Staatsanwaltschaft ermittelt gegen vier Verdächtige im Raum Braunschweig
Verdacht auf Insiderhandel mit Gerry-Weber-Aktien

Halle (WB). Wegen des Verdachts des strafbaren Insiderhandels mit Aktien des Haller Modekonzerns Gerry Weber AG ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen vier Beschuldigte. Mitglieder der Gründerfamilien sind nicht darunter, betont die Behörde. Die Finanzaufsicht Bafin hatte zuvor auffällige Kursbewegungen im Vorfeld der Mitteilung über den Insolvenzantrag untersucht und schließlich Anzeige erstattet.

Mittwoch, 25.09.2019, 13:38 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 20:20 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Einen Tag vor der Nachricht über den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung am 25. Januar dieses Jahres hatte es verdächtige Aktiengeschäfte in größerem Umfang gegeben. Die Bafin hatte daraufhin die Handelsdaten analysiert und ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Erkenntnisse mündeten in der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Die Staatsanwaltschaft ließ Mitte August die Wohnräume der Beschuldigten in ihrem Zuständigkeitsgebiet durchsuchen. Dabei sei Beweismaterial sichergestellt worden, das aktuell ausgewertet wird, erklärte Erste Staatsanwältin Julia Meyer. Weitere Angaben zu den Personen und ob diese gemeinsam gehandelt haben, machte sie auch »aus Gründen des Persönlichkeitsrechts und der Unschuldsvermutung« nicht. Die Ermittlungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, erklärte die Staatsanwältin. Ob es zur Anklage komme, sei derzeit offen. Für verbotenen Insiderhandel auf Basis eines unerlaubten Informationsvorsprungs sieht das Wertpapierhandelsgesetz bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe vor.

Das Handelsgeschehen rund um die Mitteilung des Insolvenzantrags am 25. Januar wies ungewöhnliche Auffälligkeiten auf. Der Kurs der Aktie war schon 24 Stunden vor der Mitteilung des Konzerns urplötzlich bei 2,33 Euro abgesackt und büßte bis zum Abend 27 Prozent an Wert ein. Tags darauf rauschte die Aktie am Vormittag um weitere 30 Prozent in die Tiefe – ehe der Handel gegen 13 Uhr bei einem Kurs von 1,33 Euro ausgesetzt wurde. Um 13.18 Uhr veröffentlichte Gerry Weber die Pflichtmitteilung über die Insolvenz in Eigenverwaltung. Der Handel wurde um 14.20 Uhr wieder aufgenommen – zum Kurs von 45 Cent.

Aktuell notiert das Papier noch bei knapp sechs Cent. Die Altaktionäre sollen, wie berichtet, im Zuge des Insolvenzverfahrens und des Einstiegs zweier Finanzinvestoren leer ausgehen, ihre Aktien eingezogen und wertlos werden.

Nicht Gegenstand der Bafin-Anzeige war dagegen der ungewöhnliche Handel am 21. September 2018. Damals waren auffällig viele Aktien des Modekonzerns gehandelt worden. In der Xetra-Schlussauktion wechselten mehr als 600.000 Papiere den Besitzer – rund 95 Prozent des Tagesumsatzes. Wenige Minuten später folgte ein Bericht, dass der Konzern überraschend ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben habe. Das Unternehmen bestätigte dies am späten Abend in einer Pflichtmitteilung. Am nächsten Handelstag stürzte der Kurs um 25 Prozent ab.

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