Fr., 27.09.2019

IG Metall protestiert – Geschäftsleitung: Gewerkschaft schürt Unruhe Miele fordert Nullrunde

Blick in die Miele-Waschmaschinenproduktion in Gütersloh.

Blick in die Miele-Waschmaschinenproduktion in Gütersloh. Foto: dpa

Von Dunja Delker und Bernhard Hertlein

Gütersloh(WB). Die Auseinandersetzung zwischen Miele-Geschäftsführung und IG Metall hat an Schärfe wieder zugenommen. Hintergrund sind offenbar Forderungen nach größerer Flexibilität und Verzicht auf Lohnerhöhungen durch die Geschäftsführung des Miele-Gerätewerks in Gütersloh.

Wie berichtet, verhandeln Management und IG Metall über einen Standortsicherungsvertrag für das Werk, in dem Miele-Waschmaschinen hergestellt werden. Mitglieder der IG Metall und des Gütersloher Betriebsrates informierten am Donnerstag über Forderungen, die die Geschäftsleitung bei den Verhandlungen aufgestellt habe.

Demnach werde verlangt, dass die Belegschaft außer auf Sonderzahlungen auch auf die bei der nächsten Tarifrunde zu erwartenden Lohnerhöhungen verzichte. Mit hochflexiblen Schichtmodellen solle die Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Produktion angepasst werden. »Am Ende würden Überstundenzuschläge wegfallen«, befürchtet Klaus Niebusch, Vorsitzender des Miele-Betriebsrates in Gütersloh.

Die Auseinandersetzung zwischen Miele-Geschäftsführung und IG Metall hat an Schärfe wieder zugenommen. Hintergrund sind offenbar Forderungen nach größerer Flexibilität und Verzicht auf Lohnerhöhungen durch die Geschäftsführung des Miele-Gerätewerks in Gütersloh. Foto: Dunja Delker

Die fünfköpfige Geschäftsleitung um Markus Miele und Reinhard Zinkann reagierte noch am späten Nachmittag mit einem Brief an die Belegschaft. Darin wirft sie der IG Metall vor, Unsicherheiten innerhalb der Belegschaft zu schüren. Die Gewerkschaft verbreite Aussagen, die »nicht den Fakten entsprechen«. Sie seien zudem nicht der aktuelle Verhandlungsstand.

Mitte August hatte die Firmenleitung bekannt gegeben, dass im Zusammenhang mit der Eröffnung eines neuen Werks in Polen statt der schon bekannt gewordenen 460 nun 770 der etwa 2200 Stellen im Gerätewerk abgebaut werden sollen. Niebusch hofft, dass die Zahl im Zuge der Verhandlungen noch reduziert werden kann. Vor allem müsse die Unternehmensleitung auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

Weiterhin sollen, wie Stefan Moldenhauer (IG Metall) ergänzend erklärt, die Kosten für Altersteilzeit auf die Beschäftigten umgewälzt werden. Nicht zuletzt erwarte das Management auch, dass Beschäftigte, deren Arbeitsleistung nicht mehr gefragt sei, an andere Standorte wie Bielefeld, Oelde oder Warendorf wechselten. Moldenhauer fürchtet allerdings, dass, sofern sich die Geschäftsleitung mit ihren Forderungen durchsetze, diese bald auch für die anderen Miele-Standorte aufgestellt würden.

Die 13 Mitglieder der Kommission, die über einen Sanierungssicherungsvertrag verhandelt, werden sich schon am 2. Oktober zu ihrer nächsten Sitzung treffen. Niebusch und Moldenhauer rechnen aber nicht damit, dass schon bald eine Einigung erzielt wird. Grundsätzlich sei die Arbeitnehmerseite kompromissbereit. Darüber, worin die Kompromisse liegen könnten, will man sich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. Die Geschäftsleitung erklärt in dem Mitarbeiterbrief, sie sei trotz allem weiter an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert. Seite 4: Kommentar

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