Do., 09.05.2019

528 Bertelsmann-Führungskräfte beraten zwei Tage lang in Gütersloh Bertelsmann gibt sich neue Leitlinien

Stellen die neuen Leitlienien vor (von links): Christoph Mohn, Thomas Rabe, Liz Mohn und Immanuel Hermreck.

Stellen die neuen Leitlienien vor (von links): Christoph Mohn, Thomas Rabe, Liz Mohn und Immanuel Hermreck. Foto: Bertelsmann, Fotograf: Jan Voth

Von Bernhard Hertlein

Gütersloh (WB). Bertelsmann wendet aktuell jährlich sechs Milliarden Euro für sein Angebot an kreativen Inhalten wie Literatur, Journalismus, Film und Musik auf. Das ist gut ein Drittel des Gesamtumsatzes. Zugleich mit dem Ausbau dieses Geschäfts sollen die technologischen Kompetenzen in den Bereichen Cloud, Data und Künstliche Intelligenz verstärkt werden, kündigte Vorstandschef Thomas Rabe vor 528 Managern des Unternehmens im Gütersloher Theater an.

Die Top-Führungskräfte des Konzerns trafen sich zum dritten Mal nach 2012 und 2016 am Sitz des Unternehmens . Dabei ging es abseits des aktuellen Tagesgeschäfts auch um die Neufassung der Bertelsmann-Leitlinien (»Essentials«). Treibende Kraft sind Rabe zufolge »Kreativität und Unternehmertum«. Dazu gehöre, dass den Beschäftigten ein hohes Maß an unternehmerischer Freiheit geboten werde. Dies sei die Grundlage für Kreativität und letztlich auch für den Erfolg eines Medien- und Dienstleistungsunternehmens.

Mehr Frauen

Darüber hinaus spiegeln die neuen Leitlinien nach Aussage von Personalvorstand Immanuel Hermreck die Veränderungen der vergangenen Jahre in der Gesellschaft und bei Bertelsmann. Unter dem Stichwort »Diversity« achte der Konzern bei der Heranbildung von Nachwuchs sehr darauf, dass sich die gesellschaftliche Vielfalt hinsichtlich Geschlecht, Alter und Herkunft auch bei der Belegschaft und vor allem in den Führungsgremien widerspiegele. Aktuell stellten Frauen ein Drittel der Teilnehmer am Kongress in Gütersloh.

Mehr Allianzen

Um sowohl die kreativen Inhalte als auch den technologischen Fortschritt voranzubringen, wird der Konzern Rabe zufolge verstärkt Kooperationen eingehen. Dazu gehöre die von Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel entwickelte und in Gütersloh vorgestellte neue Inhalte-Allianz (Content Alliance). Die Kooperation von RTL TV und Radio, der Ufa-Filmproduktion, der Buchverlagsgruppe Random House, dem Musikunternehmen BMG sowie Gruner + Jahr verfolgt das Ziel, bereichsübergreifend gemeinsame Formate zu entwickeln und zu vermarkten. Schon etwas früher, 2017, startete die Ad Alliance (Ad steht für Advertisement, also Werbung), die die Angebote für Werbekunden von IP Deutschland, G+J eMS und anderen bündelt. Kooperationen strebt Europas größter Medienkonzern, wie Rabe nach Angabe von Teilnehmern erklärte, auch mit Partnern außerhalb von Bertelsmann an – wie jüngst bei dem Zusammenschluss von Arvato CRM Solutions mit der marokkanischen Saham-Gruppe zu Majorel.

Parallel hat der Konzern ein Weiterbildungsprogramm gestartet, um die Mitarbeiter fit zu machen für die neuen digitalen Technologien. Unter anderem vergibt Bertelsmann 50.000 Stipendien für Kurse der Online-Bildungsplattform Udacity.

Gütersloh und die Welt

Riesenapplaus gab es schon zu Beginn des zweitägigen Meetings bei der Begrüßung von Liz Mohn. Das Gütersloher Theater ist kaum 200 Meter von dem Ort entfernt, in dem der Bertelsmann-Verlag vor 184 Jahren gegründet worden ist. Sonderapplaus erhielt im Übrigen auch Gabriela Vitus, die in Ungarn mit RTL den letzten unabhängigen Fernsehsender leitet und starkem Druck ausgesetzt ist.

Rabe zufolge nahmen 219 der über 500 Top-Manager zum ersten Mal an dem Führungskräftekongress teil. Neben der Digitalisierung treibt der Konzernvorstand auch die Internationalisierung voran. Standen bislang außerhalb Europas und den USA vor allem Brasilien, China und Indien geografisch im Mittelpunkt, so will Rabe nun zunehmend auch andere Länder in Südamerika sowie Südostasien und Afrika in den Blick nehmen. »Dabei kommt es darauf, dass wir Vertrauen schaffen – dadurch, dass wir den Menschen vor Ort auf Augenhöhe begegnen«, erklärte Shobhna Mohn, Leiterin von Bertelsmann Investments (BI).

Mehr Gewinn

Die Investitionen sollen sich auch finanziell für den Konzern auszahlen. Aus Teilnehmerkreisen wurde berichtet, dass Bertelsmann operativ - also ohne Zukäufe - jährlich um vier bis fünf Prozent wachsen will. Der Konzerngewinn soll mindestens eine Milliarde Euro überschreiten.

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