Foodwatch kritisiert Krisenmanagement
Information über Wurst-Rückruf durch Feiertag verzögert

Köln (WB). In Köln zum Beispiel hat die Stadt erst am Freitag alle betroffenen Großhändler erreicht - drei Tage nach der Schließung des nordhessischen Betriebs. Der Ablauf sei durch den Feiertag am Donnerstag erschwert gewesen, sagte ein Stadtsprecher am Samstag.

Samstag, 05.10.2019, 14:09 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 14:40 Uhr
Werbeschilder stehen vor dem Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen. Foto: dpa
Werbeschilder stehen vor dem Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen. Foto: dpa

Die hessischen Behörden hatten die Produktion des Unternehmens Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal-Berndorf am Dienstag vorläufig geschlossen und einen Produktrückruf angeordnet.

Das Kölner Verbraucherschutzamt sei am Donnerstag von der zuständigen NRW-Landesbehörde informiert worden, dass neun Kölner Großhändler mit Wurstwaren der Firma beliefert worden seien, sagte ein Stadtsprecher am Samstag. »Wegen des Feiertags wurden vom Verbraucherschutzamt nicht alle Großhändler unmittelbar erreicht«, teilte die Stadt mit. Erst im Laufe des Freitags sei es gelungen, alle Großhändler zu informieren, sagte der Sprecher.

Was sind Listerien?

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der so genannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte und Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

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Die Großhändler seien von der Stadt aufgefordert worden, »alle Abnehmer/Kunden der bereits ausgelieferten Ware zu benachrichtigen«. Wie viele von dem Rückruf betroffene Produkte in Köln tatsächlich noch ausgeliefert wurden, ist unklar. Die Stadt erwarte nun eine Dokumentation der betroffenen Großhändler.

Am Freitag hatte bereits die Kölner Uniklinik Fehler nach dem Rückruf der Wilke-Wurstwaren eingeräumt . Einige Reha-Patienten hätten trotz des Rückrufs noch Wurstwaren der Firma Wilke bekommen, hatte die Klinik mitgeteilt.

Behörden bringen zwei Todesfälle in Südhessen mit Wilke-Wurst in Verbindung. In den Produkten waren mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen worden, die für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein können. Die Produktion wurde gestoppt und der Rückruf aller Produkte weltweit angeordnet. Das Unternehmen hat die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Foodwatch: Krisenmanagement ist katastrophal

Die Verbraucherorganisation foodwatch fordert nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst die Behörden auf, die Verbraucher umfangreich über die betroffenen Produkte aus der Herstellung des nordhessischen Betriebs und die Verkaufsstellen zu informieren. Das Krisenmanagement des Landkreises und des Regierungspräsidiums als zuständige Stellen sei katastrophal, sagte ein Sprecher am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Verantwortlichen seien völlig überfordert mit der Situation. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) müsse den Fall an sich ziehen.

Laut Behörden gibt es mittlerweile 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf im Zusammenhang stehen.

Nach Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma Wilke mittlerweile der Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Liste der belieferten Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Schnellwarnstelle habe diese europaweit an alle Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörden verteilt, heißt es auf der Website des Landkreises. Weitere Details zu der Liste gab es nicht.

Ehemalige Mitarbeiter kritisieren Zustände im Unternehmen

Die Waldeckische Landeszeitung berichtet über frühere Mitarbeiter, die mangelnde Hygiene bei Wilke beklagen. Ein Lebensmitteltechnologe berichtet von Produktionsbereichen, die zum Teil tage- oder wochenlang nicht gereinigt worden seien. Bei seinen Besuchen im Unternehmen habe er die Geschäftsführung und die Betriebsleitung auf die »abartigen Zustände« aufmerksam gemacht. Der Zeitung stellte er Fotos zur Verfügung, die unter anderem Schimmel auf Salami und Fleischkäse zeigen, die bei Wilke produziert worden sein sollen. Zudem berichtet die Waldeckische Landeszeitung von ehemaligen Mitarbeitern, die die Arbeitsbedingungen als »menschenunwürdig« empfanden.

 

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