Mo., 07.10.2019

Möbelkette stoppt Verkauf der Produkte Keimbelastete Wurst: Wilke belieferte auch Ikea-Restaurants

Wer bei Ikea gefrühstückt hat, könnte Wilke-Wurst verzehrt haben.

Wer bei Ikea gefrühstückt hat, könnte Wilke-Wurst verzehrt haben. Foto: dpa/Montage

Korbach/Hofheim (dpa/in). Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Fleischwaren des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke ist auch der Möbelkonzern Ikea vom Rückruf betroffen.

Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin des Möbelkonzerns am Montag. Sie bestätigte damit entsprechende Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch.

Diese Handelsmarken sind betroffen

Inzwischen ist die hessische Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) einer Forderung von Kritikern nachgekommen und hat wenigstens eine Liste von Handelsmarken veröffentlicht.

• Haus am Eichfeld• Metro Chef• Service Bund „Servisa“• CASA• Pickosta• Sander Gourmet• Rohloff Manufaktur• Schnittpunkt• Korbach• ARO• Findt• Domino• Wilke

Ikea war nach eigenen Angaben am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH informiert worden. »Aus diesem Grund haben wir als Vorsichtsmaßnahme den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt«, sagte die Sprecherin.

Schwedenshop nicht betroffen

Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus dem Restaurant, dem Schwedenshop und dem Bistro. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

In Ostwestfalen-Lippe betreibt Ikea ein Möbelhaus in Bielefeld-Brackwede.

Bereits vergangene Woche hatte der Großhändler Metro erklärt, Wilke-Produkte und Eigenmarken mit Wilke-Fleisch aus dem Sortiment genommen zu haben. Ebenso hatte Kaufland einen Rückruf für Wilke-Wurst aus drei Märkten in Nordhessen gestartet.

Wie die Keime immer wieder in die Wurst kamen, untersuchten Spezialisten des Landes Hesssen. Der Bericht sei fertig und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg zugeleitet worden, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt am Montag. Dort ist die für Hessen zuständige »Task-Force Lebensmittelsicherheit« angesiedelt. Zum Inhalt des Berichts äußerte sich der Sprecher nicht und verwies auf die Kreisverwaltung als zuständige Behörde. Diese kündigte für Montagnachmittag eine Stellungnahme an.

Todesfälle auch in den Niederlanden

Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Außerdem meldeten niederländische Medien am Montag, dass im Nachbarland drei Todesfälle in jüngster Zeit auf Listerien zurückgeführt werden.

Listerien-Keime wurden mehrfach in Wilke-Produkten nachgewiesen. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sei. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte als Aufsichtsbehörde den Betrieb mit 200 Mitarbeitern am Dienstag vergangener Woche geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Foodwatch kritisiert Krisenmanagement

Foodwatch hatte Wilke und den Behörden »schwere Versäumnisse« beim Krisenmanagement vorgeworfen. Zudem will die Organisation die Veröffentlichung von Listen aller belieferten Betrieb erzwingen - notfalls auf dem Gerichtsweg. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat angekündigt, den Vorgang »auch intern ohne Wenn und Aber aufzuarbeiten«.

Sollte es beim Krisenmanagement oder Umgang mit Wilke Fehler gegeben haben, wäre das Regierungspräsidium in Kassel die zuständige Aufsichtsbehörde. Dort will man vorerst abwarten. »Das müssen die erstmal aufarbeiten«, sagte ein RP-Sprecher am Montag.

Wilke hatte am Freitag die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Diesem Antrag sei zugestimmt worden, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. Ein Insolvenzverwalter sei bestellt worden. Ziel des Verfahrens sei, dass das Unternehmen in Twistetal-Berndorf weiter betrieben werden könne. Ob das in diesem Fall gelinge, sei aber fraglich.

 

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