Fr., 10.05.2019

Was Experten zu Förderung, Wohnungsgrößen und Leerständen sagen Baustelle Wohnungsmarkt

In 138 der bundesweit 401 Landkreise und kreisfreien Städte gilt der Wohnungsmarkt einer Prognos-Studie zufolge als angespannt.

In 138 der bundesweit 401 Landkreise und kreisfreien Städte gilt der Wohnungsmarkt einer Prognos-Studie zufolge als angespannt. Foto: dpa

Berlin (dpa). Weniger Quadratmeter, höhere Preise, ein knappes Angebot und fehlendes Bauland: Wohnungssuchende und potentielle Häuslebauer haben es in vielen Teilen Deutschlands immer schwerer.

Um Mietanstiege gerade in Großstädten einzudämmen, fordern Immobilien- und Mietervertreter eine Offensive beim Bau von Sozialwohnungen. »Mindestens sechs Milliarden Euro sind für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr dringend notwendig«, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bau, Robert Feiger. Laut einer Studie fehlen 80.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr – dreimal so viele wie zuletzt gebaut.

Aus der Politik kommt Zustimmung, aber auch Skepsis. Die Grünen verlangen eine Verdoppelung der Mittel. Sozialwohnungen seien kein Allheilmittel, warnt die FDP. Bauen müsse billiger werden.

Wachsende Nachfrage nach kleinen Wohnungen

Neben höheren Bau- und Kaufpreisen bestimmt der Studie zufolge auch eine wachsende Nachfrage nach kleineren Wohnungen den Markt. 2017 waren neue Wohnungen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 105 Quadratmeter groß – und damit elf weniger als 2011. Das liegt an mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalten und steigenden Mieten. Bundesweit liegt die Kaltmiete im Mittel bei 7,60 Euro je Quadratmeter.

Zu Jahresbeginn stiegen die Neuvertragsmieten zwar nicht mehr, wie gestern berichtet. Es ist aber offen, wie es weiter geht. In 138 der 401 Landkreise und kreisfreien Städte seien die Wohnungsmärkte angespannt, zeigt eine Untersuchung des privaten Forschungsinstituts Prognos.

Feiger sagt, dass wegen hoher Mieten viele Großstädter theoretisch Anspruch auf Sozialwohnungen hätten. Davon gebe es nur immer weniger, »weil sie ja nur für 20 oder 30 Jahre der Bindung unterliegen«, erklärt Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten.

Länder sind zuständig für Sozialwohnungsbau

Zuständig für den Sozialwohnungsbau sind seit 2007 die Länder. Sie erhalten Geld vom Bund, das sie aufstocken. »Mit der bisherigen Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund ist der enorme Schwund, den es bei den Sozialmietwohnungen gibt, nicht aufzuhalten«, sagt Feiger. Zudem seien mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr notwendig, um vor allem zugunsten von Durchschnittsverdienern in Metropolregionen Bauen bezahlbar zu machen. Feiger: »Hier steckt enormer sozialer Sprengstoff drin.«

Bauland hat sich laut Prognos teils drastisch verteuert. Von 2011 bis 2017 verdoppelten sich demnach die Preise in den größten deutschen Städten – auch das treibt die Mieten. Es zögen immer mehr Menschen ins Umland, erklärt Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz. Städte wie Hamburg, Berlin, Leipzig, Düsseldorf und Köln wüchsen aber weiter, auch wenn zuletzt schwächer. Zugleich schrumpfe das Umland etwa von Bremen, Düsseldorf, Köln, Dresden, Leipzig, Erfurt oder Jena. Dort könne es passieren, dass zu viel gebaut wird. Wenn Landgemeinden, die eigentlich kein Wachstum erwarten können, Neubaugebiete ausweisen, drohten dort Immobilienblasen und langfristig die Gefahr von Leerstand.

Rund zwei Millionen leerstehende Wohnungen gebe es bundesweit bereits, sagt Baustaatssekretär Marco Wanderwitz (CDU). Deshalb sei es neben dem Neubau in angespannten Märkten wichtig, »dass es uns gelingt, da wo Leerstände sind, da wo Wegzüge sind, da wo strukturschwache Regionen sind«, Arbeit zu schaffen und die Regionen besser zu verbinden.

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