Fr., 28.06.2019

Unternehmer aus Rahden steigt mit 125 Millionen Euro bei Hertha BSC ein Windhorst investiert in Fußball

Lars Windhorst in seinem Berliner Büro. Der Unternehmer steigt mit seiner Beteiligungsgesellschaft Tennor bei Hertha BSC ein.

Lars Windhorst in seinem Berliner Büro. Der Unternehmer steigt mit seiner Beteiligungsgesellschaft Tennor bei Hertha BSC ein. Foto: imago

Von Oliver Horst

Berlin/Rahden (WB). Der aus Rahden stammende Unternehmer Lars Windhorst dreht das nächste große Ding: Mit seiner Investmentgesellschaft Tennor steigt der 42-Jährige – wie berichtet – bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin ein. Für 125 Millionen Euro sichert sich Tennor 37,5 Prozent an der ausgegliederten Profiabteilung.

Windhorsts Sprecher Andreas Fritzenkötter bestätigte dem WESTFALEN-BLATT am Donnerstag den Deal. Der Verein habe Tennor zudem zugesichert, weitere 12,4 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erwerben zu können – zu einem höheren Preis. Die »Bild«-Zeitung berichtet von weiteren etwa 125 Millionen Euro. Tennor hielte dann maximal 49,9 Prozent an der Profisparte des Hauptstadtklubs.

Der Einstieg bei Hertha sei ein Investment wie andere Beteiligungen von Tennor auch – aber eines »mit sehr interessanter Perspektive«, erklärte Fritzenkötter. Windhorst sehe im Fußball-Geschäft ein »gutes, wichtiges und bislang unterbewertetes Geschäftsfeld, speziell in Berlin«.

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Die Hertha kann zu einem echten Big City Club werden.

Lars Windhorst

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»Die Hertha kann wie andere Klubs in London oder Madrid zu einem echten ›Big City Club‹ werden«, wird Windhorst von »Spiegel Online« zitiert. Er erhoffe sich von der Präsenz der Hertha in der Hauptstadt enormes Wachstum. »Wir sehen es als langfristiges und vielversprechendes Engagement. Für mich persönlich ist es außerdem eine große Freude, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Zukunft dieses großartigen Vereins in Berlin leisten zu können«, wird Windhorst in einer Mitteilung des Vereins zitiert.

Hertha BSC hatte erst vor sieben Monaten Anteile und Optionen im Umfang von insgesamt 36,3 Prozent für 71,2 Millionen Euro vom US-Finanzinvestor KKR zurückerworben. Die neue Partnerschaft mit Tennor ermögliche »unter anderem eine umfangreiche Rückführung von Verbindlichkeiten und über die kommenden Jahre Investitionen in die operativen Kernbereiche Sport, Digitalisierung und Internationalisierung«, heißt es in der Vereinsmitteilung. »Das erhöht unsere Chancen, mittelfristig in Reichweite internationaler Plätze zu kommen«, wird Geschäftsführer Michael Preetz von »Spiegel Online« zitiert.

Tennor erhält zwei Sitze im Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat und das Präsidium des Vereins sowie der Aufsichtsrat und Beirat der KGaA haben der Vereinbarung einstimmig zugestimmt, teilte der Klub mit. Tennor erhalte zwei Sitze im Aufsichtsrat, solle aber nicht ins sportliche Tagesgeschäft eingreifen. »Ich bin stolz und glücklich, dass sich unsere kontinuierliche Arbeit bei Hertha BSC bereits so zeitnah nach dem Rückkauf der KKR-Anteile bezahlt gemacht hat«, erklärte Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller.

Für Tennor sei Fußball ein weiteres Anlagefeld, sagte Fritzenkötter. Die vor der Umbenennung im Mai in Tennor als Sapinda agierende Beteiligungsgesellschaft habe 2018 einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren. Das Firmengeflecht des einst als »Wirtschaftswunderkind« gefeierten und nach zwei Pleiten und einer Verurteilung wegen Untreue umstrittenen Windhorst ist schwer durchschaubar. Mehrere Firmen wiesen in den vergangenen Jahren hohe Verluste aus.

Turbulenzen bei der Fondstochter H2O

Geschäftsbeziehungen mit Windhorst hatten in den vergangenen Tagen für Turbulenzen bei der Fondstochter H2O der französischen Sparkassen-Investmentbank Natixis gesorgt. H2O trennte sich von einem Teil illiquider Anteile an Windhorst-Firmen, nachdem Anleger deshalb massiv Kapital abgezogen hatten.

Über die Tochter Civitas hat Tennor derweil den Kauf großer Teile des sanierungsbedürftigen Immobilienkomplexes Ihme-Zentrum in Hannover abgeschlossen. Bei der angeschlagenen Dessousmarke La Perla sollen am Stammsitz im italienischen Bologna 100 von 400 Mitarbeitern in der Produktion gehen. Die im Februar übernommene Flensburger Schiffswerft FSG machte 2018 bei 213 Millionen Umsatz 111 Millionen Verlust, ein Teil der Belegschaft ist seit April in Kurzarbeit.

Ein Kommentar von Oliver Horst

Geht nicht, gibt’s nicht – das scheint das Motto von Lars Windhorst. Der umtriebige Unternehmer mit dem kaum noch zu durchschauenden Firmengeflecht überrascht immer wieder. Mit dem Einstieg ins Fußballgeschäft ist ihm ein echter Paukenschlag gelungen.

Der Selfmade-Mann fliegt im eigenen Jet um den Globus, um neues Geld einzusammeln – in Abu Dhabi, Nordamerika, Europa. Weltweit sucht immer mehr Kapital immer neue Möglichkeiten, möglichst gewinnbringend angelegt zu werden. Windhorst investiert in immer höherer Schlagzahl in Wetten auf eine bessere Zukunft. Hauptsache, das geht gut.

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