Fr., 27.09.2019

Fleischkonzern investiert mit lokalem Partner 500 Millionen Euro Tönnies baut in China

Clemens Tönnies mit einem Karton für den China-Verkauf.

Clemens Tönnies mit einem Karton für den China-Verkauf. Foto: Wotke

Von Oliver Horst

Rheda-Wiedenbrück (WB). Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies macht bei seiner Internationalisierung einen Riesenschritt und plant den ersten Produktionsbetrieb außerhalb Europas. Mit einem lokalen Partner will der Rheda-Wiedenbrücker Konzern in China 500 Millionen Euro in einen Schweineschlachthof und Zerlegebetrieb sowie in Mastanlagen und den Vertrieb investieren. Konzernchef Clemens Tönnies spricht von einem »Meilenstein in der Firmengeschichte«.

Für den Schlacht- und Zerlegebetrieb in der südwestlichen Provinz Sichuan sind 150 der 500 Millionen Euro veranschlagt. Die Grundsteinlegung soll 2020 sein, die Produktion 2022 anlaufen. Im ersten Schritt sollen jährlich rund zwei Millionen Schweine verarbeitet, die Kapazität sukzessive auf sechs Millionen Tieren in der Endstufe ausgeweitet werden. Zum Vergleich: Am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück sind es rund sieben Millionen Schweine pro Jahr.

Für das Projekt gründet Tönnies ein Joint-Venture mit der chinesischen Dekon Group. Diese ist Teil der 1997 von vier Brüdern gegründeten West Hope Group, die im laufenden Jahr umgerechnet rund 38 Milliarden Euro umsetzen will. Am neuen Gemeinschaftsunternehmen halten beide Partner jeweils 50 Prozent. Dem Vernehmen nach werden sich die auf den Agrarbereich spezialisierten Chinesen, die bereits Mastanlagen für Schweine und Geflügel betreiben, finanziell etwas stärker engagieren als Tönnies. Der Schlachtbetrieb soll zu großen Teilen aus eigenen Mastanlagen beliefert werden.

Tönnies erwirtschaftet bislang jeden zweiten Euro im Ausland – bei stagnierendem Inlandsgeschäft. China ist dabei für den Konzern schon heute einer der wichtigsten Auslandsmärkte. Bislang liefert Tönnies dorthin Tiefkühlfleisch. Angesichts der Bedeutung des chinesischen Marktes, seines Wachstumspotentials und der räumlichen Distanz sei ein Engagement vor Ort zwingend, um die Nachfrage aus dem Land heraus zu bedienen, sagte ein Tönnies-Sprecher. Der deutsche Marktführer wolle dabei sein Know how in der Produktion nutzen, sagte Co-Chef Andres Ruff.

Ähnliche Pläne verfolgte Tönnies in Russland. Dort baute der Konzern mit Partnern 14 Mastanlagen. Angesichts der Marktlage wurde ein eigener Schlachthof aber bislang nicht realisiert.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6960465?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F