Fr., 04.10.2019

Die Wurst aus Twistetal hieß bei Metro »Aro« und »Metro Chef« Wilke auch unter anderen Namen

Blick auf die Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren.

Blick auf die Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Korbach/Twistetal (WB). Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst ist der nordhessische Hersteller Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in wirtschaftliche Schieflage geraten. Zudem ist bekannt geworden, dass Wilke-Fleisch doch unter anderem Namen verkauft wurde.

Schon am Dienstag war der Betrieb der Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal in hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg geschlossen worden. Zuvor waren Listerien-Keime in Salami und Brühwürstchen des Unternehmens gefunden worden. Zwei Todesfälle in Südhessen werden mit den Keimen in Verbindung gebracht.

Am Freitag berichtete die Verbraucherorganisation Foodwatch, dass noch am vorangegangenen Feiertag Patienten der Einrichtung »UniReha« des Kölner Universitätsklinikums zum Frühstück Wilke-Wurst erhalten hätten. Für die Essenausgabe dort ist nach Angaben von Foodwatch nicht die Klinik selbst, sondern ein Caterer zuständig.

Uniklinik räumt Fehler ein

Das Universitätsklinikum Köln hat am Freitagabend einen Fehler bei einer Tochtergesellschaft eingeräumt. »Aufgrund der Kurzfristigkeit und des Zeitpunktes der Information ist es im Zusammenhang mit unserer Tochtergesellschaft UniReha zu einem Fehler innerhalb der Speisenversorgung gekommen, so dass einigen Reha-Patienten dennoch Wurstware der Firma Wilke angeboten worden ist«, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Uniklinik Köln am Freitagabend.

Für Nachfragen, zu welchen Zeitpunkt und wie viele Reha-Patienten vom Rückruf betroffene Wurst des Herstellers Wilke noch erhalten haben, war die Uniklinik Köln am Freitagabend zunächst nicht zu erreichen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte zuvor am Freitag erklärt, dass nach ihren Informationen in der Reha-Einrichtung »UniReha« des Universitätsklinikums Köln noch am Feiertag (3. Oktober) zum Frühstück vom Rückruf betroffene Wilke-Produkte an Patienten ausgegeben worden seien. Sie berief sich dabei auf mehrere Quellen.

In der Erklärung der Uniklinik Köln heißt es, sie sei am Mittwoch (2. Oktober) um 17.45 Uhr durch ihren Fleisch-Zulieferer per E-Mail informiert worden, dass sämtliche Produkte des Wurstherstellers der Firma Wilke zurückgerufen werden. »Daraufhin haben wir unverzüglich damit begonnen, die Verteilung der Wurstwaren zu stoppen«, erläuterte der Sprecher des Universitätsklinikum Köln weiter. »Die in den Medien genannten, vermutlich kontaminierten Wurstsorten des Herstellers sind in der Uniklinik Köln jedoch nicht verwendet worden«, betonte er.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin. Dieser richte sich noch nicht gegen eine konkrete Person. Zusätzlich zu den zwei Todesfällen sind mindestens 37 Erkrankungen bekannt geworden, für die vermutlich Keime in der Wilke-Wurst verantwortlich seien.

Gefährlich ist eine durch Listerien hervorgerufene Infektion für abwehrgeschwächte Personen, insbesondere Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Trans­plantierte und Schwangere. Bei gesunden Menschen verläuft eine Erkrankung meist unauffällig und ohne Folgen.

Metro startet Rückruf

Die bei Wilke hergestellte Wurst ist in den Metro-Märkten unter den Eigenmarken »Aro« und »Me­tro-Chef« verkauft worden. Der Düsseldorfer Handelskonzern startete den Rückruf nach eigenen Angaben vorsorglich, ohne dass er selbst in der Wurst Keime gefunden hätte. Die Produkte seien schon am Mittwoch aus den Regalen genommen worden.

Darüber hinaus startete die Handelsgruppe Kaufland in drei Märkten in Nordhessen – Schwalmstadt, Korbach und Biedenkopf – Rückrufe für eine Vielzahl von Salami-, Blut-, Rot-, Leber-, Mett-, Bock- und Bratwurstprodukten, die sämtlich unter dem Herstellernamen Wilke verkauft wurden. Weitere Rückrufaktionen wurden von Handelsketten in den Niederlanden, Belgien und Österreich gestartet.

Dagegen erklärten die größten deutschen Einzelhandelsketten Edeka und Rewe, sie führten keine Wurst von Wilke.

Foodwatch übt scharfe Kritik

Scharfe Kritik übt Foodwatch an den hessischen Behörden, weil sie am Freitag immer noch keine Listen der Verkaufsstellen und der vom Rückruf betroffenen Produkte und Marken vorlegen konnten. Indessen berichtete die »Waldeckische Landeszeitung« auf ihrer Internetseite, dass schon früher unhaltbare hygienische Zustände bei Wilke feststellbar gewesen seinen.

Ein ungenannter, aber der Redaktion bekannter Informant habe Aufnahmen aus dem Jahr 2018 vorgelegt. Sie zeigten »verschimmelten halbierten Fleischkäse vor den Schneidemaschinen, Schimmel auf den Deckeln frisch eingelegten Schinkenfleisches« und mehr. Unhygienische Zustände an den Schneidemaschinen stehen im Verdacht, für die Keime in der Wilke-Wurst verantwortlich zu sein.

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