Do., 10.10.2019

Unternehmen nutzte aber wohl legalen Weg, um sich vorzubereiten Kontrolleure wurden von Wilke nicht getäuscht – Ungewisse Zukunft für Mitarbeiter

Foto zum Ekeln aus den Räumen der Firma Wilke: Eine von Schimmel befallene Wurst.

Foto zum Ekeln aus den Räumen der Firma Wilke: Eine von Schimmel befallene Wurst.

Kassel/Berlin (dpa). Im Fall von keimbelasteter Wurst ist der nordhessische Fleischhersteller Wilke offenbar auf legalem Weg noch im Juli an ein Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen.

Das Unternehmen habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management, am Donnerstag: »Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS vom Wilke getäuscht wurde.« Zuvor hatte die Zeitung »Welt« darüber berichtet.

Auf Besuche vorbereitet

IFS-Zertifizierung

Die IFS-Zertifizierung ist eine Eigenkontrolle der Lebensmittelwirtschaft. Ihr Ziel ist die Prüfung, ob Hersteller sichere Lebensmittel nach Anforderungen des Handels produzieren können. Das Zertifikat richtet sich nicht an Verbraucher.

Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden. Dabei habe Wilke belegt, dass ein Listerien-Ausbruch vom April 2019 erfolgreich bekämpft war. Tromp vermutet daher, dass es bei Wilke zwei Ausbrüche der Keime gab ­– vor und nach der Prüfung.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Zwei Todesfälle in Südhessen werden mit Waren der mittlerweile geschlossenen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Was wird aus den Mitarbeitern?

Die Zukunft der 200 Beschäftigten des geschlossenen Fleischherstellers Wilke bleibt ungewiss. »Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen«, erklärte Andreas Kampmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag. So stünden noch viele Septemberlöhne aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar. Zuvor hatte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« berichtet.

Laut Gewerkschaft ist die Geschäftsführung für Mitarbeiter nicht zu erreichen. Auf Presseanfragen reagiert Wilke nicht. Das Unternehmen hat vorläufige Insolvenz angemeldet, ein Insolvenzverwalter wurde eingesetzt. »Aktuell ist die Gefahr groß, dass die Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wenn sich nicht schnell etwas was verändert«, sagte Kampmann. Er hofft, dass sich ein Investor findet, der eine Verwendung für den Betrieb hat - wenn auch nicht unter ursprünglichem Namen. »Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will.«

Wilke hat auch die Mühlenkreiskliniken und das Klinikum Herford beliefert. Etliche Großhändler aus Ostwestfalen-Lippe, vier davon allein im Kreis Herford, sind mit Wurstwaren der Firma Wilke beliefert worden. Dabei ist nicht nur die Wurst das Problem.

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