Do., 15.08.2019

Heizen wird für Millionen Haushalte teurer – Vattenfall erhöht massiv Gaspreise steigen

Steuern und Netzentgelte machen einen Teil des Gaspreises aus. Im Schnitt kostet die Kilowattstunde in Deutschland 6,08 Cent.

Steuern und Netzentgelte machen einen Teil des Gaspreises aus. Im Schnitt kostet die Kilowattstunde in Deutschland 6,08 Cent. Foto: dpa

Von Paul Edgar Fels

Bielefeld (WB). Millionen Verbraucher, die mit Erdgas heizen, müssen in den kommenden Monaten mehr bezahlen. Im September erhöhen 15 Energieversorger die Preise um durchschnittlich neun Prozent, im Oktober weitere acht Versorger um 8,4 Prozent.

Wie das Online-Vergleichsportal Verivox am Mittwoch mitteilte, wohnen in den von Erhöhungen betroffenen Gebieten mehr als vier Millionen Haushalte. Seit August 2018 seien die Gaspreise um 9,3 Prozent gestiegen.

Der Energiekonzern Vattenfall erhöht den Gaspreis besonders deutlich. So steigt der Arbeitspreis etwa im Vertrag Easy 12 um rund 15 Prozent von 5,64 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf 6,48 Cent. Außerdem hebt Vattenfall den monatlichen Grundpreis um sechs Euro auf 19,90 Euro an – eine Verteuerung von rund 43 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt (20.000 kWh) dürfte sich der Preis für das Gesamtjahr damit um rund 200 Euro erhöhen.

Bei den Betroffenen handelt es sich um eine Kundenanzahl im niedrigen vierstelligen Bereich, wie Vattenfall am Donnerstag erläuterte. »In Deutschland gibt es mehr als 700 Verteilnetzbetreiber, bei denen sich die Netznutzungsentgelte unterschiedlich entwickeln. Daher kann die Entwicklung nicht auf Regionen eingegrenzt werden, sondern erfolgt netzgebietsscharf«, sagte eine Sprecherin.

Beschaffungskosten sind gestiegen

Als Grund für die Preiserhöhung führt Vattenfall an, dass die Beschaffungskosten für Gas in den vergangenen zwei Jahren an der Leipziger Energiebörse EEX um 55 Prozent gestiegen seien. Zudem hätten viele Netzbetreiber Anfang 2019 ihre Netznutzungsentgelte erhöht. Diese Kosten machten einen wesentlichen Bestandteil des Gaspreises aus, heißt es. Betroffene Kunden haben nun ein Sonderkündigungsrecht.

»Viele Versorger begründen die Erhöhungen mit gestiegenen Beschaffungskosten«, bestätigt auch Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer diese Tendenz. »Die Preise am Spotmarkt lagen 2018 bei durchschnittlich 23 Euro pro Megawattstunde. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 17 Euro.« Andererseits seien die Preise im Großhandel in den vergangenen Monaten wieder deutlich runtergegangen. Neubauer: »Bei den Verbrauchern kommt dieser Trend aber noch nicht an.« Im Gegenteil. »Momentan deutet alles eher auf weiter steigende Gaspreise«, sagt der Verivox-Sprecher weiter.

Die Stadtwerke Bielefeld halten ihren Gaspreis (und auch den Strompreis) derweil stabil – zumindest für das laufende Jahr, wie Sprecherin Birgit Jahnke eine entsprechende Ankündigung vom Juli bestätigte. Die letzte Erhöhung von rund sechs Prozent gab es im Februar dieses Jahres.

Ein Haushalt mit einem Durchschnittsgasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlt aktuell bei den Stadtwerken einschließlich Grundpreis rund 1.245 Euro im Jahr. Dabei zahle der Kunde 5,32 Cent je Kilowattstunde. Jahnke: »Wählt der Kunde den Tarif EnerBest Gas Eco+, zahlt er den gleichen Preis, kann aber über das Sammeln von Bonuspunkten Geld sparen – das kann sich ordentlich rechnen.«

Stadtwerke Bielefeld liegen auf Platz 2

Die Stadtwerke Bielefeld lagen mit ihrem Gaspreis (Stand Ende Juni) bundesweit unter den 50 größten Städten auf Platz 2 – unter den NRW-Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern auf Platz 13 – jeweils bezogen auf die Grundversorgungstarife. Jahnke:  »Damit befinden wir uns unter dem Bundesdurchschnitt.«

Vorerst keine Preiserhöhung plant der Energieversorger Innogy, wie deren Sprecher Mario Leikop erklärt. Innogy – früher RWE – habe auch Kunden in Ostwestfalen-Lippe. Zahlen nennt der Konzern hierzu aber nicht. Auch bei Eon sei nach dem Preisaufschlag im April aktuell keine weitere Erhöhung vorgesehen. »Grundsätzlich entwickeln sich die Preise regional unterschiedlich, da etwa die Hälfte des Erdgaspreises auf staatlich festgelegte Abgaben sowie gesetzlich regulierte Netzentgelte entfällt, die wir als Anbieter nicht beeinflussen können.« In der Region zahlen Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh etwa in Paderborn (Klassik-Erdgas) einen Arbeitspreis von 5,18 Cent pro kWh und einen Grundpreis von monatlich 12,90 Euro. In Minden liege der Arbeitspreis bei 4,70 Cent.

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