Fr., 27.09.2019

Von Dimension der China-Pläne überrascht – Neffe greift Clemens Tönnies persönlich an Robert Tönnies wirft Onkel »Größenwahn« vor

Neue Vorwürfe: Das Tischtuch zwischen Robert Tönnies (von rechts) auf der einen und seinem Onkel Clemens Tönnies und dessen Sohn Maximilan auf der anderen Seite scheint endgültig zerschnitten.

Neue Vorwürfe: Das Tischtuch zwischen Robert Tönnies (von rechts) auf der einen und seinem Onkel Clemens Tönnies und dessen Sohn Maximilan auf der anderen Seite scheint endgültig zerschnitten.

Von Oliver Horst

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Familienstreit an der Spitze des Fleischkonzerns Tönnies eskaliert immer weiter. 50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies (41) wirft seinem Onkel und Konzernchef Clemens Tönnies (63) nun wegen des geplanten China-Engagements Täuschung oder alternativ Größenwahn vor. Wie am Freitag berichtet, will der Rheda-Wiedenbrücker Konzern gemeinsam mit einem lokalen Partner in China 500 Millionen Euro in einen Schlacht- und Zerlegebetrieb sowie Mastanlagen investieren. Hierzu schloss Tönnies einen Vorvertrag mit der Dekon Group.

Robert Tönnies teilte am Freitag mit, dass er über die strategische Entscheidung nicht hinreichend informiert worden sei. Im Beirat habe das Thema zwar auf der Tagesordnung gestanden. Dort sei das Projekt aber nur als ein vergleichsweise kleines »Plänchen« mit vier Millionen Euro Volumen vorgestellt worden. Zustimmungspflicht besteht erst ab zehn Millonen. Es sei deshalb auch keine Abstimmung darüber im sieben Mitglieder großen Gremium erfolgt.

Thema in der nächsten Beiratssitzung klären

Als Robert Tönnies nun aus Berichterstattungen – unter anderem des WESTFALEN-BLATTES – von der Größenordnung des geplanten ­Joint-Ventures erfuhr, fiel er aus allen Wolken. »Es gibt bezüglich des Investitionsvorhaben in China nur zwei Schlussfolgerungen: Entweder wurde der Beirat und ich getäuscht, da die geplante Investition eine Größenordnung hat, die der Zustimmung bedarf. Die Geschäftsführung hätte in dem Fall ihre Kompetenzen weit überschritten«, erklärt der Mitgesellschafter. »Oder mein Mitgesellschafter hat, wie seinerzeit beim angeblichen Bau eines Schlacht- und Zerlegebetriebs in Russland, der Öffentlichkeit einen Bären aufgebunden.« Der Neffe geht noch einen Schritt weiter: »Jedenfalls mache ich mir mittlerweile Sorgen, dass Clemens an Größenwahn erkrankt sein könnte. Ich werde diese Themen in der nächsten Beiratssitzung klären.«

Konzernsprecher: »China-Engagement ist mit Gremien abgestimmt«

Ein Konzernsprecher teilte auf Anfrage mit, dass das China-Engagement mit den Gremien des Unternehmens abgestimmt sei. Demnach waren die von Robert Tönnies entsandten Geschäftsführer Andres Ruff und Stefan Gros eingeweiht. Ruff unterzeichnete für Tönnies auch den Vorvertrag mit Dekon vor Ort in China. Die zwischenzeitlich von Robert Tönnies geplante Absetzung von Geschäftsführer Ruff hatte der Beirat zuletzt mehrheitlich verhindert.

Der neuerliche Streit zeigt, wie zerrüttet das Verhältnis der Gesellschafter ist. Der nach jahrelangem Rechtsstreit 2017 geschlossene Friedensvertrag ist nur noch Makulatur. Robert Tönnies hat, wie berichtet, diesen Sommer ein Schiedsverfahren angestoßen, um eine endgültige Klärung herbeizuführen. Er fordert zur Trennung einen geordneten Verkauf des Konzerns. Clemens Tönnies, der gemeinsam mit seinem Sohn Maximilian die anderen 50 Prozent hält, lehnt das kategorisch ab.

Kommentare

Robert Tönnies wirft Onkel »Größenwahn« vor

Es ist schon schlimm, wenn sich so ein caesarenwahniger Rassist wie Clemens Tönnies meint sich alles leisten und erlauben zu dürfen. Eigentlich müsste der normale Konsument mit einem Boikott der Produkte aus dem Tönnies Imperium darauf antworten.

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