als »Leuchttürme, die anderen Mut zur Selbstständigkeit machen«. Nicht zuletzt zeigten sie, dass das Handwerk mittendrin sei, die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Wirtschaft für sich nutzen.

Lars Jauers Vater, der frühere Bielefelder Steinmetz-Obermeister Uwe Jauer, bereitete den Generationswechsel lange vor. Der Sohn baute einen Showroom und startete eine Datenbank mit Materialien aus aller Welt. Den Preis erhielt er für den gelungenen Betriebsübergang. Foto: Markus Poch

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