Di., 17.09.2019

IHK-Konjunkturumfrage: Handel und Dienstleistung geht es noch gut Trübe Aussichten

Im Einzel- und Großhandel laufen die Geschäfte noch gut. Sehr zufrieden sind IT-Dienstleister und die Gesundheitsbranche.

Im Einzel- und Großhandel laufen die Geschäfte noch gut. Sehr zufrieden sind IT-Dienstleister und die Gesundheitsbranche. Foto: dpa/imago

Von Paul Edgar Fels

Bielefeld (WB). Noch laufen die Geschäfte rund in Ostwestfalen. Doch der Blick nach vorne sorgt bei immer mehr Unternehmen der Branchen Handel und Dienstleistungen für Sorgenfalten. Die Aussichten trüben sich ein. Besonders betroffen: die Zeitarbeit.

Das geht aus der repräsentativen Herbstkonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) hervor. An der Umfrage beteiligten sich im Juli und August 1400 Unternehmen.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuelle und erwartete Lage abbildet, ist für die ostwestfälische Wirtschaft in den vergangenen zwölf Monaten von 132 auf 104 Punkte gefallen, erklärte Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, am Montag. Grefe: »Im Frühjahr lag der Wert noch bei 120.«

Lage erstmalig seit 2010 wieder negativ

Als besonders uneinheitlich stellt sich die Dienstleistungsbranche dar. Hier gibt es in einigen Berufsfeldern wie bei den IT-Spezialisten viel Licht, aber auch zunehmend Schatten wie etwa bei der Zeitarbeit. Hier beurteilen 26 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 31 Prozent aber als schlecht, so dass der Saldo bei minus 5 liegt. »Damit ist die gegenwärtige Lage seit Frühjahr 2010 erstmalig wieder negativ«, sagte IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Dienstleisterausschusses Holger Piening – im Hauptberuf Chef des Zeitarbeitsunternehmens Piening.

Und der Blick auf die nächsten zwölf Monate verheißt nichts Gutes. »33 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage«, erklärt Piening. Dem stünden nur noch 19 Prozent gegenüber, die von besseren Geschäften als aktuell ausgehen. Piening: »Die negative Stimmung der Industrie schlägt sich hier nieder.«

Diese Dienstleister wollen Personal einstellen

Ungewohnt ist auch der Blick auf die Beschäftigungserwartung: Während 23 Zeitarbeitsfirmen Neueinstellungen planen, wollen 25 Prozent Mitarbeiter abbauen. Der daraus resultierende negative Saldo von minus 2 wird nur noch vom Kreditgewerbe (minus 47 !) überboten. Alle anderen Dienstleister wollen trotz ihrer zurückhaltenden Erwartungen mehrheitlich Personal einstellen – dazu gehören an erster Stelle die IT-Dienstleistungen und das Gesundheitswesen, ebenso aber auch die Versicherungswirtschaft, Unternehmensberater, Werbung, Immobilienwirtschaft und Güterkraftverkehr.

Das größte Risiko bleibt der Fachkräftemangel, wenn auch gegenüber vorangegangen Umfragen leicht abgeschwächt. An zweiter Stelle folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingen wie Handelsstreit, Brexit und als besonderes Ärgernis die Bürokratie.

Piening fordert Politik auf

Piening forderte von der Bundesregierung, die Weichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung zu stellen: »Im Hinblick auf die Steuerpolitik und den Bürokratieabbau kann und muss sich die Politik bewegen.« Auch der Solidaritätszuschlag sei für viele Unternehmer, gerade in Zeiten eines wirtschaftlichen Ab-schwungs, eine deutliche Belastung. »Die finanziellen Spielräume für Investitionen werden enger«, sagte Piening.

Im Handel (Groß- und Einzelhandel, Kfz-Handel, Handelsvermittlung) verlaufe die aktuelle Geschäftslage »auf einem soliden Niveau«, sagte Rainer Schorcht, IHK-Vizepräsident und Mitglied im IHK-Handelsausschuss. 35 Prozent der Unternehmen sprächen von einer guten, lediglich zwölf Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Bei den Erwartungen hingegen rutsche der Saldo in den Negativbereich: So gingen 19 Prozent der befragten Händler von einer besseren, aber 21 Prozent von einer schlechteren Geschäftslage aus. Damit seien die Erwartungen erstmals seit neun Jahren wieder im negativen Bereich. Auch für die Einzelhändler bleibt der Fachkräftemangel mit 62 Prozent das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung,

Mit 370.000 Mitarbeitern stellen Handel und Dienstleistungen die größte Beschäftigungsgruppe in Ostwestfalen dar. Industrie und Baugewerbe kommen auf insgesamt 257.000 Beschäftigte.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6935564?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F