Mi., 24.04.2019

Investoren geben erste Gebote für Haller Modeunternehmen ab – Gründerfamilie will mitmischen Mehrere Bieter für Gerry Weber

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle. Rund zehn Interessenten haben erste unverbindliche Gebote für einen Einstieg beim angeschlagenen Unternehmen abgegeben. Auch die Gründerfamilie Weber hat ihr Interesse signalisiert.

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle. Rund zehn Interessenten haben erste unverbindliche Gebote für einen Einstieg beim angeschlagenen Unternehmen abgegeben. Auch die Gründerfamilie Weber hat ihr Interesse signalisiert. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Halle (WB). Das Bieterrennen um den Modekonzern Gerry Weber AG ist eröffnet: Mehrere Investoren haben bis Ostern ihr Interesse an einem Einstieg beim insolventen Haller Unternehmen angemeldet. Auch die Gründerfamilie Weber will offenbar mitmischen. Im Juni soll Klarheit über den Zukunftsplan herrschen.

»Gerry Weber liegen mittlerweile mehrere erste unverbindliche Angebote von potentiellen Investoren vor. Diese werden nun sorgfältig geprüft, um dann zusammen mit den Gläubigern zu entscheiden, mit welchen Interessenten der Investorenprozess fortgesetzt wird«, teilte der Konzern gestern auf Anfrage mit.

Ernsthafte Interessenten sollen nach Informationen dieser Zeitung in Kürze in einem geschützten Datenraum Zugriff auf Geschäftszahlen des Konzerns erhalten. Mit diesen Kandidaten soll es dann intensive Gespräche geben.

Zehn Gebote eingegangen

Die Investmentbank Macquarie hatte weltweit nach Käufern gesucht. Nach Informationen dieser Zeitung sind etwa zehn Gebote eingegangen. Überwiegend haben Finanzinvestoren Interesse an einem Einstieg beim hochverschuldeten Modekonzern bekundet, der im Januar Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hatte. Sie kaufen in der Regel Firmen mit dem Ziel, sie nach wenigen Jahren mit Gewinn wieder abzustoßen.

Es gibt aber auch strategische und langfristig orientierte Interessenten – also Vertreter aus der Modebranche. Dazu könnte die Familie des Firmengründers Gerhard Weber (77) und seines Sohnes Ralf Weber (55) zählen, der den Konzern von Februar 2015 bis Ende Oktober 2018 als Vorstandschef geführt hatte.

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Natürlich liegt uns die Firma am Herzen.

Ralf Weber

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»Natürlich liegt uns die Firma am Herzen«, erklärte Ralf Weber auf Anfrage. Zum Investorenprozess und einer möglichen Beteiligung der Familie wollte er keinen Kommentar abgeben. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die Webers trotz jüngster Verkäufe von Immobilien und Aktien einen Einstieg nicht alleine stemmen können, sondern auf Partner angewiesen sind. Gerhard Weber hält fast 30 Prozent der Aktien am Konzern.

Das Paket war in der Spitze vor fünf Jahren mehr als 500 Millionen Euro wert, gestern gerade mal noch knapp sechs Millionen. Daher ist es für die Familie von größtem Interesse, das Unternehmen als börsennotierte Aktiengesellschaft (AG) zu erhalten und von einem Kursaufschwung im Falle einer erfolgreichen Sanierung zu profitieren. Die Mitgründerfamilie Hardieck hält noch fast 17 Prozent am Konzern.

Die Übernahme durch einen Investor könnte alternativ auch als so genannte übertragende Sanierung erfolgen. Das operative Geschäft würde in diesem Fall in eine neue Gesellschaft überführt, die AG bliebe nur als leere Hülle bestehen. Den Aktionären droht in diesem Fall der Totalverlust.

Ziel unverändert

Parallel zum Investorenprozess wird weiter an einem Insolvenzplan mit Schuldenerlass gearbeitet, um dem Unternehmen eine Zukunft zu ermöglichen. Der Generalbevollmächtigte von Gerry Weber, Sanierungsexperte Dr. Christian Gerloff, spricht von einem »Wettbewerb der Konzepte«. Denkbar ist dem Vernehmen nach auch eine Kombination von Investoreneinstieg und Insolvenzplan.

»Unser Ziel ist unverändert, im Juni entscheiden zu können, welcher Weg zur Sanierung von Gerry Weber eingeschlagen wird«, erklärte der Konzern. Das letzte Wort hat die Gläubigerversammlung. Im Idealfall findet sich eine Lösung, die eine bestmögliche Befriedigung der Gläubiger ermöglicht und dem Unternehmen eine Zukunftschance gibt. Die Umsetzung soll dann bis Jahresende erfolgen.

Hallhuber-Verkauf im Mai erwartet – Jobabbau läuft

Die erst 2015 erworbene Münchner Tochter Hallhuber spielt im laufenden Investorenprozess nach WESTFALEN-BLATT-Informationen keine große Rolle. Es wird erwartet, dass die Investmentgesellschaft Robus von ihrer Kaufoption für bis zu 88 Prozent der Anteile im Mai Gebrauch macht. Der Investor hatte diese im Februar im Gegenzug für eine Finanzspritze von zehn Millionen Euro erhalten. Gerry Weber bliebe dann Minderheitseigner.

Derweil ist beim Modekonzern der angekündigte Abbau von 454 Vollzeitstellen in Deutschland angelaufen. Wegen einer hohen Zahl an Teilzeitkräften in den 120 vor der Schließung stehenden 450 Filialen hierzulande sind etwa 750 Mitarbeiter betroffen. Europaweit sollen zudem 60 von etwa 300 weiteren Läden aufgegeben werden und nochmals Stellen wegfallen. Damit sollen die Personalkosten um jährlich rund zehn Millionen Euro gesenkt werden.

 

 

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